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Thüringer Barden des Mittelalters

Er sei zum Singen und sonst nichts geboren, bekannte einst Heinrich von Morungen: „Wan ich dur sanc bin ze der welte geborn.“ Der Minnesänger war einer der Großen seiner Zunft, dem sogar der – heute weithin bekanntere – Walther von der Vogelweide nacheiferte.

„Nach unserem Kenntnisstand können wir Heinrich von Morungen als Thüringer bezeichnen“, sagt Prof. Dr. Reinhard Hahn von der Universität Jena. Als Herkunftsort des Dichters wird die Burg Alt-Morungen in Nordthüringen vermutet, heute allerdings in Sachsen-Anhalt gelegen.

Reinhard Hahn hat es unternommen, die „Geschichte der mittelalterlichen deutschen Literatur Thüringens“ zu schreiben. Das gleichnamige Buch des Professors für deutsche Literatur des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit ist jetzt erschienen. Hahn räumt freimütig ein, es handele sich um einen Überblick, den Versuch einer Zusammenfassung. Denn mannigfach seien die Probleme, vor denen die Wissenschaft stehe. Da sei zum einen die Frage, was im Mittelalter als Thüringen gelten könne: Das Königreich Thüringen sei ja schon im 6. Jahrhundert untergegangen. Ergo käme zunächst die hohe Zeit der Landgrafen in Frage, später die Herrschaft der Wettiner. Alles bezogen auf den Raum, den wir heute als Thüringen kennen. Wobei zunächst die Landgrafen im Raum Eisenach agierten, später ihre Herrschaft in Richtung Hessen – nach Westen – ausdehnten. Mit den Wettinern verlagerte sich das Machtzentrum später nach Osten, in den Raum um Meißen.

„Die Blütezeit der deutschsprachigen Literatur in Thüringen fällt mit der hohen Zeit der Thüringer Landgrafen um das Jahr 1200 zusammen“, sagt Reinhard Hahn. Nicht von ungefähr wird die Lebenszeit Morungens auf um 1200 datiert. Während es in der Frühzeit äußerst schwierig ist, Texte zeitlich einzuordnen, da diese zumeist anonym verfasst wurden, betreten die Wissenschaftler ab dem 12. Jahrhundert festeren Boden. Nun lassen sich Textformen wie Minnesang, Roman und Sangspruchdichtung konkreten Autoren zuordnen. Namen wie Wolfram von Eschenbach oder Walther von der Vogelweide sind überliefert. „Herkunftsorte oder gar Biografien liegen in der Regel im Dunkeln“, sagt Hahn. Regionale Zuschreibungen erfolgen meist über die Schreibsprache der Handschriften – inklusive widerstreitender Forschermeinungen. Reinhard Hahn verweist darauf, dass die strikte Abgrenzung einer „thüringischen Literatur“ scheitern müsse. Der Österreicher Walther oder der Franke Wolfram würden durch ihren Aufenthalt in Thüringen nicht automatisch zu thüringischen Autoren. Ihr Wirken am Hofe des Landgrafen erlaube es dennoch, sie der Thüringer Literaturszene des Mittelalters zuzurechnen. Diese „Szene“ sei äußerst mobil gewesen, sagt Prof. Hahn: „Die Minnesänger gehörten wohl zum Gefolge eines Fürsten und waren mit diesem unterwegs.“

Wichtig waren zudem der Austausch mit anderen Dichtern und die Chance, deren Werke zu adaptieren. Besonders angesagt waren die französischen Dichtungen. So geht beispielsweise das „Rolandslied des Pfaffen Konrad“ auf die altfranzösische „Chanson de Roland“ zurück. Als deren Verfasser wird ein Turoldus genannt. Mehr als dieser Name ist nicht bekannt. Dieses Schicksal teilt er mit dem Thüringer Sänger Heinrich von Morungen.



Bibliografische Angaben:
Reinhard Hahn: „Geschichte der mittelalterlichen deutschen Literatur Thüringens“, Böhlau Verlag, Köln 2012, 425 Seiten, 49,90 Euro, ISBN: 978-3-412-20926-1

(jenanews.de)
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