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Fachkräftemangel in der Gesundheitsbranche bereits Realität

Betritt man das Gebäude „Am Tännig 22“ des "Innovativen Altersgerechten Wohnprojektes", sieht man die strahlenden Gesichter der hier lebenden und betreuten älteren Menschen. Viele sitzen auf der Terrasse, nutzen das schöne Wetter, sonnen und unterhalten sich. Andere beschäftigen sich in den gemeinsamen Aufenthaltsräumen. Das Personal ist aufmerksam und freundlich und macht so den Aufenthalt für die Bewohner angenehmer.

Angefangen hat alles 2003, als Frau Spahn in Oberweißbach die „Pflege- und Gesundheitspraxis“ als Ambulantes Pflegeunternehmen mit drei Mitarbeitern gründete, seitdem gab es stetig Personalerweiterungen. In enger Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit in Saalfeld wurde nach geeignetem Personal gesucht. Da oft nicht genügend Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung standen, suchte man nach alternativen Möglichkeiten. So erhielten z.B. auch Langzeitarbeitslose und ältere Arbeitsuchende die Chance auf sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Nach Erprobungsphasen wurde viel in die Weiterbildung investiert. Über das von der Agentur für Arbeit geförderte Programm WeGebAU gab Frau Spahn in diesem Jahr drei Mitarbeiterinnen Gelegenheit, eine Ausbildung zum Altenpfleger zu absolvieren. Auch ein unbesetzter Ausbildungsplatz 2010 wurde nach Absprachen mit der Agentur kurzerhand an eine Arbeitsuchende vergeben, die nun eine Umschulung zur Altenpflegerin beginnt. Mit Eröffnung des altersgerechten Wohnkonzeptes im Dezember 2009 erhöhte sich die Mitarbeiterzahl auf 40 Personen.

„Gute Qualität ist heute keine Selbstverständlichkeit, fachliches Wissen und die nötige Portion Menschlichkeit im Umgang mit Kranken, Pflegebedürftigen und Mitarbeitern sind für unser Pflegeteam Anspruch und Herausforderung zugleich. Investitionen in Infrastruktur und die Entwicklung von innovativen Versorgungsformen bedingen immer auch die Förderung des Personals durch permanente Fort- und Weiterbildung und das für jeden Mitarbeiter in seinem spezifischen Arbeitsbereich. So gelingt es uns ein Netzwerk zu schaffen, indem jeder seine Aufgaben kennt und auch bewältigen kann. Hier in unserer ländlichen Region sprechen wir nicht nur vom Fachkräftemangel, sondern von Personalmangel allgemein und das beginnt bereits bei der Suche nach fähigen AZUBI’s in allen Branchen. Um für die kommende Überalterung unserer Gesellschaft gewappnet zu sein bedarf es vielfältiger Anstrengungen und hier ist nicht nur der einzelne Arbeitgeber gefordert, sondern das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagte Manuela Spahn von der Pflege- und Gesundheitspraxis Oberweißbach.

Die Qualität der Betreuung, fachliches Wissen und das menschliche Miteinander sind wichtige Ziele für die Unternehmerin. So nehmen die Mitarbeiter regelmäßig an internen und externen Schulungsmaßnahmen teil, um ihr Wissen auf den aktuellen Stand zu bringen. Das macht auch vor den Reinigungskräften nicht Halt. Hier ist aktuelles Wissen zu Hygienestandards unumgänglich. Weiterhin wird in den Richtungen Palliative Care, Wundspezialisten, Fachspezialisierung Demenz und Qualitätsmanagement in der ambulanten Pflege qualifiziert.

„Es ist wichtig, in die Weiterbildung seiner Mitarbeiter zu investieren und mit langfristigen Strategien dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Es freut mich, dass Arbeitgeber ihrer sozialen Verantwortung nachkommen und selbst aktiv werden, um ihre Belegschaft zu qualifizieren. Die Agentur für Arbeit kann hier beraten und unterstützen“, sagte Dr. Ulrich Gawellek, Leiter der Jenaer Agentur für Arbeit.

Die demographische Entwicklung wird zukünftig auch im Pflegebereich den Fachkräftemangel verstärken. Es wird mehr ältere und damit zunehmend hilfebedürftige Menschen geben und weniger Erwerbspersonen, die diese Menschen pflegen können. Da wird es wichtig sein, Personal auch über so genannte „weiche Faktoren“ anzuwerben und zu halten. Auch das macht Frau Spahn bereits. Sie zahlt die Kindergartengebühren, stellt Dienstkraftwagen und versucht den Dienstplan den individuellen persönlichen Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter anzupassen. Außerdem denkt sie bei Einstellungen an die Zukunft, so wurde beispielsweise im September eine Fachkrankenschwester eingestellt, die schwanger ist und bereits Anfang November in den Mutterschutz einmünden wird. Nicht viele Arbeitgeber hätten der jungen Frau Chancen eingeräumt – Frau Spahn lächelt und meint „ Bereits in einem Jahr habe ich eine gut ausgebildete Fachkraft wieder, die mein Team verstärken wird.“

(jenanews.de)
Foto: pixelio.de
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