Kommentiert: Skandalöse Entscheidung des Jenaer Stadtrates
Die Stadt Jena kauft dem FC Carl Zeiss Jena für 350.000 Euro die Rasenheizung ab, streicht aber das kostenlose Mittagessen für sozial schwache Kinder während der Schulferien. Die sich gern kinder- und familienfreundlich gebende Stadt Jena hat am Mittwochnachmittag auf sehr makabere Art für Schlagzeilen gesorgt: Nach dem sich der FC Carl Zeiss Jena durch amateurhafte Fehlkalkulation an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht hat, beschloss der Stadtrat am Mittwoch, 350.000 Euro an den Profifußballverein zu überweisen, um dem Drittligisten die Rasenheizung abzukaufen. Doch während für die FC Carl Zeiss Jena Fußball Spielbetriebs GmbH Geld aus dem Stadtsäckel vorhanden ist, reichen die finanziellen Mittel der Stadt nicht aus, um auch im Jahr 2010 sozial schwachen Kindern ein kostenloses Mittagessen während der Schulferien anzubieten. Denn diese städtische Leistung wurde am Mittwoch auf der selben Stadtratssitzung gestrichen!
Nicht wenige Jenaer fragten sich bereits vor der Entscheidung des Stadtrates, mit welchem Recht Steuergelder der Jenaer Bürger für einen Profi-Fußballverein ver(sch)wendet werden. Weil der FC Carl Zeiss Jena das Ansehen und das Image der Stadt Jena steigert? In den vergangenen 18 Monaten entwickelte sich der FC Carl Zeiss Jena zum FC Hollywood des deutschen Fußballs und erreichte den Gipfel der Lächerlichkeit unter anderem durch herausragende Leistungen gegen Erfurt (0:3) sowie gegen Dynamo Dresden (0:4). Hinzu kommt die offensichtliche Unfähigkeit, vernünftig mit Geld umzugehen. Nun droht gar die Insolvenz, klafft doch eine Deckungslücke von knapp einer Million Euro im Etat des Thüringer Traditionsvereins. Doch dank des großzügigen Handelns des Jenaer Stadtrates dürften sich die Sorgenfalten bei den Verantwortlichen des FCC ein wenig glätten.
Andere Jenaer Sportvereine sowie soziale Einrichtungen werden indes vergeblich auf eine ähnlich hohe Zuwendung durch die Stadt hoffen. Doch weshalb eigentlich? Ganz offensichtlich ist genügend Geld für alle da. Wie sonst ist das Signal aus dem Stadtrat zu verstehen? Dürfen nun also auch die Frauenfußballerinnen des FF USV Jena – immerhin auf Platz 6 der 1. Bundesliga – erwarten, dass die Stadt Jena deren Deckungslücke im Etat – schlappe 50.000 Euro – schließt? Wird der Stadtrat gar den Bau neuer Studentenwohnheime beschließen? Und wie verhält es sich mit Unternehmen, die, aus welchen Gründen auch immer, ähnlich wie die FC Carl Zeiss Jena Fußball Spielbetriebs GmbH, in wirtschaftliche Schieflage geraten sind? Darf auch hier auf Hilfe aus dem Stadtsäckel gehofft werden?
Es passt nicht zusammen, wenn die gleichen Politiker, die vor Wochen noch ein Konzept zur Entschuldung der Stadt Jena vorgelegt haben, nun Geld an einen Profi-Fußballverein überweisen, der sich selbst an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht hat, und andererseits die Hilfe für wirklich Bedürftige einschränkt, weil man eben sparen müsse. Diese Entscheidung des Jenaer Stadtrates ist schlicht ein Skandal und zeugt obendrein nicht von politischem Feingefühl.
Text: Jens Mende
Foto: pixelio.de

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Kommentare
zitiere Radiowaves:
Der erste Schritt dazu wurde einzwischen getan: die mit den großen Unternehmen der Stadt (Zeiss und Schott sind zumindest dabei)ausgehandelten "Rabatte" gelten nicht mehr. Statt 4.25 für 90 Minuten am Abend zahlt man jetzt 5 Euro. Zum Vergleich: in der großartigen Olympiaschwimmhalle in München sind es 2.50 Euro.
Nein, natürlich könnte ich auch 5 Euro zahlen - aber ich werde nicht. Jena ist ein "Markt" und kein Lebensort (wird ja immer erklärt), also verhalte ich mich marktgerecht: ich gehe da nicht mehr rein, weil es Wucher ist. Sollnste doch an ihrer Gier ersticken, die Bonzen dieser Stadt. Zitieren
die Namen sind, die Jena bekannt machen. Jedenfalls steht bei WIKIPEDIA nicht der FC an erster Stelle, Gott sei Dank!
Und, mach doch mal ne Umfrage, was die deutsche Bevölkerung mit Jena in Verbindung bringt (ist wohl eher dein Wunschdenken!)
[Damit sieht man mal wieder wie sehr sich die Bevölkerung mit dem Thema FCC auseinandersetzt. Vom aktuell auf …] Zitieren
Damit sieht man mal wieder wie sehr sich die Bevölkerung mit dem Thema FCC auseinandersetzt. Vom aktuell auf Transfermarkt gelisteten Kader der 1. Mannschaft wurden von 29 Spielern 19 in Jena ausgebildet. Das diese Spieler aber natürlich nicht alle aus Jena sondern aus der Umgebung stammen dürfte unter der pro misse "Leistungssport" zu verzeihen sein. Und Leistungssport ist nun mal auch das Zugpferd für den Breitensport, und der Grund warum sich Jahr für Jahr viele Kinder für Sport interessieren und sich in Vereinen anmelden. Des weiteren ist der FCC nun mal der größte und wichtigste Werbeträger und leistungssportlich gesehen auch das Aushängeschild der Stadt. Fahrt mal irgendwo hin in Deutschland und fragt mal ob und warum sie Jena kennen. Zitieren
Redaktion jenanews.de Zitieren
Dann bleibt nicht viel außer einem Provinzkaff, in dem die Insassen unter der Knute von Wohnungsbesitzern stehen, für Selbstverständlichkeiten Männchen machen müssen und vieles vorenthalten bekommen - sogar Grundrechte.
Frag mal paar alte Jenenser, die hier schon 60 Jahre oder länger leben, was sie von der Entwicklung in der Stadt und vom sozialen Klima halten. Aber sei vorsichtig…
Handwerker einer Wohnungsgenossenschaft kommen anderswo nicht mit Straßenschuhen und Zigarette in die Wohnung, wenn was zu reparieren ist.
Anderswo sind Wohnungen in gutem Zustand und haben keine Aufputzverkabelung, wenn man sie neu bezieht.
Anderswo hat man die Möglichkeit, im Wohngebiet anständig Lebensmittel einzukaufen. Auch, wenn man bis 20 Uhr im Büro sein muß.
Anderswo gibt es auch nach 20 Uhr noch Nahverkehr, der einen von der Arbeit nach Hause bringt.
Anderswo wird man nicht fortlaufend wie Dreck behandelt.
Aber wem sag ich das… ihr wollt es so und ich hau wieder ab. Wie die ex-Kollegen, die aus gleichem Grund… Zitieren
klingt ein wenig so als schriebe hier ein frustrierter besser-wessi, der als "entwicklungshelfer" in den osten kam in der hoffnung hier ne große nummer zu werden.
sorry, aber deine schwarzmalerei ist ätzend. in jena ist nicht alles schön, aber wie man auch am zuzug erkennen kann, lebenswert genug … schau dir regionen wie halle oder den ruhrpott an und bau dir dort ein eigenes leben auf, wenn du meinst, dass dort alles "gold ist was glänzt".
jetzt hilft die stadt einmal dem verein aus und bekommt die kohle sogar im laufe der jahre als miete zurück und schon wird ALLES aber auch ALLES in dieser stadt in frage gestellt.
ich denke über unser sozialgefüge brauchen wir in jena nicht diskutieren, wir haben eine der niedrigsten arbeitslosenquoten in ostdeutschland und du stellst uns am ende dar, als wären wir ein krisengeplagter zipfel irgendwo im hinterland der republik. Zitieren
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