Pünktlich zu ihrem 50. Geburtstag im Jahr 2009 begann die Sängerin und Gitarristin Suzanne Vega ein auf den ersten Blick ganz schlichtes Projekt: Sie stellte die Songs ihrer frühen Alben zusammen für eine neue, vierteilige Retrospektive mit dem Titel „Close Up“. Die thematisch geordnete Reihe startete 2010 mit „Love Songs“, gefolgt von „People & Places“.

Aber wer hier ein schlichtes Best Of einer alternden Sängerin mit dem Hauptzweck der Rentensicherung vermutet, der hat offenbar vergessen, welch Ausnahmekünstlerin Suzanne Vega bis heute ist. Oft wird sie reduziert auf ihre großen Erfolge der 1980er Jahre, die im kulturellen Gedächtnis verankerten Jahrhundertsongs „Tom’s Diner“ und „Luka“. Allein mit diesen beiden minimalistischen Liedern schuf sie sich 1987 ihr eigenes Denkmal als klassische amerikanische Singer-Songwriterin, die sich mit durchdringender, sanfter Stimme, gezupfter Gitarre und sozialbewegten Texten auf eine Stufe stellte mit Kolleginnen wie Carole King oder Rickie Lee Jones.

Doch Suzanne Vega ruhte sich keineswegs auf diesen Lorbeeren aus. Sie veröffentlichte bis heute neun eigene Studioalben und durchmaß dabei diverseste Genres von Folk über a capella bis hin zu krawalligem Industrial. Daneben spielte sie mit Dutzenden Freunden und Kollegen (unter anderem mit Joe Jackson, John Cale, Dar Williams), schrieb Bücher und Filmmusik (u. a. für die Serie „The Closer“ und den Film „Dead Man Walking“) und präsentierte mehrere Musikdokumentationen und Radiofeatures. Ein pralles Künstlerdasein also.



Aber Suzanne Vega wäre nicht Suzanne Vega, wenn sie blindlings drauflos produzieren würde. Die wenigen Platten und die vielen Nebenprojekte sind im Gegenteil ein Ausdruck des Suchens und auch des Willens, sich einzumischen, mitzugestalten und nicht nur eine Unterhaltungsindustrie zu bedienen. Und genau hier setzt auch das neue Projekt „Close Up“ an, denn es ist eben mitnichten eine einfache Hit-Compilation. Es ist eine verblassten Spuren nachfühlende Neueinspielung der eigenen, teilweise schon über 30 Jahre alten Songs. Und damit auch ein Sinnieren über die Zeit und die Vergänglichkeit. Denn wenn Vega den Song „Gypsy“ spielt, dann singt sie Zeilen einer Neunzehnjährigen, eines launigen Teenagers aus einer längst vergangenen Zeit. Und sie tut dies ganz bewusst: mit leicht melancholischer Stimme, aber auch gelassenem Optimismus. Ein Teil dieses neuen, selbstbewussten Tuns ist auch die Veröffentlichung selbst, denn sie sichert ihr – kurios genug – die Rechte an den eigenen Liedern, die sie damals, eben als Teenie, an eine Plattenfirma verschachert hatte. Und nun, mit der Herausgabe auf dem eigenen Label nimmt sie ihre Geschichte wieder selbst in die Hand. Denn es liegt ja sicher noch genauso viel vor wie hinter ihr.

Text: KulturArena
Foto: Agentur
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