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Zorniger Engel debattiert - Podiumsdiskussion im Theaterhaus Jena

Full House am Montagabend im Theaterhaus Jena. Doch auf der Bühne standen keine Schauspieler. Das Motto des Abends lautete: Wir müssen reden!

Die Szene hatte etwas vom Wendeherbst 1989. Damals trafen sich engagierte Bürger mit den Verantwortlichen aus Politik und Kultur zu offenen Diskussionen, benannten Missstände und suchten gemeinsam nach Lösungsansätzen. So auch am Montagabend, als das Theaterhaus Jena zur Podiumsdiskussion in die laut FAZ einst „kreativste Theaterruine Deutschlands“ einlud. Zu Gast unter anderem Christhard Läpple, Redaktionsleiter des ZDF-Kulturmagazins „aspekte“. Ein im Rahmen dieses Formats ausgestrahlter Beitrag hatte den Zorn der Jenaer erregt, weil die Stadt nach Meinung vieler Bürger zu unrecht als fremdenfeindlich und Teil der „ostdeutschen Angstzone“ dargestellt wurde.

Das Interesse an der Veranstaltung war groß. So drängten sich rund 200 Zuschauer im und gut 150 Zuschauer – angesichts des Schneeregens eine beachtliche Zahl - vor dem Theaterhaus und verfolgten aufmerksam die Diskussion und beteiligten sich im Lauf des Abends an ihr. Wieder ging es darum, was Fernsehen darf bzw. nicht darf. Wieder wurde der Beitrag als einseitig und journalistisch mangelhaft bewertet. Viel wichtiger jedoch als eine – wohl immer subjektiv bleibende - Bewertung des „aspekte“-Beitrags aber war die Tatsache, dass endlich die Diskussion in Gang kam darüber, wie weit Jena in seinem Kampf gegen Nazis und Rechtsextremismus gekommen ist. Für Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter ist „Jena ein gutes Beispiel im Kampf gegen Rechts“, doch dürfe man keinesfalls stehen bleiben: „Was wir erreicht haben, ist beachtlich. Aber es ist auch nicht so, als ob wir keine Probleme hier hätten.“


Dr. Albrecht Schröter (Oberbürgermeister der Stadt Jena), Jonas Zipf (Moderation, Theaterhaus Jena), Christhard Läpple (Redaktionsleiter „aspekte“)

Genau diese Probleme wurden benannt und gemeinsam mit den Zuschauern diskutiert: Wo liegen die Ursachen für Rassismus und rechtsextreme Gewalttaten? Christhard Läpple brachte es auf den Punkt: „Dort, wo die Menschen in Wohlstand leben und die sozialen Unterschiede nur gering sind, gibt es keinen Rechtsextremismus.“ Wer aber unterstützt die ewig Gestrigen? Christoph Ellinghaus vom Aktionsnetzwerk Jena mit einem erschreckenden Fakt: „Mitte der 90er Jahre flossen 1,45 Mio. Euro über V-Leute aus dem Verfassungsschutz in die rechte Szene.“ Daraus folgert Ellinghaus, dass, wer Nazis bei ihren Aufmärschen blockieren möchte, auch einmal „darüber nachdenken sollte, ein gewisses Landesamt in Erfurt zu blockieren!“
Und wie geht der Staat mit Nazis um und wie reagiert er auf jene, die sich den Neonazis in den Weg stellen? Prof. Dr. Klaus Dörre, Soziologe an der FSU: „Die Polizei schützt deren Aufmärsche, verfolgt aber jene, die mit Mitteln des zivilen Ungehorsams Nazis blockieren. Da stimmt etwas nicht in der Gewichtung! Andererseits ist die Staatsmacht nicht in der Lage, drei Jugendliche, die jahrelang mordend und plündernd durch Deutschland ziehen, festzusetzen!“

Bei aller berechtigter Kritik am „aspekte“-Beitrag: Er hat in Jena einen wichtigen und wohl auch überfälligen Austausch in Gang gebracht, der dringend fortgesetzt werden und in konkrete Maßnahmen und Aktionen münden sollte: Ziel muss es sein, Jena zu einem sicheren und friedlichen Zuhause für alle seine Bürger, gleich welcher ethnischer Herkunft, zu machen.

Text und Foto: Jens Mende

Es diskutierten: Christoph Ellinghaus (Aktionsnetzwerk Jena), Prof. Dr. Klaus Dörre (Soziologe, FSU Jena), Dr. Albrecht Schröter (Oberbürgermeister der Stadt Jena), Jonas Zipf (Moderation, Theaterhaus Jena), Christhard Läpple (Redaktionsleiter „aspekte“), Dr. Marco Guerzoni (Integrationsbeirat), Katharina König (MdL, Die Linke), Thomas Grund (Streetworker Winzerla).
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