Gut 2.500 Menschen feierten am Samstagabend auf dem Theatervorplatz Philipp Poisel. Deutsche Rockmusik von nachdenklich bis ironisch – Grönemeyer 2.0?

Respekt! Als einer unter vielen Programmpunkten der diesjährigen KulturArena – von manchen bestenfalls als Newcomer bewertet - überrollte Philipp Poisel am Samstagabend den Theatervorplatz mit einer ganz gewaltigen Portion vertonter Lebensmomente.

Längst hat er sich über den Status des Geheimtipps hinaus entwickelt. In Chemnitz lockte er jüngst 7.000 Zuschauer in sein Konzert, in Jena – gut, hier ist fast alles eine Nummer kleiner – kamen immerhin gut zweieinhalb Tausend. Und die wussten wohl, warum. Poisel, einst von Herbert Grönemeyer entdeckt, geht konsequent seinen Weg. Zum Musikstudium nicht zugelassen, reist er als Wandermusiker durch Skandinavien und Frankreich, sammelt Erfahrungen und verdient auf Straßen und Volksfesten seinen Lebensunterhalt.



Irgendwann wird die Musikindustrie auf ihn aufmerksam, doch seine sperrigen Texte passen nicht in das aalglatte Muster der klinisch-reinen Charts. So gründet Philipp Poisel sein eigenes Label „Holunder Records“. Der nächste Karriereschub folgt dann – siehe oben - in Gestalt Herbert Grönemeyers. Der öffnet ihm die Türen zu seinem Studio und dort darf Poisel im Jahr 2007 sein Debütalbum „Wo fängt dein Himmel an?“ aufnehmen. Es folgen ausverkaufte Konzerte zusammen mit Suzanne Vega, Maria Mena oder eben Herbert Grönemeyer. Der Durchbruch? Wahrscheinlich, doch wird er so von Poisel nicht wahrgenommen.



Das aktuelle Album heißt „Bis nach Toulouse“ und enthält wieder jenen melancholischen Grundton, der zum Zuhören zwingt. Und wer sich die Mühe macht, sich auf Poisels Lieder einzulassen, wird belohnt. Philipp Poisel steht für handwerklich solide gemachte Musik mit deutschen Texten, die des Zuhörens wert sind. Jeder Ton trifft ins Herz, jedes Wort trifft ins Hirn.



Zwischen den Songs erzählt er kleine Geschichten. Authentisch, bescheiden, augenzwinkernd. Seine Einstellung zu den Dingen, die ihn umgeben, drücken am besten zwei seiner Textzeilen aus: „Ich hab zwar kein Vermögen, doch ein paar Leute, die mich mögen.“
Am Samstagabend mochten ihn die 2.500 Besucher seines Gastspiels in der Jenaer KulturArena. Mindestens.

Text und Fotos: Jens Mende
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