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Friedrich-Schiller-Universität Jena veranstaltet Tagung zu Martin Luthers „Tischreden“ am 20. April

„Als bei Tisch einmal Luthers Hündchen saß, von seinem Herrn einen Bissen erwartete und begehrlich darauf schaute, ohne die Augen davon zu lassen, sagte er: O, daß ich so bete könnte, wie der Hund auf das Fleisch kann sehen! Seine Gedanken stehen allein auf das Stück Fleisch, sonst denkt, wünscht, hofft er nichts.“ Es gibt wohl kaum eine bessere Möglichkeit, den Mensch „Martin Luther“, mit seiner Art zu denken, kennen zu lernen als durch das Lesen seiner Tischreden. Etwa 3.000 dieser Aussprüche und Begebenheiten, die sich meist bei Tisch zugetragen haben sollen, sind bis heute überliefert. „Aber Vorsicht!“, warnt Prof. Dr. Volker Leppin von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. „Luthers Tischreden gehören zu den bekannten Unbekannten der Kulturgeschichte. Viele haben davon gehört, manches wird munter zitiert – hineingeschaut haben nur wenige.“ Deshalb widmet die Theologische Fakultät der Universität Jena diesem Kapitel der Lutherforschung am 20. April im Alten Schloss Dornburg eine ganze Tagung mit dem Titel „Luthers Tischreden als historische Quelle und editorische Aufgabe“.

Der Reformator selbst hat seine Tischreden nie aufgezeichnet. Erst seine Schüler sammelten die kleinen Episoden und tauschten sie sogar untereinander. Dabei entstand ein editorisches Chaos: „Manche Sammlungen der Aussprüche sind heute nur noch bruchstückhaft erhalten, andere sind so oft abgeschrieben worden, dass nicht mehr klar ist, wie viel Luther eigentlich darin steckt“, erklärt Kirchenhistoriker Leppin. „Die moderne Forschung muss mit großer Vorsicht an die vorliegenden Texte herangehen.“

Der Inhalt der Tagung deckt deshalb einen großen Bereich ab. So spricht etwa Prof. Barbara Müller aus Hamburg über die Tradition der Tischreden im Allgemeinen, die schon in der Antike eine wichtige Bedeutung hatten. Katharina Bärenfänger von der Universität Jena prüft die Meinung des Reformators zu einem bestimmten Themengebiet, wenn sie über „hermeneutisch-methodischen Erwägungen anhand von Luthers Aussagen über Kind und Kindheit in den Tischreden“ Auskunft gibt. Zum Abschluss denkt die Jenaer Theologin Margrit Glaser über „die Möglichkeiten einer Neuedition von Luthers Tischreden im 21. Jahrhundert“ nach. Schließlich werfen große Ereignisse ihre Schatten voraus. „In Vorbereitung auf das 500. Reformationsjubiläum 2017 müssen wir uns einfach vergewissern, wie genau unser Wissen über Luther und die Reformation ist“, unterstreicht Volker Leppin. „Die Tischreden sind dafür entscheidende Zeugnisse. Unsere Tagung trägt also zur quellenkritischen Klärung der Grundlagen der Feierlichkeiten in sieben Jahren bei.“

Trotz all der Verwirrungen über die Aussprüche des berühmten Theologen verstehen sie es auf eindrückliche Art, den Menschen hinter der historischen Figur aufblitzen zu lassen. So soll er einmal im Hinblick auf das Konzil in Mantua gesagt haben, während er sich das Bild seiner Frau Katharina anschaute: „Ich will einen Mann lassen dazu malen und das gen Mantua schicken mit der Frage, ob sie nicht doch lieber den Ehestand wollten!“

(jenanews.de)
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