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Interview mit Katrin Schwarz, Jenas Dezernentin für Stadtentwicklung

Aktuell scheint es in Jena nur ein Thema zu geben: Die geplante Eichplatzbebauung. Stadtentwicklungsdezernentin Katrin Schwarz erläutert im folgenden Interview ihre Sicht der Dinge.

 

 

Am 15. November werden die Unterlagen für den Bebauungsplan des Eichplatzes zur öffentlichen Einsichtnahme ausgelegt. Was sind das für Unterlagen, schreiben sie bereits konkret die Bebauung fest?
Katrin Schwarz: Ein Bebauungsplan schreibt die Art und das Maß der Nutzung eines Gebietes fest, gibt Vorgaben über die Größe und Dichte. Dann werden Flächen bestimmt, auf denen Gebäude errichtet, Straßen, Wege oder auch Grünflächen gebaut werden können. Es handelt sich beim Bebauungsplan also noch nicht um Vorgaben für eine konkrete Architektur, sondern um ein Angebot, das den Rahmen für die tatsächliche Bebauung definiert.

Viele Bürgerinnen und Bürger stellen sich vor, man könne anhand der jetzt vorliegenden Unterlagen bereits etwas darüber sagen, ob das Ganze auch architektonische Qualität haben wird. Das ist nicht richtig. Es ist eine Illusion zu glauben, dass in einem solchen Plan die Architektur festgelegt werden könnte. Die Zahl der Geschosse ist jetzt zwar vorerst definiert, nicht aber die Fensterformen oder die Fassadenstruktur. Es ist wichtig, Freiräume zu lassen, die von den Investoren in den Architekturentwürfen ausgefüllt werden können.

Es gibt schon Meinungen von Bürgern, die sich mehr Grün, kleinere Baukörper und anderes auf dem Eichplatz wünschen, ähnlich beim Thema Wohnungen auf dem Eichplatz. Sind solche Wünsche noch realisierbar, könnten sie Aufnahme finden in den Bebauungsplan?
Katrin Schwarz: Mit dem Beschluss des Stadtrates haben wir mit der Bürgerbeteiligung begonnen. Wir diskutieren, was innerhalb des beschriebenen Rahmens auf dem Eichplatz entstehen soll. Wir haben zunächst Vorstellungen vorgelegt, aber erst innerhalb des Verfahrens wird sich zeigen, wohin die Reise führt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass neue Ideen da noch Bewegung hineinbringen. Ich wünsche mir von dem Verfahren, dass wir eine breit angelegte Diskussion führen.

Normalerweise schreibt der Gesetzgeber vor, dass Bebauungspläne einen Monat lang ausgelegt werden müssen. Die Eichplatz-Unterlagen sollen zwei Monate ausliegen, erhoffen Sie sich davon mehr Bürgerbeteiligung? Wo sind die Unterlagen einsehbar? Wie können Bürger ihre Meinungen, Kritiken und Vorschläge geltend machen?
Katrin Schwarz: Die Unterlagen sind ab 15. November im Stadtentwicklungsdezernat, Fachbereich Stadtentwicklung und Stadtplanung, Am Anger 26, einsehbar. Jeder kann seine Sicht einbringen, Bedenken und Vorschläge äußern. All dies wird durch Mitarbeiter vor Ort dokumentiert. Zudem sind die Mitarbeiter natürlich auch dafür da, Fragen zu beantworten. Von der Auslegungszeit über zwei Monate hinweg erhoffen wir uns, dass möglichst viele diese Möglichkeit einer aktiven Teilnahme nutzen. Übrigens werden die Unterlagen auch im Internet zu finden sein. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann möchte ich, dass man im Nachhinein sagt: Das Verfahren war ein gutes Beispiel für gelungene Bürgerbeteiligung.

Im Ergebnis der Auslegung wird man erneut im Stadtrat diskutieren müssen, wo es Veränderung geben sollte, ob beim Wohnanteil der Bebauung, bei den Größen- oder auch bei den Platzdimensionen. Eines möchte ich aber klar sagen: Das Ergebnis des Verfahrens ist nicht die Umsetzung des Durchschnitts aller Einzelmeinungen, sondern letztlich entscheiden die gewählten Volksvertreter. Die Bürger bereiten gewissermaßen die Entscheidungsgrundlage für die von Ihnen gewählten Stadträte vor.

Unser Wunsch ist, dass das Ergebnis von den Jenaern in der Mehrheit mitgetragen wird, es ist ihre Innenstadt. Ich bin sicher, dass die Stadträte ihre Aufgabe dabei mit höchster Verantwortung erfüllen werden. Es geht letztlich nicht nur um ein Stück Stadtreparatur, sondern um neue architektonische Qualität - eine moderne Innenstadt des 21. Jahrhunderts. Nur selten hat eine Stadt solche Gelegenheiten.



Wie wird mit den Bürgerhinweisen umgegangen?
Katrin Schwarz: Jeder Hinweis, jede Kritik wird bearbeitet. Es wird geprüft, in welcher Weise Vorschläge ins Verfahren eingehen können. Die Fachleute müssen in jedem Fall herangezogen werden. Das Ergebnis wird dann dem Stadtrat vorgelegt.

Wie lange dauert das voraussichtlich?
Katrin Schwarz: Ich hoffe, dass wir im Frühjahr alle Bürgerhinweise bearbeitet haben und der Stadtrat dann zu einem Beschluss kommen kann.

Gibt es für die Bürger noch andere Möglichkeiten, sich einzubringen?
Katrin Schwarz: Wir haben für den 22. November eine Bürgerveranstaltung im Rathaus geplant, zu der jeder kommen kann, der interessiert ist. Neben einer umfassenden Information soll ein intensiver Dialog geführt werden.


Wie lange wird es Ihrer Meinung nach dauern, bis die „Wunde in der Innenstadt“ verheilt ist oder – um mit Ihren Worten zu sprechen – eine moderne Innenstadt des 21. Jahrhunderts gestaltet ist?
Katrin Schwarz: In fünf Jahren könnte auf dem Platz etwas stehen. Das ist optimistisch gedacht, aber nicht unrealistisch. Ich möchte dort Ergebnisse sehen.

Und was wünschen Sie sich selbst von der neuen Bebauung?
Katrin Schwarz: Ich wünsche mir zwei Dinge: Erstens, dass wir am Ende einen neuen Eichplatz bekommen, auf den wir alle miteinander stolz sein können, der attraktiv ist, den Bürgern gefällt und der auch zum Verweilen einlädt – also das Beste für Jenas Zentrum. Zweitens wünsche ich mir einen Prozess der getragen ist von einer Kultur des Miteinanders, bei der Außenstehende fragen: Was ist nur mit Jena los? Wie haben die das hinbekommen?

(Das Gespräch führte Barbara Glasser.)
Foto: Stadt Jena


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