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Kim Wenzel: Zum Radio-Job gekommen wie die Jungfrau zum Kind

Wer ist der Mann, dessen Stimme nahezu jeder Thüringer Sportbegeisterte aus dem Radio kennt? jenanews.de sprach mit Antenne Thüringen-Sportmoderator Kim Wenzel.


jenanews.de: Wie wird man Sportreporter bei Antenne Thüringen?
Kim Wenzel:
Da gab es einige Stationen und letztlich bin ich zu diesem Job gekommen wie die Jungfrau zum Kind! (lacht) – Ich hab Uhrmacher gelernt, dieser Beruf hat mir auch großen Spaß gemacht, später leitete ich in Tannroda einen Jugendklub; Popgymnastik, Disco, Fotozirkel – das volle Programm (lacht). Nach der Wende stand ich vor der Frage, mein Hobby zum Beruf zu machen und begann journalistisch zu arbeiten. Ich schrieb für diverse Zeitungen und stellte unter anderem den in Aufbau befindlichen Sender Antenne Thüringen vor. Nach dem Interview mit dem damaligen Sender-Chef fragte er mich bei der Verabschiedung, ob ich nicht Lust hätte, im Radio zu arbeiten. Tja, so wurde ich Sportmoderator bei Antenne Thüringen und war von der ersten Sendestunde an mit dabei und das nun schon seit 16 Jahren!

jenanews.de: 16 Jahre! Das bedeutet aber, Wochenende für Wochenende zu arbeiten und unter der Woche den Besuch diverser Pressekonferenzen wahrzunehmen und zu recherchieren. Bleibt da überhaupt noch Zeit für ein Privatleben?
Kim Wenzel:
Ganz klar, das ist ganz schwierig. Aber ich habe mich damals so entschieden und sind wir mal ehrlich: Es gibt viele Berufsgruppen, die am Wochenende arbeiten müssen und das auch irgendwie geregelt bekommen. Mein Wochenende findet Montags und Dienstags statt. Andere fahren Sonntagnacht auf Montage und sind irgendwann am späten Freitagabend wieder zu Hause, so gesehen kann ich mich nicht beklagen. Meine Frau bringt großes Verständnis für meinen Job und die damit verbundenen Arbeitszeiten auf, das funktioniert sehr gut.

jenanews.de: Was liebst Du an Deinem Beruf?
Kim Wenzel:
Im Radio ist das ja so, dass bei vielen Sendungen die Moderation in Stichwörtern, manchmal sogar bereits ausformuliert vorbereitet wird. Im Sport geht das nicht. Das gehst Du meistens live rein, hast im Studio vier Bildschirme, informierst Dich kurz und dann hast Du zwei Minuten Zeit, die wichtigsten Zwischenstände und Highlights durchzugeben – das liebe ich. Da schießt Kati Wilhelm beim Biathlon fehlerfrei, zeitgleich startet die Formel 1, in der dritten Liga wurde gerade ein Elfmeter verschossen und genau dieser Mix muss auch so rübergebracht werden. Das ist auch für mich spannend, weil mich ja die Sportarten einerseits auch privat interessieren, andererseits will ich das den Hörern auch mit genau der Spannung und Aufregung wiedergeben; er hat im Gegensatz zu mir nicht die Bilder auf den Monitoren, sondern hört nur an meiner Stimme, was gerade geschieht. Das macht großen Spaß, das möchte ich nicht missen.
Genau so verhält es sich, wenn ich aus den Stadien berichte. Beim Sport im Radio kannst Du nichts ausformulieren, es ist alles live und so soll es auch klingen. Das ist authentisch und macht wohl auch den Reiz des Mediums Radio aus.

 

 

 

jenanews.de: Ist Dir bei einer Live-Reportage schon mal ein richtig dicker Schnitzer passiert?
Kim Wenzel:
Ja, so was passiert schon mal. Es war vielleicht nicht unbedingt ein Schnitzer, aber ein sehr unangenehmes Erlebnis war es schon und ist mir noch gut in Erinnerung: Ich berichtete von einem Zweitliga-Spiel aus dem Ernst-Abbe-Sporfeld und ein Jenaer Spieler erzielt kurz vor Schluss den umjubelten Ausgleich. Ich bin live auf Sendung und plötzlich fällt mir der Name des Torschützen nicht ein! Die Sekunden dehnen sich, mein Kopf ist absolut leer und so sehr ich mich auch quäle, ich komme nicht auf den Namen! Ich sehe den Spieler, will erzählen, was sich gerade auf dem Rasen abspielt und kann es nicht – der Name ist weg! Hm, das war einer jener Momente, wo man sich wünscht, die Erde möge sich auftun und einen verschlingen (lacht).

jenanews.de: Schlagen für Dich als Thüringer zwei Herzen in einer Brust, wenn Jena gegen Erfurt spielt und Du aus dem Stadion berichtest? Wer ist Dein Lieblingsverein?
Kim Wenzel:
Der Vergleich mit den zwei Herzen trifft es auf den Punkt. Was den Lieblingsverein anbetrifft: Ich bin als Journalist der Neutralität und Objektivität verpflichtet, also wünsche ich beiden Mannschaften von Herzen viel Erfolg. Letztlich bin ich ein Thüringer Sportreporter, der sich sehnlichst wünscht, dass sowohl der FC Carl Zeiss Jena als auch der FC Rot-Weiß Erfurt bald wieder in der 2. Bundesliga Fußball spielen. Das wäre wohl auch im Sinne aller Fußballfreunde im Freistaat.

jenanews.de: Hast Du eine Lieblingsportart?
Kim Wenzel:
Vom Fußball berichte ich am liebsten. Früher habe ich mal aktiv Tischtennis gespielt und war sogar mal Mannschafts-Kreismeister in dieser Sportart. Heute ist es so, dass mir die Zeit fehlt, um aktiv Sport zu treiben.

jenanews.de: Unabhängig davon, ob es sich je erfüllen kann: Was ist Dein größter Wunsch?
Kim Wenzel:
(lacht) Gute Frage! Im sportlichen Bereich wünsche ich allen Thüringer Vereinen Erfolge, von denen ich berichten darf (lacht). Privat wünsche ich mir, dass ich mit meiner Familie auch künftig ein glückliches Leben führen kann und dass unser Sohn weiterhin so schön aufwächst, denn das ist für mich das allerwichtigste. Alles andere ist nachrangig. Sport ist die wunderbarste Nebensache der Welt, aber eben nur eine Nebensache. Denn wenn Dein Verein am Wochenende schlecht spielt und Du als Fan mies gelaunt nach Hause gehst, wer fängt Dich auf und tröstet Dich? Doch bestimmt die Familie. So sollte es jedenfalls sein. Bei mir ist das übrigens so (lacht).

Das Gespräch führte Jens Mende.
Foto: Jens Mende


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