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Kommentiert: Jena in den Schlagzeilen – Chance oder Imageverlust?

Seit dem „aspekte“-Beitrag steht Jena in den Schlagzeilen und bemüht sich fast verzweifelt, den Imageschaden gering zu halten. Doch am Donnerstag legte die taz nach. Ihr Beitrag „Jenas Image - In der akademischen Besatzungszone“ hat das Potential für eine weitere Podiumsdiskussion.

Die Hartgesottenen winken müde ab: Jena in den Negativ-Schlagzeilen? Ach was! Das ZDF hatte seinen Spaß, Uhly seine Werbung und Jena eine Podiumsdiskussion. Die war soweit okay und vor allem hat sie niemandem weh getan. Man sprach sich mal so richtig über alles aus und ging zufrieden nach Hause - oder sollte die Veranstaltung am vergangenen Montag im Theaterhaus Jena tatsächlich der Auftakt zu einem Dialog gewesen sein, an dessen Ende konkrete Maßnahmen stehen, die Jena stärker machen, lebenswerter für alle seine Einwohner?

„Auffangbecken für Abgelehnte“
Öl ins mediale Feuer gießt die in Berlin erscheinende taz mit einem am Donnerstag veröffentlichten Beitrag. Der Artikel „Jenas Image - In der akademischen Besatzungszone“ vermittelt in teils zynischem Tonfall eine Sicht auf Jena, die Auswärtige Schmunzeln lässt und geneigt ist, Jenas Bürger erneut auf die Barrikaden zu treiben.
Zitate gefällig? „Die Alma Mater Jenensis fungiert als Auffangbecken für Abgelehnte. Hier sehen ohnehin viele Studierende so aus, als hätten sie ihre Mitfahrgelegenheit nach Berlin verpasst und die Zusage von der Humboldt-Uni gleich mit.“ Oder: „Da der in Jena grassierende Wohnungsnotstand einige Studenten dazu gezwungen hat, nach Lobeda zu ziehen, verliert das angebliche Problemviertel allmählich seine Furcht einflößende Aura, wird zum notwendigen Übel, zur akademischen Besatzungszone.“ Und: „Jena ist ein akademisches Ferienlager. Im Sommer liegt man in der Oberaue, hört sich zum x-ten Mal die frühen Sachen von Clueso an […] Und wenn einem gar nichts mehr einfällt, träumt man von Berlin.“ Und über die Neonazi-Szene Jenas heißt es: „Wo grauhaarige, unzufriedene Kurzarbeiter leicht zu gemäßigten Nazis werden, von denen aber keine Gefahr ausgeht, da der Rücken Probleme bereitet. Dort, wo ein schnauzbärtiger Deutscher mit seiner Gattin Hähnchendöner verkauft, im Einkaufszentrum Burgau-Park. Dort, wo Thor Steinar tragende Hünen hinter Jack-Wolfskin-Müttern in der Kassenschlange stehen.“



Zu den Waffen, Bürger!
Und nun, Jena? Was wirst Du tun? Wirst Du von der taz eine „Entschuldigung mindestens bei allen Bürgern Jenas“ wünschen, so wie eine Jenaer Internetseite dies bereits vom ZDF mit unsäglich missglücktem Satzbau forderte? Zitieren wir den Autor, Vid Silber, nach Jena und steinigen ihn auf dem Marktplatz? Werden sich wieder Tausende an einer Online-Petition beteiligen, die kurze Zeit später im elektronischen Papierkorb verschwindet? So ein Mausklick ist schon sehr bequem, ist aber als Ventil ein untaugliches Mittel, denn wichtiger wäre es, die Veränderungswilligen zu mobilisieren, auf die Straße zu bringen, ins Gespräch miteinander zu bringen. Nicht jeder vor seinem Rechner im stillen Kämmerlein, sondern auf der Straße, im Theater, im Rathaus... Letztlich überall dort, wo Kommunikation und Protest auch Veränderung bewirken kann.

Engagement zeigen, Fragen stellen, Antworten finden
Beginnen wir also endlich fernab jeglichen Schulterklopfens, unseren Alltag in Jena kritisch zu hinterfragen? Treffen wir uns regelmäßig in Gesprächsrunden – die Wendezeit mit ihren Runden Tischen als Vorbild lässt grüßen – und erarbeiten konkrete Maßnahmen, die von der Mehrheit der hier Lebenden getragen werden?
Es ist an der Zeit, Fragen zu stellen und Antworten zu finden, sich zu engagieren für die Stadt, die unser zu Hause ist. Und es liegt an uns allen, die wir in Jena leben, die wir Jena lieben und besser machen wollen. Wir sollten diese Chance nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Taz vom 8. Dezember 2011: „Jenas Image - In der akademischen Besatzungszone“

Text: Jens Mende
Foto: Screenshot. Quelle: © taz.de
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Kommentare  

 
0 #10 Jenavo 2011-12-13 19:56 Ich empfinde den taz-Beitrag eher als Satire eines Erfurters, der in Jena mal ein paar Semester studiert hat aber leider nicht mal das Volkskundestudium gepackt hat und nun zum Glück für ein Praktikum in der allseits geliebten Metropole Berlin bei der taz untergekommen ist…Die verwendeten Attribute (strebsam, zierlich, akademisch, sicher, harmlos und Fussball) lassen doch eher darauf schliessen, dass es so schlecht nicht sein kann im kleinen knuddeligen thüringer Paradies…
Genau das ist es, was zumindest ich an Jena so mag!
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+2 #9 die kleine 2011-12-09 23:04 wohnungsmangel ist ein problem. es zeigt, dass menschen nach jena strömen. die könnten auch alle woanders wohnen/studieren. wollen aber nach jena. warum wohl? nennt mir eine stadt in deutschland, wo alles optimal läuft! mir wirds in frankfurt und münchen flau, traue mich dort teilweise nur in der gruppe in einige ecken. das wäre für mich definitiv keine lebensqualität. klar kann man auch in jena eine auf die mütze bekommen. kann jeden treffen. jeder der schwach genug erscheint. wie sich das von der taz liest, war der typ nie in jena, sondern hat schlicht im internet recherchiert. jeder der mal ne weile in jena gelebt und sich mit unterschiedlichsten menschen auseinandergesetzt hat, wird merken, dass es probleme gibt, jena aber keine angstzone ist. der beitrag ist einfach nur trittbrettfahrerei. weils grad ins vorweihnachtliche redaktionsloch passt. wirtschaftskrise ist durchgekaut, naturkatastrophen und gefälschte doktorarbeiten haben wir gerade nicht, da muss jena herhalten. Zitieren
 
 
+1 #8 JJ 2011-12-09 22:48 Es scheint wohl doch einige Beifallklatscher zu geben, die dem taz-Text bzw. den Intentionen seines Autors auf den Leim gegangen sind.

Zu einem Text, der von der ersten bis zur letzten Zeile nicht im Ansatz die Absicht hatte, sachlich zu sein, gibt es nichts zuzustimmen, auch dann nicht, wenn in die pauschale Hetze gegen Einheimische und Gäste der Stadt ein Krümelchen eingestreut ist, das der eine oder andere blind aufpickt und sagt: "Das mit dem Wohnungsproblem stimmt —> also ist der Text richtig!" Nein, er ist es nicht.

Den Umgang mit dem apekte-Beitrag, speziell die Distanzierung durch den Schiftsteller Steven Uhly und seine nähere Schilderung, wie aus nach einem vorbreiteteten Script "Realität" produziert wird, finde ich sehr wichtig - und das nicht nur aus egoistischer Jenaer Sicht: Die Podiumsdiskussion wurde überregionalen Medien begleitet, wie z.B. dem Medienmagazin ZAPP. Solche Sendungen finde ich sehr wichtig für angemessene Bewertung journalistischer Qualität.
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-2 #7 crx 2011-12-09 16:18 taz macht da weiter, wo zdf/uhly aufgehört haben, aber volle kante! der typ schreibt zwar viel scheiß, aber leute, kuckt mal genauer hin! der wohnungsmarkt ist voll im eimer und wird sich die nächsten jahre auch net ändern, galaxy ist zu wegen einsturzgefahr, rassismus gehört zum alltag, z.b. gegen russen, fidschies und so, der eichplatz wird mit beton zugekippt und im paradies liegt einer und träumt vom fcc. schlaf gut jena! Zitieren
 
 
0 #6 MüssenNurWolln 2011-12-09 15:44 Das Problem ist nicht die scheinbar schlechte Berichterstattung über Jena. Jena ist von seiner jahrelangen Arroganz eingeholt worden. Schulterklopfen und Weiter so macht keine Stadt zukunftsfähig! Zitieren
 
 
+2 #5 Ulrike 2011-12-09 14:54 "Wirst Du von der taz eine „Entschuldigung mindestens bei allen Bürgern Jenas“ wünschen, so wie eine Jenaer Internetseite dies bereits vom ZDF mit unsäglich missglücktem Satzbau forderte?" - Schön, dass es noch jemandem aufgefallen ist. Bei meinen Kolleginnen war ich die Krümelkackerin Zitieren
 
 
-4 #4 minzgruen 2011-12-09 14:51 @Tobias: jena hält sich seit jahren für den nabel der welt. da tut es mla ganz gut, dass leute von außen draufgucken und nicht nur beifall klatschen. ich wohne in jena und finde auch, dass man vieles hier besser machen könnte, zum beispiel wohnungsknappheit oder kinopreise, aber man muss sich nicht immer rechtfertigen, weil jemand was kritisiert. Zitieren
 
 
+4 #3 Nur der FCC 2011-12-09 13:53 wenn ich im para liege, träume ich vom FCC!!! Zitieren
 
 
+1 #2 Tobias Wieland 2011-12-09 13:14 Sehr geehrter Herr Mende,
Ihr Beitrag hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ich stimme Ihnen zu, dass konkrete Aktionen besser sind als virtuelle Proteste. Dann muss aber gefragt werden, wer Gesprächsrunden, Demos usw. organisiert. Die etablierten Parteien haben m.E. kein Interesse an Bürgern, die die Demokratie selbst in die Hand nehmen. Mir fallen dann nur die Piraten ein, denen ich bei einem entsprechenden Aufruf folgen würde. Mein Dank an Sie, dass Sie das Thema so kanalisiert haben. Hoffentlich kommt Ihre Botschaft an!
Mit freundlichen Grüßen
T. Wieland
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+1 #1 charlie 2011-12-09 12:49 T wie TAZ oder einfach nur T wie Trittbrettfahrer. Zitieren
 

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