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Kommentiert: Grabraub ein Kavaliersdelikt?

Die Diebstahlsserie auf dem Nordfriedhof hält unvermindert an. Immer wieder stehen Hinterbliebene fassungslos vor den geplünderten Gräbern ihrer Angehörigen.
- Wenn ein uns nahestehender Mensch stirbt, reißt dies eine nicht wieder zu füllende Lücke in unser eigenes Leben. Wir bleiben allein zurück, erfüllt von Trauer, Ängsten, Wut und Fassungslosigkeit und es ist schwer zu verstehen, dass der geliebte Mensch von einem Tag auf den Anderen für immer fort ist. Wir sind plötzlich Hinterbliebene, Zurückbleibende, die etwas existenziell Wichtiges verloren haben. Die Vergänglichkeit aller Dinge, besonders des eigenen Lebens wird uns in aller Deutlichkeit vor Augen geführt.
Jeder Mensch verarbeitet seinen Schmerz auf eigene Weise, doch für die Meisten von uns ist es ein großer Trost, einen Ort zu haben, an dem man sich dem Verstorbenen weiterhin nahe fühlen kann. Einen Friedhof, einen Anlaufort, den man besuchen kann, um seine Trauer zu verarbeiten. Ein Grab, das man liebevoll bepflanzt und schmückt. Mit Blumen, die der Tote besonders mochte, kleinen Andenken, Bildern, Briefen oder Plüschtieren. Ein Friedhof – ein Ort der Stille und des Friedens. So sollte es sein.

Keiner vermag das Gefühl zu beschreiben, wenn man das Grab seines Verstorbenen beim nächsten Besuch von skrupellosen Dieben geplündert sieht. Geschändet. Wut und Fassungslosigkeit erfüllen uns. Trauer und Unverständnis.

Was sind das für Menschen, die so etwas tun? Diese Frage stellte auch ich mir kürzlich, als ich vor dem Grab meiner Eltern und Großeltern stand. Es war völlig leer, erinnerte an eine Wüste. Die blühenden Rosenbüsche – weg. Die zahlreichen, erst beim letzten Besuch gepflanzten Blumen - allesamt verschwunden. Nur kleine Vertiefungen im Erdreich zeigten an, wo sie einst gestanden hatten. Auch die kleine Skulptur, die ich liebevoll auf dem Sockel des Grabsteins platziert hatte, war fort.

Mein Beispiel ist beileibe kein Einzelfall. Meine Freundin, die das Grab ihrer Tochter mit Hingabe hegt und pflegt, wird immer wieder bestohlen. Wie ich von vielen Betroffenen hörte, hat sich das Ganze zu einer wahren Diebstahlsserie auf dem Nordfriedhof ausgeweitet. Und das nicht erst seit gestern.

Die Friedhofsverwaltung und die Polizei stehen dem Problem mehr oder weniger hilflos gegenüber. Ich ehrlich gesagt auch.


Text und Fotos: Conny Ackermann

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