Zwiespältig waren die Reaktionen der 1.100 Zuschauer am Donnerstagabend auf dem Theatervorplatz zur Eröffnung der KulturArena 2006 auf das gebotene Theaterspektakel. Passend zum Motto (“ich kämpfe”) der zu Ende gehenden Spielzeit des Theaterhauses stand die “Dreigroschenoper” von Bertolt Brecht auf dem Spielplan. Anspruchsvoller Stoff also mit ebenso anspruchsvoller Musik von Kurt Weill. Leider waren Andrea Schmidt als Mrs. Peachum und Saskia Taeger als Polly den gesanglichen Anforderungen des Stückes nicht gewachsen. Chansons, die dem geneigten Jenaer Publikum durch Darbietungen von Weltstars wie Ute Lemper oder Gisela Mey nur allzu vertraut sind, wirkten hier dünn und provozierten einen eher höflich gemeinten Beifall der Zuschauer. Saskia Taegers Duett mit Natalie Hünig als Lucy stand exemplarisch für die – zumindest gesangliche – Fehlbesetzung der Polly-Darstellerin.

Die schauspielerischen Leistungen dagegen standen außer Frage. Sehr gut verkörperten Tim Ehlert als Macheath und Bernhard Dechant als Polizeichef Brown ihre Rollen. Gunnar Titzmann als Peachum und Daniel Fries (Smith) wussten ebenfalls zu überzeugen. Das Ensemble wirkte insgesamt sehr ambitioniert, konnte aber dem Anspruch des Stoffes nicht immer gerecht werden.

Regisseur Markus Heinzelmann transportierte das Stück aus dem London der 1920er Jahre in eine nicht allzu ferne Zukunft in einer nicht existierenden deutschen Großstadt. “Dies ist der Blick in unser aller Zukunft, wenn wir uns nicht am Riemen reißen”, so Heinzelmann. Diesen Blick in die Zukunft konnte das Bühnenbild in Verbindung mit den eingespielten Videoprojektionen, zum Teil mit Live-Sequenzen, vermitteln.

Die Reaktion des Publikums war, wie bereits erwähnt, eher zwiespältig. Von “durchschnittlich” über “bemüht” bis “gut” reichten die Urteile der Zuschauer. Kein Vergleich aber zur Aufführung des Jahres 2004. Minutenlange stehende Ovationen waren damals der Lohn für eine maßstabsetzende Shakespeare-Aufführung.

Dieses Potential hätte auch die “Dreigroschenoper” in dieser Inszenierung gehabt, zumal der Stoff sehr viele Bezüge zu unserer Gegenwart erlaubt. Dass es am Ende kein großer Theaterabend wurde, lag an den Gesangsschwächen einiger Akteure. Viele Zuschauer fragten sich übrigens, weshalb Polly ihr Hochzeitskleid in einer Intersport-Tüte überreicht bekam. Bleiben zwei mögliche Antworten: (Unbeabsichtigtes) Productplacement oder dramaturgisch begründet.

Text:Jens Mende.



Die Rollen und ihre Darsteller:
Jonathan Jeremiah Peachum: Gunnar Titzmann
Frau Peachum: Andrea Schmid
Polly Peachum: Saskia Taeger
Macheath: Tim Ehlert
Brown, Polizeichef: Bernhard Dechant
Lucy, seine Tochter: Natalie Hünig a. G.
Münzmatthias: Mathis Julian Schulze
Trauerweidenwalter: Samwel Bersegian
Hakenfingerjakob: Matthias Pick
Filch / Smith / Kimball: Daniel Fries
Spelunkenjenny: Anna Görgen a. G.
Einer: Hans-Peter Henning
Hure: Anne-Marja Lützkendorf
Bettler / Huren / Polizisten: Statisten aus Jena und Umgebung

Regie: Markus Heinzelmann
Bühne: Gregor Wickert
Kostüme: Anne Buffetrille
Musikalische Leitung: Vicki Schmatolla
Video: Heiko Kalmbach
Choreografie: Antonio Cerezo
Dramaturgie: Marcel Klett, Tanja Mette

Weitere Aufführungen:
Freitag, 7. Juli, 21:30 Uhr.
Samstag, 8. Juli, 21:30 Uhr.
Sonntag, 9. Juli, 22:00 Uhr.
Alle Vorstellungen sind bereits ausverkauft.
Share on Myspace
0
KulturArena 2006 mit Theaterspektakel gestartet - In den VZ Netzwerken zeigen
0
KulturArena 2006 mit Theaterspektakel gestartet - Ihren XING-Kontakten zeigen
0
KulturArena 2006 mit Theaterspektakel gestartet - Bei Wer kennt wen teilen
0
KulturArena 2006 mit Theaterspektakel gestartet - Auf Delicious teilen
0
KulturArena 2006 mit Theaterspektakel gestartet - auf Jappy teilen
0
PDF
E-Mail


Teilen