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Alleinunterhalter zerstört ein Fußballspiel

Es hätte ein ganz normales Fußballspiel werden können, als am Dienstagabend der FC Carl Zeiss Jena den 1. FC Heidenheim im Ernst-Abbe-Sportfeld empfing. Doch Schiedsrichter Tim Sönder lebte auf schlimmste Art seinen Hang zum Alleinunterhalter aus.

Sollten Sie, liebe Leser, für Ihre nächste Geburtstagsfeier einen Alleinunterhalter benötigen, buchen Sie Tim Sönder. Zwar ist der junge Mann im Hauptberuf Schiedsrichter beim DFB, doch bringt er vermutlich jede Party zum rocken.
So auch am Dienstagabend, als der Referee die Begegnung des FC Carl Zeiss Jena gegen den 1. FC Heidenheim pfiff, übrigens sehr zum Missfallen der 5.093 Zuschauer in Jenas Fußballtempel.
Sönder hatte – wie es Dortmunds Coach Jürgen Klopp nennen würde – eine „sehr exklusive Sicht“ auf das, was sich in den 90 Minuten auf dem Rasen abspielte. Jenas Pressesprecher Andreas Trautmann fasste es mit den Worten „denkwürdig und merkwürdig“ zusammen. Was war geschehen?

Vom Anpfiff an tat sich wenig auf dem Rasen. Jena lauerte auf Konter, Heidenheim mit leichten optischen Vorteilen; Chancen aber erspielten sich beide Mannschaften nicht. Das Spiel war bis dahin nicht uninteressant, aber eben auch nicht spektakulär. Der einzige, der regelmäßig in den Fokus rückte, war Schiedsrichter Sönder. Wild gestikulierend unterstrich er jeden seiner Pfiffe, beorderte mit seiner teils arroganten Körpersprache die Spieler zu sich, diskutierte mit ihnen und schien sich insgesamt für den wichtigsten Akteur auf dem Rasen zu halten. Vielleicht wollte er auch nur die Tatsache überspielen, dass er permanent auf die schauspielerischen Einlagen der Heidenheimer Spieler hereinfiel.
Die Gäste, die eigentlich über die spielerischen Mittel verfügen sollten, um den Aufstieg mitzuspielen, zeigten sehenswerte Pirouetten und wälzten sich nach nahezu jedem Zweikampf auf dem Rasen, dass der besorgte Zuschauer den Eindruck bekam, hier helfe nur noch eine Organspende. Im Ernst: Jena spielte nicht brutal; es war ein ganz normales Fußballspiel. Das hätte es auch bleiben können, doch Schieri Sönder hatte etwas anderes vor.

Richtig ärgerlich wurde Sönders Auftritt ab der 22. Minute. Da zeigte er Jenas Stürmer Nils Pichinot die gelbe Karte und 15 Minuten später sogar gelb-rot. Seine äußerst einseitigen Entscheidungen führten in der 45. Minute zu einer handfesten Keilerei auf dem Spielfeld, die jeweils die rote Karte für Jenas Boskovic und Heidenheims Thurk nach sich zog. Kai-Fabian Schulz, als einer der wenigen Unbeteiligten, wurde von Sönder verwarnt! Nach neunzig Minuten hatte Sönder eine stolze Bilanz vorzuweisen: Er zog insgesamt vier gelbe, eine gelbrote und zwei rote Karten – nur eine davon ging an einen Heidenheimer Spieler – und das in einem Spiel, das nicht brutal oder übermäßig hart geführt wurde.

In der zweiten Hälfte war dann reichlich Platz auf dem Spielfeld, nachdem Jena nur noch zu neunt und Heidenheim zu zehnt spielte. Zweikämpfe fanden kaum noch statt, weil Schieri Sönder in der ersten Halbzeit auf brachialste Weise den Eindruck vermittelt hatte, das bloße Betreten des Rasens künftig mit gelb zu bestrafen.
Die Spieler des FC Carl Zeiss Jena lieferten dem Aufstiegsaspiranten eine großartige Abwehrschlacht, die das Publikum oft mit stehenden Ovationen unterstützte. In der 72. Minute erneut eine schauspielerische Glanzleistung der Gäste und nun kochte die ohnehin schon aufgeheizte Stimmung im Ernst-Abbe-Sportfeld über: Einige Zuschauer versuchten, das Spielfeld zu stürmen, konnten aber von der Polizei sofort in Gewahrsam genommen werden.

Am Ende hielten neun Jenaer Spieler das 0:0 und lagen nach dem Schlusspfiff völlig platt auf dem Rasen – die Anhänger des FCC feierten das Unentschieden zu recht wie einen Sieg.  So sah es auch Sebastian Hähnge: „Wenn Du in so einem Spiel einen Punkt holst, bist Du der moralische Sieger.“ Gästetrainer Frank Schmidt sah das völlig anders. Er sprach von „viel Gift in der Partie“ und zwar von Beginn an und monierte: „Das hatte nichts mit Sport zu tun!“
Mit Blick auf den Auftritt der Heidenheimer in Jena bleibt es jedoch fraglich, ob es etwas mit Sport zu tun hat, wenn erwachsene Männer nach ganz normalen Zweikämpfen permanent nach dem Notarzt rufen, hochgradig unsportlich gelbe Karten für ihre Gegenspieler fordern und neunzig Minuten provozieren, anstatt im sportlichen Wettstreit mit fußballerischen Mitteln die Entscheidung zu suchen.  

Ein fähiger Schiedsrichter hätte das Spiel in normalen Bahnen gehalten; Tim Sönder aber zerstörte im Stile eines Alleinunterhalters am Dienstagabend ein Fußballspiel, das noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Text: Jens Mende
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