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Geschichte der Stadt

Kommen Sie mit uns auf eine faszinierende Reise durch die Zeit und erfahren Sie wissenswertes aus der Geschichte der Stadt Jena. Von den Herren von Lobdeburg bis zur Eröffnung des ICE-Bahnhofes Jena-Paradies – Geschichte kann so spannend sein.

 

Ersterwähnung und Stadtgründung
Die ersten Siedlungen im heutigen Gebiet von Jena gab es bereits zur Jungsteinzeit. Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde Jena jedoch zwischen 830 und 850. Als "Jani" taucht der Ort damals im Zehntregister des Klosters Hersfeld auf.

Die eigentliche Stadtgründung geht indes auf die Herren von Lobdeburg zurück. In einer lateinischen Urkunde ist von den Bürgern Jenas ("cives in Gene") die Rede. Obwohl Jena zu dieser Zeit also bereits Stadt gewesen sein muss, gilt offiziell 1236 als jenes Jahr, in welchem Jena die Stadtrechte verliehen bekam. Für das Jahr 1275 ist die Existenz eines Stadtrates bezeugt. Das erste Stadtsiegel stammt aus dem Jahr 1288 und zeigt den Stadtheiligen St. Michael im Kampf mit einem Drachen.

Zu Beginn des 14. Jahrhundert war Jena von seinen Bürgern mit einer Stadtbefestigung gegen räuberische Übergriffe gesichert worden. Jenas Stadtmauer, die in etwa eine Fläche von 400 mal 500 Metern einschloss, war etwa zwölf Meter hoch, zirka zwei Meter breit und durch drei Stadttore durchbrochen. Später wurde die Anlage um vier Ecktürme ergänzt, von denen Pulverturm, Anatomieturm und Johannistor heute noch teilweise erhalten sind.

Ende des 14. Jahrhunderts begann der Bau eines Rathauses und der Stadtkirche St. Michael. Machtpolitisch gerät die Stadt 1332 unter wettinische Herrschaft und fällt bei der Erbteilung von 1485 der ernestinischen Linie zu. Unbesehen der wechselnden Herrschaft nehmen die Jenaer Bürger bereits frühzeitig die Geschicke ihrer Stadt selbst in die Hand. Gestützt auf die Einnahmen aus dem damals ertragreichen Weinbau erkauft sich die Stadt nach und nach das Recht auf Selbstverwaltung, das Zoll- und Münzrecht, die niedere und die höhere Gerichtsbarkeit und das Steuerrecht.

 

 

Die Reformation in Jena und die Gründung der Alma Mater Jenensis

In der Zeit der Reformation und des Bauernkrieges war Jena ein Brennpunkt der Auseinandersetzungen im thüringischen Raum. Im Einzugsbereich Jenas waren es insbesondere die beiden protestantischen Theologen Andreas Karlstadt und Martin Reinhart, seit 1523 erster evangelischer Pfarrer in Jena, welche die neuen Glaubenslehren mit besonderer Radikalität vertraten. Martin Luther höchstselbst, der für eine gemäßigte Reformation ohne Gewalt eintrat, eilt am 22. August 1524 nach Jena, um in der Stadtkirche gegen ein allzu radikales Vorgehen zu predigen und liefert sich im Gasthof "Schwarzer Bär" mit Karlstadt einen öffentlichen, wenn auch ergebnislosen Disput.

Die Auseinandersetzungen um die Reformation sind es schließlich auch, die mittelbar Ausschlag für die Gründung einer Universität in Jena geben. Als Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige, der als einer der ,Rädelsführer' des protestantischen Schmalkaldischen Bundes gilt, im Schmalkaldischen Krieg gegen Kaiser Karl V. unterliegt und daraufhin das Kurfürstentum Sachsen und mit ihm die Universität Wittenberg verliert, richtet er 1548 in Jena zunächst ein Akademisches Gymnasium zur Theologenausbildung ein. Knapp 10 Jahre später wird es von Kaiser Ferdinand I. 1557 in den Stand einer Universität erhoben. Johann Friedrich I., dessen Denkmal bis heute auf dem Jenaer Marktplatz thront, geht in die Jenaer Annalen als Begründer der "Alma mater Jenensis" ein.




 

 

Im Zeichen von 30-jährigem Krieg, Frühaufklärung und Aufstieg zur Residenzstadt
Der geistige Aufbruch in der noch jungen Universitätsstadt wird zunächst durch den Dreißigjährigen Krieg jäh unterbrochen. Stadt und Universität müssen wechselweise Einquartierungen und Plünderungen durch kaiserliche und schwedische Truppen erleiden. Als wäre dies nicht genug, grassiert im Jahre 1636 die Pest in der Stadt und rafft beinahe 500 Menschen dahin.

Krieg und Zerstörung werden indes in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert neuerlich von einer Aufbruchstimmung abgelöst. Die Universität, die ihre erste Blütezeit erlebt, ist dabei unverkennbarer Schrittmacher. Mit dem Mediziner Werner Rollfinck und dem Naturwissenschaftler und Philosophen Erhard Weigel hält frühaufklärerisches Gedankengut Einzug in die Stadt. Die Hochschule gewinnt national wie international an Bedeutung und sorgt dafür, dass Buchdruck, Buchhandel und Verlagswesen nach Jena gezogen werden. Das Engagement des Buchdruckers Johann Bielcke, der 1665 in der Johannisgasse eine Buchhandlung eröffnet und sich in den Folgejahren zum größten deutschen Verleger seiner Zeit aufschwingt, legt beredtes Zeugnis von dieser erstaunlichen Entwicklung ab.

 

 

Nach Leipzig steigt Jena um 1700 zum zweitgrößten Zentrum des deutschen Buchhandels auf. Politisch-institutionell zeitigt deutsche Kleinstaaterei die Folge, dass Jena kurzzeitig zur Residenzstadt wird. 1662 wird Jena unter Herzog Bernhard Sitz des selbständigen Herzogtums Sachsen-Jena. Der "Zwergstaat", der aus einer Landesteilung innerhalb des Herzogtums Sachsen-Weimar hervorgeht und lediglich eine Fläche von 515 Quadratkilometern umfasst, bleibt jedoch wenig mehr als eine geschichtliche Episode: als unabhängige politische Einheit existiert es keine 20 Jahre. Als Bernhards Sohn Herzog Johann Wilhelm 1690 vor Erreichen der Volljährigkeit und kinderlos stirbt, fällt die kurzzeitige Residenzstadt Jena an Sachsen-Weimar zurück - und hinterlässt nur wenige Spuren: Selbst das herzogliche Schloss wird 1905 zu Gunsten des neuen Hauptgebäudes der Jenaer Universität abgerissen werden.

Jena als geistiges Zentrum von Klassik und Romantik
In der Zeit der deutschen Klassik entwickelte sich Jena zu einem der führenden geistigen Zentren in Deutschland. Im Dezember 1775 besucht Johann Wolfgang Goethe erstmals die Universitätsstadt und wird ihr über die nächsten Jahre hinweg aufs Engste verbunden bleiben.

Rechnete man all seine Aufenthalte in Jena, in dem er Abstand vom Geschehen am Weimarer Hof suchte, zusammen, so bemäße sich seine Schaffenszeit in Jena auf gut fünf Jahre. Hier fand er zum Einen die Ruhe, um literarische Werke, wie den "Wilhelm Meister" und die Wahlverwandschaften zu vollenden, zum anderen hinterließ er in seiner Eigenschaft als Thüringer Minister bleibende Spuren in Jenas Stadtentwicklung. Zu nennen sind etwa solche Einrichtungen wie der Botanische Garten, die Mineralogische Sammlung oder auch die Universitätsbibliothek. Mehr noch: Der Geheimrat zog bedeutsame Geistesgrößen nach Jena und trug somit selbst maßgeblich dazu bei, dass Jena an der Wende zum 19. Jahrhundert zu dem wurde, was er selbst die "Stapelstadt des Wissens" nennt.

 

 

Berühmte Geister folgen, teils auf Goethes persönliche Initiative hin, dem Ruf nach Jena: Die Philosophen Reinhold, Fichte ab 1794, Schelling ab 1796, die Theologen Griesbach und Paulus, auch die Naturwissenschaftler Loder, Lenz, Hufeland, Stark und Batsch machen der Stadt, die damals kaum mehr als 4500 Seelen zählt, nach und nach ihre Aufwartung. Am 26. Mai 1789 tritt Friedrich Schiller mit der Vorlesung "Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte" eine Professur in Jena an. Beide, Goethe und Schiller, gehen in Jena ihren Freundschaftsbund ein, aus dem auch Schiller Inspiration für sein litarisches Schaffen zieht. Neben vielen Balladen entstehen in Schillers zehn Jenaer Jahren u.a. die Dramen "Wallenstein" und "Maria Stuart".

In die Fußstapfen der Klassiker Goethe und Schiller treten seit 1796 nicht weniger große Geister: Um die Gebrüder August Wilhelm und Friedrich Schlegel formiert sich ein illustrer Kreis junger Autoren und Dichter, der sich den Idealen der französischen Revolution verpflichtet fühlt und einer sich ausbreitenden rein rationalen Weltdeutung das Konzept einer "Poetisierung des Lebens" entgegenstellt. Als "Jenaer Romantiker" gehen die Brüder Schlegel, Ludwig Tieck, Novalis (Friedrich von Hardenberg) und Clemens Brentano in die Literaturgeschichte ein. Im "Romantikerhaus", dem ehemaligen Wohnhaus des Philosophen Johann Gottlieb Fichte wird bis heute ihr Andenken bewahrt.

Jena zwischen Napoleon und bürgerlich-demokratischen Erwachen
Erneut von sich Reden macht Jena 1806 als unweit der Stadttore zwischen dem 10. und 14. Oktober 1806 die berühmte Doppelschlacht von Jena und Auerstedt entbrennt. Der preussisch-sächsischen Armee wird dabei von den französischen Truppen unter Führung Napoleons eine vernichtende Niederlage beigefügt. Auf längere Sicht erweist sich Napoleons grandioser Erfolg indes als "Pyrrhussieg".

Unter dem Eindruck von Plünderungen, die die Stadt durch die fremden Truppen erfährt, entwickelt sich die Universität zu einem Zentrum des antinapoleonischen Befreiungskampfes und Keimzelle der bürgerlich-demokratischen Nationalbewegung, die 1813 auch und gerade Jenaer Studenten in die Freiheitskriege gegen Napoleon ziehen lässt.

Noch heute kündet in der Universitätsaula das 1908/09 geschaffene Monumentalgemälde des Schweizer Künstlers Ferdinand Hodler ‚Der Auszug der deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813' von dieser, von freiheitlich-nationalen Ideen getragenen Bewegung, die knapp zwei Jahre nach der Völkerschlacht bei Leipzig am 12. Juni 1815 in der Gründung der Deutschen Urburschenschaft in der "Grünen Tanne" in Jena gipfelt. Die Jenaische Burschenschaft zählt denn auch maßgeblich zu den Initiatoren des Eisenacher Wartburgfestes, auf dem über 500 Studenten aus zwölf deutschen Universitäten zusammen kommen und für die Bekämpfung der deutschen Kleinstaaterei und die Durchsetzung politischer Reformen einzutreten.

Aufbruch ins Industriezeitalter
Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gehen in Jena universitäre Wissenschaft und aufstrebende Wirtschaft in zunehmendem Maße jene fruchtbare Verbindung ein, die Jenas lange Tradition als Zentrum der optisch-feinmechanischen Industrie begründen sollten. Sie ist ganz wesentlich mit zwei Namen verknüpft: dem Universitätsmechanikus und Unternehmer Carl Zeiss und dem Wissenschaftler Ernst Abbe.

Zur Verbesserung der Qualität seiner optischen Geräte sucht Zeiss die Zusammenarbeit mit dem Jenaer Physikprofessor Ernst Abbe, der die wissenschaftlichen Grundlagen für eine reproduzierbare Fertigung optischer Linsen erarbeitet. Das "Kompetenzteam" wird schließlich durch den jungen Glaschemiker Otto Schott komplettiert. Dieser gründet 1884 ein "Glastechnisches Laboratorium", in dem die hochreinen Spezialgläser für die Mikroskope und optischen Geräte aus dem Hause Zeiss geschmolzen werden. Die Zusammenarbeit von Zeiss, Abbe und Schott mündet später in der Gründung der Firma JENAer Glaswerk SCHOTT & GEN, an der alle drei Männer beteiligt sind.

Mit dem wirtschaftlichen Erfolg, der sich einstellt, verändert auch die Stadt merklich ihr Gesicht: Jena wird zur Industriestadt. Zahlreiche hochqualifizierte Arbeiter und ihre Familien kommen in die Saalestadt. Binnen 30 Jahren, von 1870 bis zur Jahrhundertwende, steigt die Zahl der Einwohner rasant an - um 150 Prozent auf etwa 25.000.

Zwischen Aufbruch und Katastrophe: Jena von der Gründerzeit bis zum 2. Weltkrieg

 

 

Als Carl Zeiss am 3. Dezember 1888 stirbt, ist dies für Jena zweifellos ein Verlust. Doch den Aufstieg des von ihm begründeten Unternehmens zu einem Musterbetrieb der Gründerzeit wird dadurch nicht in Frage gestellt. Das Unternehmen wächst und mit ihr die Stadt. Hat Jena 1871 lediglich an die 8000 Einwohner, so sind es zur Jahrhundertwende bereits 20.000, 1914 kratzt die Stadt bereits an der 50.000er Marke.

Ernst Abbe, nunmehr alleiniger Leiter des Unternehmens, überführt die Zeiss-Werke in eine Stiftung, von deren finanziellem und sozialem Engagement Mitarbeiter wie die Stadt als Ganzes profitieren. Unter der Ägide Abbes entstehen u.a. das Volkshaus und das Volksbad. Auch das neue Universitätshauptgebäude, das 1908 anlässlich des 350-jähriges Jubiläum der Einrichtung übergeben wird, verdankt seinen Bau vorrangig Spenden der Zeiss-Stiftung.

Personell geben der Universität Wissenschaftler wie der Biologe Ernst Haeckel, der Mathematiker Gottlob Frege, der Philosoph Rudolf Eucken, der Jurist Eduard Rosenthal oder auch der Physiker Max Wien das Gepräge.

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Revolution erlebt auch Jena, das 1920 Teil des Landes Thüringen wird, zu Zeiten der Weimarer Republik ein nur allzu kurzes demokratisches Intermezzo. Als 1928 erstmals ein NSDAP-Abgeordneter in die Stadtverordnetenversammlung der Stadt gewählt wird, ist dies untrügliches Zeichen dafür, dass auch in Jena bald ein alles anderer als freiheitlich-demokratischer Geist in die Stadt einziehen wird. Eine Bücherverbrennung auf dem Jenaer Marktplatz im August 1933 bildete dafür einen ersten traurigen Beleg.

Der Krieg, der von Deutschland ausgeht, findet auch nach Jena zurück. In mehreren Bombenangriffen werden bis zum Ende des Krieges zirka 15 Prozent der Stadt zerstört, über 800 ihrer Bürger finden den Tod.

Anfang und Ende einer sozialistischen Großstadt

 

 

Nach 1945 entsteht auch das durch den Krieg stark zerstörte Jena allmählich aus Ruinen wieder auf. Im Oktober 1945 eröffnet als sichtbares Zeichen des Neuanfangs die Friedrich-Schiller-Universität wieder ihre Pforten für den Lehrbetrieb. Reichlich einen Monat, nachdem die DDR gegründet worden ist, geht die Verwaltung Jenas von der örtlichen Kommandantur der sowjetischen Militäradministration in städtische Hände über.

Am 1. Januar 1950 läutet die Gründung des VEB Jenapharm die allmähliche Entwicklung Jenas zur Großstadt ein. Jenapharm geht aus der Penizillin - Herstellung des Schott-Werkes hervor und deckt den gesamten Penicillinbedarf der DDR ab. Neben dem VEB Carl Zeiss Jena und VEB Jenaer Glaswerk, die 1948 in Staatseigentum übergehen, entsteht damit Jenas dritter Großbetrieb. Im Zuge der Bezirksbildung wird Jena 1952 dem Bezirk Gera angegliedert.

Darüber, unter welchen wirtschaftlichen und politischen Vorzeichen der Wiederaufbau Jenas vonstatten gehen soll, herrscht indes bei weitem kein Einvernehmen. Wie in anderen Städten der DDR protestieren am 17. Juni 1953 Tausende Jenaer gegen die Maßnahmen der Regierung und fordern freie Wahlen, den Rücktritt der Regierung sowie die Einheit Deutschlands. Die Demonstrationen werden mittels fünf sowjetischer Panzer und eines über die Stadt verhängten Ausnahmezustands aufgelöst, noch am selben Tag 500 Personen verhaftet.

Vor allem der weitere Ausbau des Zeiss-Werks sorgt in den Folgejahren dafür, dass Jena über sich hinauswächst. Um den Zuzug neuer Einwohner zu bewältigen, entsteht seit 1965 eine "Stadt vor der Stadt". In Plattenbauweise werden vor den Toren Jenas die Neubaugebiete Lobeda-Ost und -West mit etwa 14.000 Wohnungen errichtet und durch eine Schnellstraße an das Stadtzentrum angebunden. Auch dort wird der Ausbau Jenas zur sozialistischen Großstadt forciert. Seit 1969 müssen nach einem Beschluss des Ministerrats der DDR große Teile des noch vorhandenen alten Stadtkerns dem Bau eines neuen 120 Meter hohen Forschungshochhauses weichen. Zunächst für das Zeiss-Werk gedacht, wird das Haus 1972 statt dessen an die Friedrich-Schiller-Universität übergeben. Das umstrittene Universitätshochhaus firmiert seitdem und über den Auszug der Universität 1996 hinaus bei den meisten Jenaern schlicht als "Uni-Turm". Das Bauwerk ist bis heute nicht unumstritten: Ist die "Keksrolle" - Geschichte hin oder her - von Vielen längst als "Wahrzeichen" Jenas akzeptiert, sehen andere darin noch heute ein Relikt sozialistischer Herrschaftsarchitektur. In seinem Schatten und speziell im Umfeld der Universität gedieh aber auch eine Atmosphäre subversiven Widerstands, der zu DDR-Zeiten Jenas Ruf als Dissidenten-Hochburg begründete.

Am 24. September 1975 ist es schließlich soweit: Jena überschreitet die Marke von 100.000 Einwohnern und wird damit zur 14. Großstadt der DDR.

Vor allem seit den 1970er Jahren sorgen Sportler aus Jena bei nationalen und internationalen Sportereignissen für Furore. Namen wie Rolf Beilschmidt (Hochsprung), Wolfgang Nordwig (Stabhochsprung), Renate Stecher (Sprint), Marlies Göhr (Sprint), Petra Felke-Meier (Speer) und Heike Drechsler (Sprint und Weitsprung) nähren Jenas Ruf als Hochburg des Leistungssports. Am 13. Mai 1981 steht der Fußballclub Carl Zeiss Jena im Finale des Europapokals der Pokalsieger. Den Platz als Sieger verlässt der Gegner: Dynamo Tbilissi siegt in Düsseldorf mit 2:1.

Im September 1988 übergibt Generaldirektor Wolfgang Biermann, der seit 1975 dem DDR-Vorzeige-Kombinat "Carl Zeiss" vorsteht, in einer vom DDR-Fernsehen groß inszenierten Berichterstattung den ersten in der DDR hergestellten 1-Megabit-Speicherchip an Staatschef Honecker. Und in Jena wird im Mai des Folgejahres über dem neuen Kaufhaus am Inselplatz die Richtkrone hochgezogen. In Jena markieren im Rückblick diese vermeintlichen Aufbruchssignale den Anfang vom Ende der DDR. Schon am 4. November 1989 erlebt die Stadt Jena die größte Demonstration in seiner Geschichte: 40.000 Menschen demonstrieren bei einem Bürgerforum auf dem "Patz der Kosmonauten", dem heutigen Eichplatz, für ihre Bürgerrechte.

Jena nach der Wende

 

 

Binnen weniger Jahre seit der politischen Wende in Ostdeutschland hat sich Jena wieder zu einem Wissenschaftszentrum von internationalem Rang entwickelt.

Vorhandene Traditionen und gewachsene Kompetenzen ermöglichten den Ausbau zu einem zukunftsorientierten High-Tech-Standort. Doch auch in Jena, dessen Geschicke maßgeblich vom 1990 zum Oberbürgermeister gewählten Tierarzt Peter Röhlinger mit bestimmt werden, verlief der Übergang ins neue Wirtschaftssystem nicht bruchlos: Am 13. Februar 1991 demonstrieren ca. 20.000 Mitarbeiter der Zeiss-Werke um 5 vor 12 in der Jenaer Innenstadt für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Den massenhaften Wegfall von Industriearbeitsplätzen verhinderte dies zunächst nicht: Zum 1. Januar 1992 werden über 16.000 Beschäftigte der Zeiss-Werke in Jena entlassen. Gestützt auf vorhandene Traditionen und hoch qualifizierte Fachkräfte hat Jena in den zurückliegenden Jahren wirtschaftlich jedoch wieder Fuß gefasst. Traditionsreiche Unternehmen wie CARL ZEISS JENA, SCHOTT und JENAPHARM schafften den Neuanfang. Aus der Konkursmasse des ehemaligen Zeisskombinats ging mit der Jenoptik AG ein weiteres Untenehmen hervor, dass sich heute mit Fug und Recht als "Internationaler Technologiekonzern" bezeichnet. Ergänzt werden die "Großen Vier" der Jenaer Industrie heute durch eine Vielzahl neu- und ausgegründeter Technologiefirmen. Jeder zweite Jenenser Beschäftigte arbeitet heute in zukunftsträchtigen und wettbewerbsfähigen Branchen wie Optik, Feinmechanik und Medizintechnik, deren Exportanteil über 40 Prozent liegt.

Die Universität, seit 1990 zu Thüringens einziger Volluniversität ausgebaut, ist mehr denn je pulsierendes Zentrum der Stadt. An der Alma Mater Jenens und der 1991 gegründeten Fachhochschule studieren unterdessen über 28.000 Studenten. Umrahmt werden diese beiden Eckpfeiler der Jenaer Forschungslandschaft von einer Reihe außeruniversitärer Forschungseinrichtungen, die nach der Wende in Jena etabliert wurden, darunter das Hans-Knöll-Institut für Naturstoff-Forschung e. V., das Institut für Molekulare Biotechnologie e. V., das Institut für Physikalische Hochtechnologie e. V., das Frauenhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik Jena und die Max-Planck-Institute für Chemische Ökologie, für Biochemie und zur Erforschung von Wirtschaftssystemen.

Der wirtschaftliche Umbruch und der infrastrukturelle Nachholebedarf aus DDR-Zeiten haben Jena seit der Wende des öfteren "zu einer einzigen Baustelle" werden lassen. Zu den Großprojekten zählten dabei die Erschließung des ehemaligen Zeiss-Hauptwerkes (1996), auf dessen Areal der neue Universitätscampus und die Einkaufspassage Goethe-Galerie entstanden, die Inbetriebnahme der neuen Straßenbahnstrecke von Jena-Lobeda ins Stadtzentrum (1997), die neue Universitätsbibliothek (2001), der rekonstruierte "JenTower" (ehemals Uni-Turm). Hinzu kommen der neu gestalte Holzmarkt, das neue Freizeitbad "Galaxsea" (2002) und zuletzt der moderne ICE-Bahnhof Jena-Paradies.

Autor: Andreas Klossek, Fotos: Jens Mende

Quellen und Literaturhinweise:
Platen, Michael: Wegweiser Jena, Bamberg 2004
Kallies, Ruth: Jena. Ein historischer Stadtführer, Jena 2002
Traeger, Ilse / Köhler, Gabriele: Jena. Der Stadtführer, Jena 2005
Halm, Evelyn: Jenaer Geister: Steckbriefe und Erläuterungen zu einem historischen Umzug, Jena 2005
Fiedler, Horst: Jenaer Straßenbekanntschaften, Erfurt 2004
Haun, Winfried: Die sieben Wunder des alten Jena, Jena 2003
Dittrich, Ursula / Köhler, Gabriele: Wandern in Jena. Stadtnahe Rundwanderungen, Jena 2004


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