Jena darf nicht aufs Abstellgleis
Durch den Bau der neuen ICE-Trasse über Erfurt drohen der Stadt Jena deutliche Verschlechterungen bei der überregionalen Erreichbarkeit auf der Schiene. „Die alleinige Stärkung der Mitte-Deutschland-Verbindung wird nicht ausreichen, um die wirtschaftlichen Nachteile durch den Verlust des ICE-Haltes aufzufangen“ sagte der Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Prof. Dr. Dietmar Schuchardt. Mit dieser Thematik befasste sich am Dienstagabend der neugegründete „Arbeitskreis Wirtschaft“ der CDU Jena. Interessierten Mitgliedern und Gästen stand dabei der stellvertretende Landesvorsitzende des Fahrgastverbandes „Pro Bahn Thüringen“, Herr Olaf Behr, als Fachreferent zur Verfügung.
Ziel der Diskussion war die Suche nach angemessenen Alternativen für den Wegfall der regelmäßigen ICE-Verbindungen nach Jena, denn „ein Ersatz durch häufigere Regionalbahnverbindungen nach Erfurt, wie es bisher scheinbar das einzige Konzept der Landesregierung ist, können den Wegfall des ICE nicht ohne erhebliche Nachteile für Jena kompensieren“ so Behr. Die Argumentation, durch die Umsteigeverbindungen nach Erfurt könne für Fahrten nach Berlin und München sogar noch Zeit gespart werden, ist teilweise falsch und greift zudem zu kurz. „Bei der Betrachtung dürfen die Pendlerströme auf der Nord-Süd-Achse nicht vergessen werden, für die es auf schnelle und vor allem umsteigefreie Verbindungen ankommt“ sagte der CDU-Kreisvorsitzende Prof. Schuchardt.

ICE-Halt Jena-Paradies: Ist die Abkopplung vom ICE-Verkehr noch zu verhindern?
Die Teilnehmer der Veranstaltung kamen überein, die Forderung mehrerer Jenaer Wirtschaftsverbände nach einer angemessenen Bahnanbindung für den Wirtschaftsstandort Jena in einem eigenen Schreiben an den Thüringer Verkehrsminister zu untermauern. Zudem forderte der Arbeitskreis den Jenaer Oberbürgermeister auf, sich deutlich sichtbarer und wirkungsvoller als bisher für die Jenaer Bahnanbindung einzusetzen. Die Durchführung einer jährlichen Verkehrskonferenz reicht dafür nicht aus. Ebenso sei angesichts der künftig intensiveren Nutzung des Jenaer Westbahnhofs ein neues Verkehrskonzept für die Stadt erforderlich. „Nicht nur das Land, sondern auch die Stadt muss auf die veränderten Bedingungen reagieren“, so Schuchardt. „Der jetzige Zustand des Bahnhofs, aber auch die Anbindung an die Innenstadt und in die meisten Stadtteile entsprechen nicht der gestiegenen Bedeutung “.
Der Arbeitskreis Wirtschaft will sich weiterhin mit dieser und anderen für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt relevanten Fragen befassen. Schuchardt betonte, dass „mit den neu eingerichteten Arbeitskreisen Wirtschaft, Stadtentwicklung, Bildung und Kultur in der CDU Jena eine stärkere Meinungsbildung von unten nach oben erfolgen soll. Wir sind eine Volkspartei und wollen dies mit unseren Strukturen auch deutlich zeigen.“
Text: Benjamin Koppe
Foto: Jens Mende












