Sonntag, 21 | 04 | 2019 - jenanews.de_2.1 - Gute Nachrichten für Jena.
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„Nazis raus“ reicht nicht

Thomas Nitzsche, Kreisvorsitzender der FDP Jena, mit einem Beitrag zur Reaktion auf rechtsextreme Tendenzen - ein Denkanstoß.

Jena ist gegen rechtsextreme Tendenzen sehr stark im „Hier nicht!“. Das findet meine höchste Anerkennung. Das Problem wird damit aber nicht gelöst, sondern bestenfalls abgedrängt. Rechte Gesinnung löst sich so nicht in Luft auf, ebenso wenig die Personen, die sie in sich tragen. Die suchen sich ihr Ventil woanders. Wenn das Ausweichen der rechtsextremen Szene dann Städte trifft, die nicht das Glück einer so starken Zivilgesellschaft haben, dann ist Jena dort wieder ganz vorn mit dabei; man vergleiche die Erklärung des Jenaer Stadtrates, die auch ich unterzeichnet habe.

Widerstands-Tourismus kann aber nicht die Lösung sein, schon aus Zeitgründen nicht: Den gerade verliehenen Preis in allen Ehren, aber ein Oberbürgermeister hat wichtigeres zu tun, als sich Jahr für Jahr an einem Dutzend solcher Schauplätze abzuarbeiten oder sächsischen Ministerpräsidenten scharfe Briefe zu schreiben. Noch wichtiger, inhaltlich: auf Demonstrationen findet wirkliche Auseinandersetzung nicht statt. Sie kann sich auf Rufweite und von Menge zu Menge gar nicht ausdrücken. Wirksame Auseinandersetzung muss am einzelnen ansetzen, v.a. bei jenen, die gerade erst ins rechte Milieu abrutschen. Die beeindruckt ein Konzert nicht, zu dem sie ohnehin nicht gehen. Und eine Gegendemonstration, die sie an Zahl oder Lautstärke in den Schatten stellt, dürfte im eigenen Häuflein eher zu einem Reflex des „jetzt erst recht“ führen.

Jena muss umdenken. Der bunte Widerstand ist als politisches Symbol, als Zeichen der gegenseitigen Selbstvergewisserung und durchaus auch als gewaltfreie Kampfansage sehr wichtig. Aber für sich allein schreibt er das Problem mit fort, das er in bester Absicht lösen will. Die Logik des „ihr nicht“ und des „hier nicht“ muss gerade in Jena ergänzt werden durch eine genauso starke Kultur des gezielten Hinschauens. Strauchelnden Jugendlichen muss aktiv anderer Halt angeboten werden, als der, den sie in braunen Netzwerken suchen. Klar: rechtsextreme Gewalttäter erreicht man so nicht mehr. Aber im niederschwelligen Bereich hat Jena etwas nachzuholen. Das ist nicht als Vorwurf, sondern ausdrücklich als Ermutigung gemeint – gerade in Richtung jener Bündnisse und Initiativen, denen der bürgerliche Hinweis auf das linke UND das rechte Auge schon suspekt ist.

Text: Thomas Nitzsche, Kreisvorsitzender der FDP Jena
Foto: Jens Mende
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