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Vorbild Weimar

Sie steht bis heute als Inbegriff des Scheiterns: Mit einer der fortschrittlichsten Verfassungen des beginnenden 20. Jahrhunderts ins Leben gerufen, bleibt die Weimarer Republik vor allem als ein fehlgeschlagenes Experiment im Gedächtnis.

„Allerdings vollzieht sich in jüngster Zeit in der Geschichts-, Politik- und Rechtswissenschaft eine Neubewertung der ersten deutschen Republik“, weiß Prof. Dr. Michael Dreyer von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Statt auf ihr misslungenes Ende, so der Inhaber des Lehrstuhls für Politische Theorie und Ideengeschichte, richte sich der Blick der Wissenschaft nun stärker auf den Beginn der Weimarer Republik. „Zunehmend stehen die Chancen und Möglichkeiten der demokratischen Weimarer Verfassung im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Bewertung und weniger ihr Scheitern“, so Dreyer.

Die internationalen Auswirkungen der Frühphase der Demokratie in Deutschland wollen Prof. Dreyer und sein Team gemeinsam mit internationalen Fachkollegen während der Tagung „Vorbild Weimar“ vom 24. bis 27. Februar diskutieren. Dazu laden die Politikwissenschaftler der Jenaer Universität in das Kulturzentrum „mon ami“ nach Weimar ein. Neben Wissenschaftlern aus Jena und ganz Deutschland haben sich auch Experten aus Belgien, Großbritannien, den USA und Taiwan zur Tagung „Vorbild Weimar“ angemeldet.

„Gut 90 Jahre nach ihrer Proklamation stellen wir die Frage, wie die europäischen Nachbarstaaten die Weimarer Republik gesehen haben“, so Dr. Markus Lang. „Damit betreten wir wissenschaftliches Neuland“, macht der wissenschaftliche Mitarbeiter an Dreyers Lehrstuhl deutlich, der die Tagung mit organisiert. Bisher habe sich die Neubewertung der Weimarer Republik ausschließlich auf innerdeutsche Aspekte konzentriert. „Interessant wird es jedoch zu sehen, wie die demokratische Entwicklung Deutschlands in anderen Staaten aufgenommen wurde“, so Prof. Dreyer. Es gelte, die internationalen Wirkungen der Weimarer Verfassung zu untersuchen, also die Einflüsse, die die Weimarer Verfassung auf Verfassungsdiskurse und Verfassungen anderer Länder ausgeübt hat.

Neben der unmittelbaren Rezeption in den Nachbarstaaten wie z. B. Belgien oder Frankreich, wollen die Teilnehmer der Tagung auch weiter entfernte Wirkungen auf Großbritannien, USA, die Sowjetunion und darüber hinaus, sowie mit größerem zeitlichem Abstand in Portugal und der Fünften Republik Frankreichs untersuchen.

Die Tagung „Vorbild Weimar. Internationale Wirkungen der Weimarer Verfassung“ wird von der Volkswagen Stiftung, der Kulturdirektion der Stadt Weimar sowie der Sparkasse Mittelthüringen gefördert.

(jenanews.de)
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