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Todesorte geographisch erforschen

Wenn man Tote – wie nach dem Flugzeugunglück des Airbus A 330 auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris – im Meer nicht findet und daher nicht beerdigen kann, bedeutet das für Hinterbliebene auch, dass ein konkreter Ort für ihre Trauer fehlt.


„Der Wunsch nach erfahrbaren Orten des Abschieds, der Trauer und der ewigen Ruhe, die die Hinterbliebenen aufsuchen können, beweist die geographische Relevanz des faszinierenden Tabuthemas Tod“, erklärt Annegret Harendt vom Lehrstuhl für Sozialgeographie der Friedrich- Schiller-Universität Jena. Einen Teil ihrer Forschungsergebnisse zu diesem Thema hat die Geographin auf einem wissenschaftlichen Poster zusammengefasst, welches jetzt auf dem Deutschen Geographentag in Wien den 1. Posterpreis gewonnen hat.

Das Themenfeld Sterben, Tod und Trauer ist in der sozialgeographischen Disziplin wissenschaftliches Neuland. Aus sozialgeographischer Perspektive existieren Regionen und Orte nicht per se – Menschen konstituieren sie durch ihre alltäglichen Handlungen. Dies gilt auch für Todesorte. Ein Beispiel ist das Straßenkreuz, das an einen tödlichen Unfall erinnert. „Das Straßenkreuz ist ein Ausdruck dafür, wie Hinterbliebene den Ort des Sterbens mit einer symbolischen Bedeutung belegen und ihn dadurch aneignen“, erklärt Annegret Harendt. Sie bearbeitete das Thema in ihrer Examensarbeit, aus der eine Publikation entstand.

 

 

Harendts Poster „Zur symbolischen Aneignung von Todesorten“ wurde von einer unabhängigen Jury aus über 30 wissenschaftlichen Postern aus dem deutschsprachigen Raum zum Thema „Geographie und Gesellschaft“ ausgewählt. „Die Auszeichnung zeigt mir, dass das Thema Todesorte innerhalb der Geographie auf Interesse stößt und es sich lohnt, die Verbindung von Thanatologie und Sozialgeographie weiter zu erforschen“, freut sich die examinierte Geographin. „Außerdem trägt dieser 1. Preis zur Motivation meines wissenschaftlichen Schaffens bei und zeigt, dass die Postergestaltung gut gelungen ist.“

Derzeit forscht Annegret Harendt am Lehrstuhl von Professor Dr. Benno Werlen an ihrem Dissertationsthema zu Weltbildern, die durch sogenannte „Weltenkenner“ wie Peter Scholl-Latour oder Jürgen Todenhöfer in den Medien vermittelt werden und weshalb sie sich so erfolgreich durchsetzen.

(jenanews.de)
Foto: Friederike Enke/FSU


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