Die Texterin des Theaterspektakels „Gotham City III – das Musical“ im Gespräch mit jenanews.de über ihre Arbeit für das Theaterhaus Jena, Pläne für die Zukunft und was ihr von Jena in Erinnerung bleiben wird.

jenanews.de: Nach der Premiere von „Gotham City III – das Musical“ fragte ich Oliver Jahn, einen der beiden Komponisten, welche Bewusstseins-erweiternden Substanzen es braucht, um diese Texte zu schreiben. Er antwortete lachend, das solle ich doch besser Sie fragen. Also: Was muss man nehmen, um auf Ideen für diese Texte zu kommen?
Rebekka Kricheldorf: Es ist schon seltsam (lacht), dass mir diese Frage sehr häufig gestellt wird. Ich nehme überhaupt nix, auch wenn das vielleicht für manche eine Enttäuschung ist. Vielleicht bin ich ja Natur-stoned (lacht). Mir selbst kommt das gar nicht so durchgeknallt vor, aber da die Frage häufiger kommt, muss ich wohl mal ernsthaft darüber nachdenken...

jenanews.de: Aber die Frage ist ja doch eher positiv gemeint, weil Sie mit Ihren Texten eine Menge ernster Themen auf humorvolle Weise transportieren und das Publikum zum Mit- und Nachdenken anregen.
Rebekka Kricheldorf: Ja, das freut mich auch sehr, wenn Texte reflektiert werden und nicht im Gesamtbild der Aufführung untergehen.

jenanews.de: Vielleicht erzählen Sie den Lesern etwas über den Schaffensprozess. Was hat Sie inspiriert und woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Texte?
Rebekka Kricheldorf: Das Ziel war, mit dem letzten Teil der Gotham City-Trilogie ein wahres Spektakel, eben Volkstheater, auf die Bühne zu bringen. Bei aller Leichtigkeit sollte das aber schon auch tiefgründig sein und das ist ein Spagat, der nicht immer gelingt...

jenanews.de: ...in diesem Fall aber schon.
Rebekka Kricheldorf: Das freut mich sehr, denn wenn man die drei Teile in ihrer Gesamtheit sieht, sind es ja schon immer unterschiedliche Themen, auch wenn es einen roten Faden gibt, und doch kann man sich da auch schnell beim Schreiben verirren und vom Thema abkommen.
Im Film befasse ich mich zum Beispiel mit diesem allgegenwärtigen Therapiewahn unserer Zeit. Ja, stellenweise mache ich mich da auch lustig, dass alles, aber auch wirklich alles analysiert werden muss und hinterfragt wird. Und immer gibt es eine Therapie, offeriert von Experten und Fachleuten, die vielleicht mal selbst auf die Couch gehören.
Oder nehmen Sie die Machtkämpfe innerhalb einer Stadt. Den Menschen stehen oft Eitelkeiten im Weg. Oder – im 1. Teil stark thematisiert - Sucht. Drogensucht, Sexsucht, Arbeitssucht... Das beschäftigt mich sehr.

jenanews.de: Das Stück ist sehr politisch und einige Zuschauer zogen bei der Premiere gar Vergleiche von Stuttgart 21 über den Wendeherbst 1989 bis hin zur geplanten Eichplatzbebauung in Jena. War das so von Ihnen beabsichtigt?
Rebekka Kricheldorf: Nein, überhaupt. Auf so ganz konkret politische Ereignisse ging ich beim Schreiben nicht ein. Es sind sicher Metaphern enthalten, eine Parabel, die auf sehr vieles von dem passt, was uns im politischen Alltag begegnet. Das gab es ja alles schon, eine Gesellschaft, die sich von einem Demagogen verführen lässt, da kann man schon viele Parallelen ziehen, doch ich wollte das bewusst offen halten um den Zuschauern die Möglichkeit zu geben, eigene Assoziationen zu entwickeln.

jenanews.de: Das ist Ihnen ohne jeden Zweifel gelungen.
Rebekka Kricheldorf: Das ist für mich als Autorin ein schönes Kompliment. Die Texte sollten offen bleiben, um von den Zuschauern auch mit dem ausgefüllt zu werden, was sie an Erfahrungen im Leben angesammelt haben.

jenanews.de: Bei dem eingangs erwähnten Gespräch mit Komponist Oliver Jahn fiel der Satz, Oli sei schwer beeindruckt von dem, was Sie so aus Ihrem Gehirn zaubern. Sie lebten zusammen in einer WG – dreht sich da den ganzen Tag alles um das Kreative?
Rebekka Kricheldorf: Nein, natürlich nicht. Wir hatten eine schöne Ebene für die gemeinsame Arbeit gefunden, aber den ganzen Tag nur über Kunst und kreative Prozesse zu philosophieren – das hält ja keiner aus! (lacht)
Lange bevor wir am Stück zu arbeiten begannen, fragte mich Oli, ob ich ihm ein paar Songtexte schreiben könnte. Ich gab ihm ein paar von meinen vorhandenen und wusste natürlich überhaupt nicht, ob ihm das so gefallen würde. Am nächsten Morgen kam er ganz aufgeregt zum Frühstück und spielte mir einen Song vor, den er aus meinem Text gemacht hatte. Da haben wir gemerkt, dass wir künstlerisch auf einer Welle funken und auch den gleichen Humor haben, dass wir mit den Sachen des anderen etwas anfangen können. Das war eine schöne Zusammenarbeit und die gipfelte letztlich im Komponieren und Texten für Gotham City III.

jenanews.de: Wie lief da die Zusammenarbeit?
Rebekka Kricheldorf: Da haben wir zuerst die Songs geschrieben. Ich hatte einen groben Plot entwickelt und dann war das ein Wechselspiel. Entweder hatte ich einen Text fertig und Oli vertonte den dann oder er kam zu mir mit einer Melodie – Oli kennt die Schauspieler sehr gut und hatte dann halt eine Idee - das wäre vielleicht etwas für Mohamed, fällt dir da ein Text ein? So lief das ab.

jenanews.de: Wir lange haben Sie für das schreiben gebraucht?
Rebekka Kricheldorf: Wir haben im Herbst letzten Jahres begonnen, also vielleicht ein halbes Jahr, sieben Monate. Das war manchmal sehr anstrengend, hat aber immer auch sehr viel Spaß gemacht.

jenanews.de: Nun endet Ihre Arbeit am Theaterhaus Jena – wohin führt Sie Ihr Weg?
Rebekka Kricheldorf: Ich gehe zurück nach Berlin, dort hatte ich ja die ganze Zeit noch meine Wohnung und die habe ich für die Zeit meines Engagements in Jena untervermietet. Für mich war das als Hausautorin hier eine Besonderheit, weil ich ja normalerweise als freie Autorin für verschiedene Häuser schreibe. Das hatte etwas sehr bodenständiges und war eine sehr angenehme Erfahrung.

jenanews.de: Was schätzten Sie am Theaterhaus Jena?
Rebekka Kricheldorf: Diese enge Anbindung ans Publikum! In einer kleinen Stadt wie Jena läuft man sich ja doch öfter über den Weg als in der Millionenstadt Berlin. Da triffst Du dann Leute beim Einkaufen oder im Theatercafé, kommst ins Gespräch, wirst Sachen gefragt über das letzte Stück und das hat eine Nähe, die ich so bis vor meiner Zeit in Jena nicht kannte. Da haben sich Freundschaften entwickelt und das werde ich sehr vermissen.

jenanews.de: Letzte Frage: Woran werden Sie sich spontan erinnern, wenn Sie jemand nach Ihrer Zeit in Jena fragt?
Rebekka Kricheldorf: Hm... (überlegt)

jenanews.de: Das ist nicht spontan!
Rebekka Kricheldorf: Das ist ja auch eine schwere Frage! (lacht) Das ist soviel, was mir in Erinnerung bleiben wird. Die Leute hier waren sehr nett, so vom Theater begeistert, kunstinteressiert. Die Nähe zu den Menschen – einfach dieses familiäre. Das wird mir von Jena in Erinnerung bleiben.

jenanews.de: Alles Gute für die Zukunft und herzlichen Dank für dieses Gespräch.

Das Interview führte Jens Mende.
Foto: Jens Mende
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