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Wertvolle Brecht-Sammlung in Jena zu sehen

Was hat Jena mit Brecht zu tun? Eine ganze Menge! Der Jenenser Volkmar Häußler war in den vergangenen Jahren ein zentraler Leihgeber für die großen Ausstellungen in Augsburg und Greiz. Nun ist die wertvolle Sammlung in Jena zu sehen.


Der deutsche Dichter Bertolt Brecht ist mit seinem umfassenden literarischen Werk einer der einflussreichsten Dichter der Moderne. Er war nicht nur ein großer Dramatiker, sondern auch ein glänzender Lyriker und Erzähler. Wie kein anderer deutscher Autor des 20. Jahrhunderts hat er ganz unterschiedliche, oft kontroverse Interpretationen herausgefordert – mit vielfältiger Wirkung auch auf Maler, Grafiker und Illustratoren.

In Jena war er nie und doch hat er hier Spuren hinterlassen: Im Theater, in der Wissenschaft und im kulturellen Leben der Stadt. So wurde eines der frühen Stücke Brechts, „Mann ist Mann“, schon am 20. März 1928 im Theater der Stadt aufgeführt. Der damalige Ausstellungsleiter des Jenaer Kunstvereins Walter Dexel gestaltete das Plakat und entwarf die Bühnenbilder. Später, am 8. April 1967, wurde dieses Stück wieder im Stadttheater gezeigt, diesmal durch das „Junge Theater Jena“, das auch Szenen aus „Furcht und Elend des III. Reiches“ und den „Flüchtlingsgesprächen“ spielte. Im Stadttheater, als „Haus Jena“ Spielstätte des „Deutschen Nationaltheaters“, wurden die in Weimar inszenierten Brechtstücke gespielt. Plakate dazu zeigt die Ausstellung. Zahlreiche Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena forschten und lehrten zu Brecht. Dafür stehen die Professoren Helmut Brandt, Hans Kaufmann, Joachim Müller (1906-86) neben Inge Häußler (1977 Dissertation zu den Keunergeschichten und den Flüchtlingsgesprächen) und Detlef Ignasiak (1981 Dissertation zu den Kalendergeschichten), deren Arbeiten als „Brecht-Studien“ des Brecht- Zentrums erschienen.

Was lag da näher, als den günstigen Umstand zu nutzen, dass der Jenenser Volkmar Häußler (in Jena 1939 geb.) seit vielen Jahren illustrierte Bücher, originale Zeichnungen, Grafiken und Drucke zu Brecht zusammenträgt und maßgeblicher Leihgeber und Berater für Brechtausstellungen wie z. B. in Augsburg 2006 oder in Greiz 2008 war. Die Ausstellung in der Galerie Stadtspeicher wird eine Auswahl dieser erstaunlich umfangreichen Sammlung vorstellen, deren Bestreben es ist, einerseits die
Breite von Brechts Werk durch bildkünstlerische Arbeiten zu erfassen und andererseits die unerschöpfliche Vielfalt von „Handschriften“ der bildenden Künstler zu demonstrieren. Anhand wertvoller originaler Zeichnungen, Aquarelle, Grafiken sowie der illustrierten Bücher wird erkennbar, wie die brechtschen Textvorlagen zu ganz eigenen und immer wieder überraschenden Darstellungen führten. Aus folgenden Themenfeldern werden Ausschnitte gezeigt: Brecht im Porträt, Brecht und das Theater sowie Brecht und Poesie.

Brecht im Porträt

Brecht wurde ungewöhnlich oft und schon sehr frühzeitig porträtiert. Bereits in den 20er Jahren gab es die ersten bekannten Porträts, nicht selten von schon damals berühmten Künstlern. So wird in der Ausstellung eine Lithografie-Porträtzeichnung von 1925 von Emil Stumpp gezeigt. Brecht bezeichnete diese als die Beste, die je von ihm gezeichnet worden sei. Weiterhin ausgewählt wurden Porträts von Horst Janssen, Arno Mohr, Gabriele Mucchi, Caspar Neher, Herbert Sandberg, Gustav Seitz, Elizabeth Shaw, Hans Ticha und jüngere Porträtkarikaturen von Horst Hussel und Harald Kretzschmar. „Er sah nach allem aus, nur nicht nach dem Genie der Dramaturgie und des Dramas.“ (Regine Lutz, Schauspielerin)

Brecht und das Theater
Zu Brechts Theaterarbeit, die immer im Zentrum seines Schaffens stand und stets auch politisch war, entstanden die meisten Arbeiten – schon allein deshalb, weil jede neue Inszenierung eine Herausforderung auch für bildende Künstler bedeutete. An erster Stelle steht hier die „Dreigroschenoper“, die durch Grafiken von Bernhard Heisig, Josef Hegenbarth, Max Schwimmer, Karl Georg Hirsch u.a. vorgestellt wird. „Mutter Courage und ihre Kinder“ ist mit Holzschnitten von Heinz Lanzendorf vertreten.
Besondere Leckerbissen sind die erotischen Lithographien von Willi Sitte zum „Baal“; zur „Dreigroschenoper“ Lithographien und Holzschnitte von Hansen-Bahia, Josef Hegenbarth, Bernhard Heisig, Karl-Georg Hirsch, Max Schwimmer und Gustav Seitz; Zeichnungen und Graphiken von Albrecht von Bodecker, Fritz Cremer, Horst Janssen, Harald Kretzschmar, Arno Mohr, Gabriele Mucchi, Herbert Sandberg, Elizabeth Shaw, Hans Ticha, Heinz Zander, Baldwin Zettl und anderen. 1938 beginnt auch Brechts Arbeit am „Leben des Galilei“, dessen verschiedene Fassungen ihn bis an sein Lebensende beschäftigen. Geht es zu Beginn um den Stellenwert der Wissenschaft, ist es in der letzten („Berliner“) Fassung das Problem der Verantwortung des Wissenschaftlers, welches im Mittelpunkt steht. Zu „Galilei“ zeigt die Ausstellung die Radierungen von Hans Tombrock aus dem Jahre 1941 mit seinen handschriftlichen Bemerkungen zur Zusammenarbeit mit Brecht.
Brechts Bedeutung für das Theater beleuchtet unter anderem ein Filmdokumentation: Europas Erbe: Die großen Dramatiker – Bertolt Brecht. (Okt. 2009 eine Gemeinschaftsproduktion von Arte/SWR). „Er hat Lernen und Denken als etwas Vergnügliches betrachtet und nicht als Pflicht.“ (Katharina Thalbach, Schauspielerin und Autorin)

Brecht und Poesie
Viele Künstler wurden durch Brechts Gedichte, Lieder und Geschichten und deren feine Poesie oder kämpferische Schärfe zu malenden und zeichnenden Interpreten. Dazu gehört neben vielen anderen die Jenaer Malerin Gabriele Schlott mit ihrem fröhlichen Bild zum „Blumengarten“, Heinz Zander mit seiner Zeichnung zur „Ballade von den Selbsthelfern“ oder Arbeiten zur „Legende vom toten Soldaten“ von Alexandra Müller-Jontschewa und Horst Wendland. Und „last, but not least“ gibt es eine Auswahl früher Erstausgaben und ausgesuchte Beispiele aus der Sammlung von Brecht-Exlibris zu sehen.
Aus der Vereinigung von Wortkunst und Bildkunst im Sinne Brechts vermittelt die Ausstellung dem Betrachter neue Einblicke in das Werk des großen Dichters. Vielleicht kann manches Aha-Erlebnis dazu anregen, mal wieder oder auch erstmalig etwas von Brecht zu lesen und dabei zu erkennen, wieaktuell seine Texte, die er vor Jahrzehnten schrieb, heute wieder sind. „Eine Antwort auf Fragen der Gegenwart, wenn man nicht ganz dämlich ist, kann man bei Brecht finden.“ (Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles und Regisseur)



25. November 2011
18.00 Uhr: Vernissage im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften
Wir laden Sie recht herzlich zur musikalischen Eröffnung der Ausstellung „Bertolt Brecht im Porträt“ ein.
Moderation: Katy Kasten-Wutzler, Leiterin der Galerie Stadtspeicher
Es begrüßt Sie:
Ein Vertreter des Stadtspeicher Jena e.V.
Volkmar Häußler | Sammler aus Jena
Der Schauspieler Ralph Jung, Schauspieler des Theaterhauses Jena bis 2011, Er wird Brechttexte vortragen in Verbindung mit der ausgewählten Musikstücken: Duo-Krainhöfner-Otto mit Gitarre und Saxophon.
20.00 und 21.00 Uhr: Literarische Führungen

01.Dezember 2011
18:00 Uhr abendliche Sonderführung (ca. 45 min)

17. Dezember 2011

11.00 bis 19.00 Uhr: KUNSTSTÜCKE im Stadtspeicher in vier Akten: Kunst, Tanz, Märchen und Führungen durch die Ausstellung

19. Januar 2012
18.00 Uhr abendliche Sonderführung (ca. 45 min)

10. Februar 2012
19.00 Uhr: Lesung mit Texten ganz nach Brecht, Dokumentarfilm: Europas größte Dramatiker und einem Vortrag zum Geburtstag von Bertolt Brecht.

Öffnungszeiten der Galerie: Di – Fr 12 bis 18 Uhr; Sa - So 10 bis 16 Uhr

(jenanews.de)
Foto: Jörg Kolbe, Deutsches Bundesarchiv
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