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Statistisch gesehen ist das Auto gegen den Baum gefahren

jenanews.de mit einer Antwort auf das Statement der aspekte-Redaktion.

Sehr geehrte Frau Riek,

als in der DDR Aufgewachsener schätze ich Werte wie Meinungsfreiheit und Pressefreiheit sehr hoch ein. Doch der aspekte-Beitrag vom 18.11.2011 über das angeblich so fremdenfeindliche und von Nazis durchsetzte Jena missbraucht eben jene Werte und diskreditiert eine ganze Stadt und ihre Einwohner. Ihr Beitrag erweckt den Eindruck, dass Migranten in Jena ihres Lebens nicht sicher sein können.
Statt korrekt zu recherchieren, stellt das aspekte-Team einem Autor, der sein aktuelles Buch promoten möchte, rund sechs Minuten Sendezeit zur Verfügung, seine rein subjektive Meinung zu äußern und damit Verallgemeinerungen, Vorurteile sowie Klischees in komprimierter Form zu bedienen.

Seitens Ihrer Redaktion erfolgte keinerlei Relativierung der Äußerungen des Herrn Uhly, dabei wäre es ein Leichtes und auch journalistische Sorgfaltspflicht gewesen, die subjektiven Empfindungen Uhlys mit objektivem Material zu konterkarieren: So erhielt Jenas Oberbürgermeister am 17. November 2011 den „Preis für die Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus“ in Berlin. Viele tausende engagierte Bürgerinnen und Bürger der Stadt sorgten mit ihrem friedlichen Widerstand dafür, dass die Versuche der NPD, ihr „Fest der Völker“ in Jena zu etablieren, scheiterten. Auch erfährt der Zuschauer Ihrer Sendung nichts von dem Flair der Stadt, das übrigens nicht nur von Münchens Oberbürgermeister Christian Ude als „jung, weltoffen und tolerant“ bezeichnet wird.

Noch bedenklicher als den Beitrag aber finde ich Ihre Argumentation unter Zuhilfenahme von Statistiken, mit denen Sie die Aussagen des Films mit Herrn Uhly untermauern – rechtfertigen? - möchten.
Vielleicht als Gegenbeispiel: Obwohl London einst von Jack The Ripper heimgesucht wurde, bereisen heute täglich viele tausend Menschen die englische Metropole. Obwohl die katholische Kirche einst viele unschuldige Frauen als Hexen auf Scheiterhaufen verbrannte, wird der Papst heute jubelnd empfangen. Und obwohl es in Jena Mitte der 1990er Jahre aktive Neonazis gab, ist die Stadt heute eine lebenswerte, tolerante und sichere Stadt. Dies ist den Bürgerinnen und Bürgern Jenas zu danken, die sich den Neonazis aktiv entgegen stellten. Doch davon und der Entwicklung Jenas zu einem „München des Ostens“ erfährt der Zuschauer Ihres Beitrags nichts.

Gestatten Sie, dass ich Ihre Argumentation mit einer (nicht ganz ernst gemeinten) Statistik kontere: Wenn ein Auto einmal einen Meter rechts neben einem Baum vorbeifährt und ein anderes Mal einen Meter links neben dem Baum vorbeifährt, ist das Auto statistisch gesehen gegen den Baum gefahren. Genau das ist mit Ihrem Jena-Beitrag geschehen.

Mit freundlichen Grüßen aus Jena
Jens Mende

PS: Anbei zwei Fotos, auf denen die Haltung und das Engagement vieler Jenaer Bürgerinnen und Bürger zu sehen ist. Die Aufnahmen entstanden im September 2007 im Rahmen des Widerstandes der Jenaer Bevölkerung gegen das sogenannte "Fest der Völker".





(jenanews.de)
Fotos: Markus Kämmerer, happyarts.de
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