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Vor 50 Jahren brach der Mensch ins Weltall auf

Der Erste hat es am schwersten, denn es gibt keinen vorgezeichneten Weg um zu erreichen, was er erreichen will. Doch der Erste wird auch bewundert und für seine Leistungen geehrt. Heute vor 50 Jahren flog Juri Gagarin als erster Mensch ins Weltall.

„Schon wieder die Russen!“, mag so mancher NASA-Angestellte an jenem 12. April 1961 gedacht haben, als die Meldung vom ersten bemannten Raumflug in der Geschichte der Menschheit um den Globus ging. Nach dem Sputnik-Schock im Jahre 1957 nun die nächste Pioniertat und wieder waren es die Russen, die den entscheidenden Schritt bei der Eroberung des Weltalls in Front lagen.

Lebenslauf eines Helden
Juri Alexejewitsch Gagarin wird am 9. März 1934 im Dorf Kluschino geboren und im September 1941 eingeschult, doch der 2. Weltkrieg macht auch vor dem beschaulichen Dorf des späteren Helden nicht Halt: Erst 1943, nach der Befreiung Kluschinos durch die Rote Armee, kann der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden und Gagarin wieder zur Schule gehen..
Später geht er nach Saratow und studiert am Industrietechnikum. Dort wird er Mitglied des Aeroklubs und besteht am 3. Juni 1955 seine erste Flugprüfung. Im gleichen Jahr tritt er in die sowjetischen Streitkräfte ein und wird in die Fliegerschule in Orenburg aufgenommen.
Nach der erfolgreichen Ausbildung wird er als Pilot in ein Jagdfliegerregiment der Nordflotte versetzt. Er dient bis zum Ende des Jahres 1959 in Murmansk am Polarkreis, ist inzwischen Mitglied der KPdSU und verheiratet mit der Ärztin Valentina Gorjatschowa.

Den Sternen ein Stück näher
Im Frühjahr 1960 dann der vielleicht wichtigste Schritt auf seinem Weg zu den Sternen: Gagarin wird auf Befehl des Oberkommandierenden der Luftstreitkräfte Mitglied der Gruppe der Kosmonauten-Kandidaten und erhält bis zum Januar 1961 eine entsprechende Ausbildung. Die Familie – inzwischen haben die Gagarins eine Tochter – siedelt vom Polarkreis ins Sternenstädtchen bei Moskau über.
Die Auswahl fiel wohl auch deshalb auf Gagarin, weil er nicht nur hervorragende Ausbildungsergebnisse erzielte, sondern zudem auch über die gewünschten Charaktereigenschaften eines Kosmonauten verfügte. Er galt als sehr ausgeglichen, besonnen und ruhig.
So setzt sich Juri Gagarin gegen 19 weitere Kandidaten durch und absolviert am 12. April 1961 mit dem Raumschiff Wostock 1 den ersten Raumflug in der Geschichte der Menschheit.


Juri Alexejewitsch Gagarin

Kampf der Ideologien
108 Minuten benötigt Gagarin für seinen Husarenritt und beweist, dass der Mensch durchaus in der Lage ist, ins Weltall zu fliegen und gesund zur Erde zurückzukehren. Die medizinischen und technischen Erkenntnisse seines Raumflugs bilden die Grundlage für weitere technologische und menschliche Höchstleistungen bei der bemannten Erkundung des Weltalls.
Nach seiner Landung - die mit einigen Problemen verbunden war und von denen jedoch die Öffentlichkeit zunächst nichts erfuhr – wird Juri Gagarin weltweit mit Auszeichnungen und Ehrungen überhäuft. Doch die Welt des Jahres 1961 war zweigeteilt: Während man im Westen also von einer „ hochgezüchteten Menschmaschine“ sprach, die von der Partei darauf getrimmt wurde, ins All zu fliegen, feierte man im Osten den „Genossen Gagarin, der mit seiner Leistung die Überlegenheit des Sozialismus unter Beweis stellte“.
Im Osten fuhr man Sonderschichten zu Ehren Gagarins, im Westen arbeitete man fieberhaft daran, die Schmach in Grenzen zu halten. So folgte Alan Shepard, der erste Amerikaner im All, Gagarin nur gut drei Wochen später, am 5.Mai 1961, doch war der erste bemannte NASA-Flug ins All keine Erdumrundung - die Kapsel „Freedom 7“ folgte einer ballistischen Flugbahn - und dauerte nur gut 15 Minuten. Doch immerhin, der Status Quo war nach Ansicht der NASA wieder hergestellt.

Der Tod eines Helden
Nach seinem Flug mit Wostock 1 war Juri Gagarin Kommandeur der sowjetischen Kosmonauten-Gruppe und wurde im Februar 1968 zu deren Ausbilder ernannt. Doch am 27. März 1968 verunglückte Gagarin bei einem Übungsflug mit einem russischen Kampfjet tödlich.
Über die Absturzursache wurde seitdem viel spekuliert. Die sowjetische Regierung verkündete, die Absturzursache sei „eine unglückliche Verkettung verhängnisvoller Umstände“. Die Unterlagen zu Gagarins Absturz verschwanden im Militärarchiv und konnten erst im Zuge der Umgestaltung der Sowjetunion eingesehen werden. So mutmaßte Gagarins Kosmonauten-Kollege Alexej Leonow nach Durchsicht der Unterlagen im Jahre 1985, das Gagarin möglicherweise einer anderen Militärmaschine ausweichen musste und durch Turbulenzen in den freien Fall geriet und letztlich tödlich verunglückte.
Verschwörungstheoretiker glauben gar, dass Gagarins Maschine vorsätzlich zum Absturz gebracht wurde, da er sich angeblich mit dem Gedanken trug, die Sowjetunion zu verlassen und sich in den Westen absetzen wollte. Diesen Imageschaden konnte der sowjetische Geheimdienst keinesfalls zulassen...
Wie dem auch sei, Juri Gagarin wurde wie ein Staatsmann beerdigt; seine Urne befindet sich in der Kremlmauer auf dem Roten Platz in Moskau.

Verewigt im kollektiven Gedächtnis der Menschheit
Gagarins Flug am 12. April 1961 öffnete der Menschheit die Tür ins Weltall und war die Grundlage weiterer großartiger Taten mutiger Frauen und Männer: Valentina Tereschkowa als erste Frau im All 1963, der erste Weltraum-Spaziergang durch Alexej Leonow 1965, Armstrongs erster Schritt auf dem Mond 1969, der 184 Tage währende Langzeitaufenthalt Popows und Rjumins an Bord von Salut 6 zwischen April und Oktober 1980...
Es gibt nur wenige Menschen, die sich mit ihren Leistungen auf ewig in das kollektive Gedächtnis der Menschheit einbrannten. Juri Gagarin gehört zweifellos dazu.

Text: Jens Mende
Fotos:
Juri Gagarin © Anizotropia, wikimedia.org
Gagarin-Denkmal in Moskau © Donauwelle, wikimedia.org
Sowjetische Briefmarke 1964 © E. Aniskin, wikimedia.org
Screenshot © google.com
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