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Was ist der gemeine Nutzen?

Wenn die Forderung nach einem guten Gesundheitssystem gestellt wird, stößt dies auf breite Zustimmung. Aber schon bei der Frage, wer die Kosten – etwa für die Arzthonorare – zu tragen hat, gibt es unterschiedliche Meinungen. Einige werden dabei den Ärztevertretern eine Bereicherungsabsicht unterstellen. Während der (all)gemeine Nutzen des guten Gesundheitssystems anerkannt wird, lassen sich bei den Konsequenzen Interessen von Gruppen oder Privatpersonen vermuten.

„Gemeinwohl unterscheidet sich vom Gruppeninteresse“, verdeutlicht Prof. Dr. Andreas Freytag von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Doch dem Wirtschaftswissenschaftler ist sehr bewusst, wie schwierig eine Unterscheidung zwischen gemeinem und privatem Nutzen ist. Diesem Problem stellt sich die Grundsatztagung „Was ist der gemeine Nutzen?“ am 18./19. November 2011 in Jena. Das gemeinsame Symposium der Ernst-Abbe-Stiftung und der Friedrich-Schiller-Universität Jena teilt sich in eine Expertenrunde am Freitag (18.11.) und einen öffentlichen Teil am 19. November, zu dem Interessierte von 10 bis 12.30 Uhr ins Planetarium Jena (Am Planetarium 5) eingeladen sind; der Eintritt ist frei.

Es geht um eine grundsätzliche Definition des Gemeinwohls, das jede Interessengruppe anders definiert. Hochkarätige Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft werden „den Begriff des gemeinen Nutzens aus unterschiedlichen Perspektiven aktuell wie historisch untersuchen und dabei Erkenntnisse wie auch Antworten für die Zukunft finden“, erläutert der Mitveranstalter Rolf Ferdinand Schmalbrock. „Der Begriff ,gemeiner Nutzen‘ wird vielfältig auf ein steuerliches Privileg verkürzt“, so der Geschäftsführer der Ernst-Abbe-Stiftung weiter, „obwohl das gemeinnützige Handeln in allen gesellschaftlichen Bereichen eine herausragende Rolle spielt. Dies gilt nicht nur im Verhältnis Staat und Bürger, sondern auch zwischen den Bürgern untereinander.“


Viele Sportveranstaltungen, wie hier der Kernberglauf, können nur veranstaltet werden, weil Menschen ehrenamtlich helfen - und sie sind sogar zufriedener, wie bei einer Tagung in Jena dargestellt wird. (Foto: privat)

Ein Beispiel dafür ist das Ehrenamt, ohne das eine Vielzahl gesellschaftlicher Aktivitäten – von Sport über Kultur bis zur Kinder- und Seniorenbetreuung – gar nicht mehr stattfinden würde. Dabei sind Ehrenamtler zufriedener als andere Menschen, wie wissenschaftliche Studien nachgewiesen haben. Jenaer Wirtschaftswissenschaftler gehen aktuell der Frage nach, ob man jemanden zum Ehrenamt, also zu seinem Glück, zwingen kann und sollte.

„Das gemeine Wohl lässt sich am besten erreichen, wenn man es nicht exakt definiert und oktroyiert, sondern auf grundsätzliche Erwägungen zurückführt“, ist sich Mitveranstalter Prof. Freytag sicher. Dazu zählt der Wirtschaftspolitik-Experte u. a. Startgerechtigkeit und das Bereitstellen von Infrastruktur.

Hilfreich bei der Analyse des Gemeinwohl-Verhältnisses zwischen Staat und Bürger sollte am Samstag auch der Vortrag von Dr. Günther Beckstein sein. Vom bayerischen Ministerpräsidenten a. D. erwartet Prof. Freytag „einen kernigen Vortrag“, der eine gute Grundlage für die nachfolgende Diskussion bilden werde.

Den Veranstaltern sei die Breite und Tiefe des Themas bewusst, sagt Andreas Freytag und erhofft sich aus der Tagung „mehr Klarheit über die vielfältigen Facetten des gemeinen Nutzens“.


Die Fußballerinnen des FF USV Jena wissen den Wert des Ehrenamtes zu schätzen. Bei der Tagung in Jena wird auch über das Ehrenamt diskutiert. (Foto: Lothar Weisner)

(jenanews.de)
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