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Kommentiert: Jena wehrt sich

Jena, das „liebe, närrische Nest“ geht auf die Barrikaden und wehrt sich gegen einen öffentlich-rechtlich inszenierten Rufmord: Taugen wir nur als Gebührenzahler oder werden wir auch als kritische Fernsehzuschauer ernst genommen?
Ob den Verantwortlichen in Mainz inzwischen dämmert, dass der am 18. November im Kulturmagazin „aspekte“ ausgestrahlte Beitrag die Lebenssituation in Jena völlig verzerrt – provokant gefragt: bewusst entstellt? - wiedergibt? Vermutlich nicht, wie sonst ist die Videobotschaft des aspekte-Teams zu werten, in der man in völlig inakzeptabler Weise Stellung nimmt zu den Vorwürfen, ein vorurteilsbehaftetes und völlig einseitiges Bild von Jena gezeichnet zu haben, das auf den subjektiven Empfindungen eines Schriftstellers basiert, der nach eigenem Bekunden bisher nie bis selten im Osten Deutschlands weilte.
Und als Verhöhnung der nicht nur aus Jena kommenden Kritik wird am Ende des Statements noch einmal das Buch des Autors in die Kamera gehalten, der mit seinen wirren Ansichten und Aussagen den jahrelangen Kampf einer Stadt und ihrer Bürger gegen die NPD und ihre Veranstaltungen diskreditiert.

Es geht nicht darum, Journalisten in ihrer Arbeit zu behindern oder gar Zensur zu üben. Das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Recht auf Pressefreiheit darf nicht angetastet werden! Aber wer auf Kosten des Gebührenzahlers als Journalist für einen öffentlich-rechtlichen Sender tätig ist, muss gewissen journalistischen Mindestanforderungen genügen - wie sonst wollen ARD und ZDF die nicht unerheblichen Gebühren noch länger rechtfertigen?
Zum Arbeitsalltag eines Journalisten gehört die Recherche, gehört es, immer beide Seiten eines Themas zu beleuchten. Wird wie im aspekte-Beitrag aus der subjektiven Sicht des Schriftstellers Steven Uhlys berichtet, hätte die Redaktion die von Vorurteilen strotzenden Aussagen relativieren müssen, um der Lebensrealität von Migranten in Jena und dem Flair der Stadt insgesamt gerecht zu werden. Stattdessen bekommt der Zuschauer Journalismus a la BILD und RTL II geboten. Doch wer mag dafür Gebühren zahlen?

Während tausende entrüstete Zuschauer noch immer auf eine Richtigstellung, gar auf eine Entschuldigung aus Mainz warten, handelt Jena, handeln seine Bürger: Am kommenden Freitag werden Silly, Udo Lindenberg, Peter Maffey und Jule Neigel zum „Rock gegen Rechts“ in Jena aufspielen. Nicht, weil Jena eine Nazi-Hochburg ist, sondern als „Anerkennung für das Engagement der Jenaerinnen und Jenaer gegen die Rechtsextremisten“ so Jenas Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter. Zugleich waren die Proteste gegen den ZDF-Beitrag auch in Mainz nicht zu überhören: Am 5. Dezember findet nun eine Podiumsdiskussion mit dem aspekte-Team im Theaterhaus Jena statt. Ob Steven Uhly aber den Mut aufbringt, noch einmal nach Jena zu kommen und sich den Vorwürfen von Angesicht zu Angesicht stellt, bleibt fraglich.

Wie hieß es noch mit Blick auf die vielen Protest-E-Mails so süffisant in der Videobotschaft des aspekte-Teams? „Jena war früher und heute ein sehr rebellischer Ort“. Stimmt. Aber nicht der Rebellion willen. Jena ging immer dann auf die Barrikaden, wenn es galt, Unrecht zu bekämpfen. Und dass mit dem Beitrag sowie der inadäquaten Antwort der aspekte-Redaktion Jena Unrecht widerfuhr, steht außer Frage.
Die Verantwortlichen beim ZDF müssen endlich angemessen reagieren, denn Jena – nein, ganz Ostdeutschland - wartet auf Antworten: Wie konnte es zu einem derart die Wirklichkeit verfälschenden Beitrag kommen? Weshalb wird Uhlys Buch munter weiter von der aspekte-Redaktion beworben? Wie lange dürfen die Zuschauer eines öffentlich-rechtlichen Senders durch Statements einer Redaktion verspottet und verhöhnt werden?

Welcher Art die Konsequenzen sein werden, die das ZDF zieht und ob es diese Konsequenzen überhaupt geben wird, wird auch darüber Auskunft geben, wie glaubwürdig eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt ist: Taugen wir nur als Gebührenzahler oder werden wir auch als kritische Fernsehzuschauer ernst genommen?
Die letzten, die uns für dumm verkauften und uns nicht ernst nahmen, haben wir im Herbst 89 davon gejagt.

Text: Jens Mende



Der Beitrag:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/nachrichten/#/beitrag/video/1496690/Extreme-Gewaltbereitschaft


Das Statement der aspekte-Redaktion:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1501588/Zorn-in-Jena---aspekte-antwortet#/beitrag/video/1501588/Zorn-in-Jena---aspekte-antwortet
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