Dienstag, 31 | 03 | 2020 - jenanews.de_2.1 - Gute Nachrichten für Jena.
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Bildungsstreik: Viel Gesprächsbedarf

In Jena haben sich am Mittwochmittag erstmals verschiedene Studierendenvertreter und Vertreter der Universität sowie der Politik in einer öffentlichen Podiumsdiskussion geäußert.


Eine Auseinandersetzung hat kaum stattgefunden. Die Beteiligten haben stattdessen den Schwarzen Peter herumgereicht und die Schuld von sich gewiesen. Der Beginn der Veranstaltung weckte Hoffnungen auf einen regen Austausch. Die sieben Redner nahmen, entgegen ihrer Position in der Sache, nicht auf einer bestimmten Seite des Podiums Platz, sondern saßen gemischt durcheinander. So wagte sich Professor Kurt-Dieter Koschmieder, Prorektor für Lehre und Struktur an der Universität, zwischen die Protestierende Kirsten Limbecker und das Stura-Mitglied Jörg Hänold.

Schnell zeigte sich jedoch, dass die Beteiligten kaum miteinander sprachen. Argumente wurden vorgetragen, um im nächsten Moment gleich wieder von der Gegenseite mit einem „Aber“ abgeschmettert zu werden.

 

Die zwei Studierenden aus dem Kreis der Hörsaalbesetzer bemängelten den gesamten Bologna-Prozess. „Das Ideal einer funktionierenden Bologna-Reform ist eine Seifenblase“, sagte der Protestierende Tobias. Ein Bachelorstudium gebe keinen Freiraum für individuelle Gestaltung und setze die Studenten unter enormen Leistungsdruck. Der neue Wissenschaftsstaatssekretär und ehemaliger Jenaer Professor Thomas Deufel (SPD) gab zu, dass Veränderungen nötig seien. Er verwies auf die ersten bildungspolitischen Maßnahmen der Regierung: Die Verwaltungsgebühr ist seit Dienstag abgeschafft, und ein Erststudium bleibt in Thüringen gebührenfrei. Universitätsrektor Professor Klaus Dicke konnte dem kaum etwas hinzufügen. Er betonte jedoch immer wieder, dass bei der Umsetzung der Bologna-Reform immer studentische Vertreter beteiligt waren. „Diese sind auch heute noch in der Universitätspolitik eingebunden“, sagte er.

Das Stichwort der Mitbestimmung an Hochschulen griffen die studentischen Redner gern auf. Sie sehen zwar durchaus eine studentische Partizipation, doch ohne echte Mitbestimmung. „In den Gremien haben Studenten weder ein Stimm- noch ein Vetorecht“, kritisierte Tobias und seine Mitstreiterin Kirsten fügte hinzu: „Die Universität wird nur noch von ökonomischen Interessen bestimmt.“ Rektor Dicke wies diesen Vorwurf zurück.



Prorektor Koschmieder gab zu, dass es „erhebliche Defizite“ beim Bologna-Prozess gebe. Universität und Studenten haben bei der Umsetzung der Reform nicht gewusst, was Bologna tatsächlich bedeutet. Er forderte darüber hinaus die Regierung indirekt auf, den Universitäten mehr Geld zur Verfügung zu stellen. „In Bayern hat eine Universität durch die Studiengebühren 20 Millionen Euro mehr im Jahr zur Verfügung als wir. Das muss die Regierung ausgleichen.“

Matthias Haberland, ein Vertreter aller Fachschaftsräte an der FSU Jena, mahnte an, nicht zu lange über die Probleme zu sprechen, sondern schnell zu handeln. „Viele Studenten hängen beispielsweise derzeit rechtlich in der Luft, weil es für einige Studiengänge noch keine rechtskräftige Prüfungsordnung gibt“, sagte er.

Gemeinsame Ziele konnten bei der Podiumsdiskussion nicht herausgearbeitet werden. Für einen unbeteiligten Zuhörer blieb bisweilen unklar, welchen Argumenten er Glauben schenken darf. Es soll jedoch weiter diskutiert werden. Professor Dicke begrüßte den Vorschlag der Protestierenden, einen Runden Tisch einzuführen. Genügend Gesprächsstoff ist jedenfalls vorhanden.

Text: Ina Schwanse
Foto: Jens Mende


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