Montag, 21 | 05 | 2012 - jenanews.de_2.1 - Gute Nachrichten für Jena.
Banner

Kommentiert: Extreme Gewaltbereitschaft in Jena?

Jena, die Stadt des Bösen oder: Ein plumper Versuch des ZDF, gängige Vorurteile zu bedienen. Gebührenfinanzierter Krawall-Journalismus auf BILD-Niveau.

In der Sendung „Aspekte“ zeigte das ZDF am 18. November 2011 einen Beitrag, der in der ZDF-Mediathek unter (http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/nachrichten/#/beitrag/video/1496690/Extreme-Gewaltbereitschaft) abrufbar ist. Der Streifen scheint geeignet, seine Autoren wegen Volksverhetzung anzuzeigen. Stellvertretend für den Osten muss diesmal Jena – wohl aus aktuellem Anlass – herhalten und steht im Beitrag des ZDF für rechtsradikale Übergriffe und Fremdenfeindlichkeit auf ganzer Linie. So, wie sich eben jeder Bundesbürger West den Osten vorzustellen hat.

Die Story des sechs minütigen Streifens ist schnell erzählt: Ein Schriftsteller namens Steven Uhly fährt von München nach Jena, um... Ja, warum eigentlich? Vielleicht, um sein jüngst veröffentlichtes Buch mit Hilfe des ZDF zu promoten?
Um sich „den Osten“ genauer anzusehen, steigt Uhly am Paradies-Bahnhof aus dem Zug. Dazu eine Stimme aus dem Off: „Für Leute mit Migrationshintergrund kein Paradies.“ Zum Beweis werden die Bilder der drei Jenaer Neonazis Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos eingeblendet. Damit ist schnell umrissen, wofür Jena nach Ansicht des ZDF steht: Nazis, wohin das Auge blickt, verängstigte Migranten, die in jeder Sekunde um ihr Leben fürchten müssen. Und so ist für Uhly „selbst die Universitätsstadt Jena Teil der ostdeutschen Angstzone.“

Kein Wort von den zahlreichen ausländischen Studenten in Jena, kein Wort von den vielen tausend Bürgerinnen und Bürgern der Stadt, die mit ihrem friedlichen Widerstand dafür sorgten, dass die Versuche der NPD, ihr „Fest der Völker“ in Jena zu etablieren, scheiterten. Kein Wort über Jena, der „Stadt der Wissenschaft 2008“, kein Wort über die erfolgreiche internationale Zusammenarbeit in Jenaer Unternehmen wie Zeiss, Jenoptik und Intershop. In keiner Sekunde des Films wird das tatsächliche Flair der jungen und weltoffenen Stadt eingefangen. Stattdessen irrt ein mäßig bekannter Autor durch Jenas Zentrum, trifft einen NPD-Aussteiger, wechselt einige Worte mit Lothar König und antwortet am Ende des Films – nach einem geschätzt dreistündigen Aufenthalt in Jena - auf die Frage, ob sich sein Bild vom Osten gewandelt habe: „Nö, hat sich nicht gewandelt, war jetzt aber auch nicht so schlimm.“ Dann geht er die Treppe zum Bahnsteig hinauf und die Stimme aus dem Off erklärt, „trotz mutiger Menschen wie Pfarrer König oder dem Aussteiger Uwe Luthardt fährt Uhly eher erleichtert zurück nach München.“


Vielleicht hätten sich Uhly und das ZDF-Team einfach mal mit Jenas Oberbürgermeister verabreden sollen. Der bekam einen Tag vor Ausstrahlung des Aspekte-Beitrags in Berlin den „Preis für die Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus“ verliehen. Vielleicht hätte ein Gespräch mit den Beamten der Polizeiinspektion Jena genügt, um zu erfahren, dass in Jena die Menschen – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – relativ sicher leben. Laut Statistik sicherer als in Berlin, Frankfurt/Main oder München, dorthin also, wohin Uhly laut Film eher erleichtert zurück fährt.
Noch einfacher aber wäre es gewesen, Schriftsteller Uhly wäre mit dem ZDF-Team länger als nur für ein paar Stunden in Jena geblieben. Dann hätten sich vielleicht auch Gespräche mit den Einwohnern der Stadt ergeben und das ZDF wäre davor bewahrt geblieben, einen solch unterirdischen Beitrag zu produzieren.

Ach ja, für die Morde der Neonazis hat Uhly übrigens eine ganz exklusive Erklärung: „Wer andere Leute umbringen will... hasst sich selbst... der will eigentlich sterben“ und faselt dann nebulös von „Vernichtungsenergie“. Ausgestrahlt vom ZDF am 18. November 2011. Produziert mit Gebührengeldern der Zuschauer in Ost und West.

Text: Jens Mende
Fotos: Screenshots, Quelle: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/nachrichten/#/beitrag/video/1496690/Extreme-Gewaltbereitschaft
Share on Myspace
0
Kommentiert: Extreme Gewaltbereitschaft in Jena? - In den VZ Netzwerken zeigen
2
Kommentiert: Extreme Gewaltbereitschaft in Jena? - Ihren XING-Kontakten zeigen
0
Kommentiert: Extreme Gewaltbereitschaft in Jena? - Bei Wer kennt wen teilen
0
Kommentiert: Extreme Gewaltbereitschaft in Jena? - Auf Delicious teilen
0
Kommentiert: Extreme Gewaltbereitschaft in Jena? - auf Jappy teilen
0
PDF
E-Mail


Teilen




 

Kommentare  

 
0 #14 jose 2012-02-21 16:49 bin sehr weltoffen. liebe das leben in deutschland. zwei erfahren im osten halten mich davon ab, wieder in den osten einzureisen. wurde einmal in magedeburg und einmal in dresden aufs übelste von skins angemacht. ich hatte echt schiss um mein leben. kann sich ein nicht angemachter evtl. nicht vorstellen.
das war schon in den 90´ern..seitdem traue ich mich einfach nicht in den osten..das ist einfach so und völlig egal welche stadt im osten..ich habe angst..und da die angst überwiegt, bleibe ich lieber dort, wo ich mich sicherer fühle, auch wenn es im westen genug rechtsgesinnte gibt..diesen bin ich gott sei dank in den 40 jahren, die ich im pott lebe, offen noch nicht begegnet. daher für mich..der ganze osten als ausländer in absolutes no go..schade eigentlich…
Zitieren
 
 
+2 #13 der 2011-11-26 20:30 Es nervt im Jahr 2011 sich wiedermal mit solch dummen Themen auseinander zu setzen.Der neunmalkluge Wessi fühlt sich in seiner Meinung bestätigt, durch diesen schlechten Beitrag vom ZDF.Ich komme auch aus Jena und bin stoz auf meine Stadt.Idiologien im Kopf von einzelner Menschen,kann man nicht einer Region überstülpen oder gilt seit neusten Österreich als Naziland weil ein gewisser Herr Hitler aus diesen Land stammt. Zitieren
 
 
+5 #12 as 2011-11-25 01:17 welches zdf berichtet hier journalistisch diletantisch mit, durch und über marketing treibende autoren, die sich lachend selbst karikieren und durch ihre nur allzu deutliche subjektivität den aufmerksamen zuschauer vom wahren unternehmen des beitrags überzeugen.

welches zdf berichtet in dieser woche (20-25.11.) über adolf hitler: geheimnisse des dritten reichs? inwieweit kann man den zdf-quotenrenner guido knopp noch volksaufklärung bescheinigen?

welcehes öffentlich getragene fernsehen kann mit öffentlichen geldern eine ganze (ostdeutsche) öffentlichkeit derart beleidigen?

ganz sicher ist der osten nicht nur fiskalisch und ökonomisch ein pflegefall - auch sozial und intellektuell - und das sollte erwähnung, beachtung und bearbeitung finden. genauso auch journalistische aufarbeitung.

der vorgelegte beitrag ist absolut inkompetent, unsachlich und populistisch erarbeitet und damit absolut inakzeptabel.

das fehlverhalten muss seitens des senders relativiert werden.
Zitieren
 
 
+8 #11 katharina 2011-11-24 15:46 Reden wir doch Klartext. Die Berichte des ZDF lassen bereits länger zu wünschen übrig. Egal welches Thema sie besprechen, es klingt für den Zuschauer mehr und mehr danach, als würden die "Berichterstatter" aus der BILD vorlesen. Schade eigentlich. Und Jena spricht ja nun wirklich für sich selbst und das in allen Sprachen. Zitieren
 
 
+11 #10 Lars Kühne 2011-11-24 15:03 Um den Gedanken eines Vorredners aufzugreifen: ganz im ernst, wo sind bitte die Juristen Jenas? In Amerika wäre das absolut selbstverständlich jetzt zusammen mit der Stadt eine Klage gegen den ZDF und Herrn Uhly wegen Imageschadens für die Stadt Jena und eigentlich die gesamte Region "Ostdeutschlands" einzureichen. Ich bitte die fähigen Leute sich dieser Sache anzunehmen! Zitieren
 
 
+10 #9 Marcel Klopp 2011-11-24 13:42 Das ZDF sollte sich was schämen, eine ganze Region zu verdammen. Als ob Dummheit regional begrenzt wäre. Und zu dem Unsinn von Herrn Uhly sei angemerkt, weder Mölln noch Solingen, noch Aachen oder Ludwigsburg liege im Osten. Und - und das ist schon ironisch - das schwerste rechtsradikale Attentat bisher, war, meiner Information nach eine Bombenexplosion auf dem Oktoberfest. Vielleicht sollte Herr Uhly ja doch ab und zu mal aus dem Fenster schauen…
Von einer Fernsehanstalt mit Bildungsauftrag hätte ich mehr erwartet.
Zitieren
 
 
+15 #8 Katrin 2011-11-24 00:19 Vielen Dank für den Beitrag, welcher mir wirklich aus dem Herzen gesprochen hat. Ich weiß gar nicht, ob ich über den ZDF Beitrag wütend oder entsetzt sein soll. Auch ich habe als erstes daran gedacht, ob hier nicht eine Anzeige mehr als angebracht wäre! Soviel zu objektiver Berichterstattung! Das ist ja quasi Rufmord für eine Stadt! Zitieren
 
 
+11 #7 Swea Hartung 2011-11-23 19:05 Ihr habt so recht! Zitieren
 
 
+11 #6 Adriana 2011-11-23 19:03 In Jena gibt es Nazis. Drei davon sind momentan über all in den Medien. In Jena gibt es Nazis. In Ostdeutschland gibt es Nazis. In Westdeutschland gibt es Nazis. Leider findet man diese Idioten auf der ganzen Welt. Rechtsextremismus ist ein reales Problem. Trotzdem ist es absurd so zu tun, als wäre Jena eine Nazi-Hochburg, in die man sich nur unter Gefahr für Leib und Leben trauen kann. Genau diesen Eindruck erweckt aber eine Reportage des ZDF.

Die Kameras folgen dem Münchner Buchautor Steven Uhly, der sich in den wilden Osten wagt und nach seinem Besuch in Jena demonstrativ erleichert wieder in das "sichere" München zurück fährt. Der ganze Beitrag erweckt den Eindruck, als Ausländer, Linker, oder sonstwie Auffälliger sollte man sich besser aus Jena fernhalten, wenn man nicht Gefahr laufen will, von Nazis verprügelt zu werden.
Zitieren
 
 
+13 #5 Ina Leiterer 2011-11-23 18:52 Ich bin maßlos enttäuscht über die sensationshaschende Berichterstattung des ZDF. Allerdings lässt sich ihr Beitrag hervorragend im Unterricht einsetzen, um den Einfluss und die Konsequenzen von nicht objektiver Berichterstattung der Medien zu diskutieren.
In Jena gibt es Nazis. Drei davon sind momentan überall in den Medien. Aber Jena ist definitiv keine Stadt, in der Ausländer nicht freundlich aufgenommen. Jena ist im Gegensatz zu vielen anderen Städten extrem gegen Rechtsextremismus engagiert. Ich selbst saß einige Male mit mehreren tausend Bürgern Jenas auf der Straße (mit Rentnern, Studenten, Familien mit Kindern, …) und habe gegen rechtes Gedankengut demonstriert. So eine subjektive Berichterstattung ist ein Faustschlag gegen alle die sich politisch gegen Rechs in den letzten Jahren engagiert haben. Ich bin sogar der festen Überzeugung, dass München in dieser Richtung deutlich weniger geleistet hat.
Zitieren
 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Start Nachrichten Politik Nachrichten Kommentiert: Extreme Gewaltbereitschaft in Jena?