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Kinotipp: Das Festmahl im August

Vielleicht kommt er diesmal wieder aus Italien, 'der' Sommerfilm des Jahres. Schließlich drehte schon Nanni Moretti im sommerlich verlassenen Rom auf seiner Vespa beschwingte Runden durch die Straßen der Tiber-Metropole.

Und auch Gianni di Gregorio saust bei gleißendem Sonnenlicht auf dem Mofa seines Freundes durch das einstige Arbeiterviertel Trastevere. Bilder, die sich gleichen. Doch während Nanni Moretti in „Caro Diario“ sich auf seinen Streifzügen der Muse hingibt, sucht sein Regiekollege in „ Das Festmahl im August“ verzweifelt nach Essbarem für die Festtafel an „Maria Himmelfahrt“, einen der wichtigsten Feiertage Italiens.

Rom im August. Brütende Hitze liegt über den Dächern, die Stadt ist wie ausgestorben. Die Geschäfte geschlossen. Denn an «Ferragosto», dem Ferienbeginn zieht es die meisten Italiener ans Meer oder hinaus aufs Land. Gianni (Gianni di Gregorio) allerdings kann sich keinen Urlaub leisten. Der Junggeselle lebt noch immer mit seiner Mutter Valeria unter einem Dach und ist außerdem chronisch pleite. Die Hauseigentümer drohen bereits mit Klage. Da macht ihm der Hausverwalter (Alfonso Santagata) ein verlockendes Angebot: Wenn er seine Mutter (Marina Cacciotti) über die Feiertage bei Gianni unterbringen darf, erlässt er ihm sämtliche Schulden.

Regisseur Gianni Di Gregorio kennt diese Situation. Vor Jahren unterbreitete ihm sein Vermieter exakt denselben Vorschlag. Zwar lehnte er damals dankend ab. Doch die Vorstellung, was passiert wäre, wenn er sich darauf eingelassen hätte, ließ ihn seither nicht mehr los. Schließlich entwickelte er daraus ein Drehbuch, das er nicht nur selbst verfilmte, sondern er übernahm dabei auch die Hauptrolle. Und so willigt Gianni im Film notgedrungen ein. Doch Luigi steht am nächsten Tag nicht nur mit seiner Mutter vor der Tür, sondern bringt auch gleich noch seine Tante Maria (Maria Calìzia) vorbei. Und ehe Gianni sich versieht, lädt auch noch sein Arzt (Marcello Ottolenghi) die eigene Mutter (Grazia Cesarini Sforza) bei ihm ab.

Der grundsympathische Gianni verkörpert den aufmerksamen Sohn einer italienischen Mamma perfekt. Hingebungsvoll bekocht und umsorgt er die „Golden Girls“. Ihre kleinen Macken erträgt er mit scheinbar stoischer Gelassenheit. Mehr und mehr blühen die alten Damen freilich in der improvisierten Alten-WG auf. Mit ihren Eigenheiten setzen sie dem armen Junggesellen langsam zu. Dabei entspinnen sich zwischen Fernsehzimmer und Küche rührend, groteske Situationen. So flüchtet Marina, nachdem ihr der Fernseher entzogen wurde, und sie sich stundenlang schmollend in ihrem Zimmer einschloss, heimlich aus der Wohnung. Gianni findet die lebenslustige Pensionärin schließlich quietschfidel in einer Bar. Am Ende jedoch treffen sich alle versöhnlich beim kulinarischen „Pranzo de Ferragosto“ und stoßen, vereint durch die Liebe zum guten Essen, auf das gelungene Festmahl an.

 

 

Schon allein den vier Laiendarstellerinnen bei ihren Auftritten zuzuschauen bereitet unsägliches Vergnügen. Ihre unterschiedlichen Temperamente ergänzen sich hervorragend. Durch sie bekommt der Film einen authentisch semidokumentarischen Charakter, während sich das Geschehen spontan und spielerisch entwickelt. Nicht zuletzt fördert dieser halbdokumentarische Stil und die zahlreiche Nahaufnahmen die zunehmende Identifikation mit den Protagonisten, denen der Regisseur bei all ihren Eigenheiten ihre Würde belässt.

Mit seinem Debütfilm gelingt dem 59jährigen Gianni Gregorio ein charmantes, witziges kleines Kammerspiel, das sich mit einzigartiger melancholischer Leichtigkeit dem unspektakulären Alltag und realen Menschen widmet. „Unserer modernen Welt ist das Bewusstsein dafür abhanden gekommen“, so der gebürtige Römer und Co-Autor von „Gomorra“, „dass abgesehen von Gefühlen nichts von wirklichem Wert ist.“ Seine bittersüße preisgekrönte Alterskomödie avancierte beim italienischen Publikum bereits zum Lieblingsfilm der Saison.

Text: © Luitgard Koch, www.programmkino.de

Foto: © by Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG

 

jenanews.de verlost 1 x 2 Freikarten für diesen Film für die Vorstellung am Sonntag, 03.05.09, 19 Uhr im Schillerhof.

Senden Sie uns bitte bis Freitag, 01.05. 2009, 15:00 Uhr eine E-Mail, wenn Sie Freikarten für diesen Film gewinnen möchten. Übermitteln Sie uns dazu bitte eine Telefonnummer, unter der wir Sie im Gewinnfall erreichen können. Viel Glück wünschen jenanews.de und das Kino im Schillerhof!


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