Fremde im Visier. Fotoalben aus dem Zweiten Weltkrieg
Vor einigen Monaten rief das Stadtmuseum Jena landesweit auf, Fotos und Fotoalben aus dem Zweiten Weltkrieg einzureichen. Das Interesse der Thüringer war unerwartet groß. Momentan werden die Fotos gesammelt und ausgewertet.
Sie werden die Ausstellung, "Fremde im Visier. Fotoalben aus dem Zweiten Weltkrieg" ergänzen, die ab dem 23. September 2010 im Jenaer Stadtmuseum gezeigt wird, nachdem sie vorher in Oldenburg, München und Frankfurt Station machte.Am Donnerstag, den 11. Februar 2010 um 19.00 Uhr im Stadtmuseum Jena, Markt 7, stellt die Kuratorin Dr. Petra Bopp die Ausstellung und den Begleitband vor.
Dr. Petra Bopp beschäftigte sich im Rahmen eines Forschungsprojektes über mehrere Jahre mit jenen bildlichen Erinnerungen, die Wehrmachtsoldaten in den besetzten Ländern selbst aufgenommen und in Alben dokumentiert haben.

Das Projekt wurde an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg begonnen und von 2006 bis 2008 am Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts der Friedrich-Schiller-Universität Jena von Dr. Petra Bopp unter der Leitung von Prof. Dr. Norbert Frei weitergeführt und abgeschlossen. "Diese Fotos zeigen, wie der Krieg von den Soldaten gesehen wurde - nicht wie er war. Viele Knipser ließen sich von der offiziellen Propagandaperspektive beeinflussen", erklärt die Ausstellungsmacherin. Neben touristisch anmutenden Fotografien finden sich in den Alben der Wehrmachtsoldaten vor allem Aufnahmen, die den Blick auf die Zivilbevölkerung, die Kriegsgefangenen die zerstörten Städte und Dörfer offen legen.
Da die bisher untersuchten Alben eher aus dem nord- und süddeutschen Raum stammen, will das Stadtmuseum Jena Thüringer Fotoalben in die Ausstellung integrieren. Neben den Fotos erhielten wir auch viele persönliche Dokumente aus dieser Zeit - Feldpostbriefe und Tagebücher, die wir in den regionalen Teil der Ausstellung mit einbinden wollen. Die individuellen Gegenstände lassen den Betrachter hinter die Fotos schauen und erzählen so auch die Geschichte des fotografierenden Wehrmachtssoldaten und seiner Weltsicht.
Text: M. Mieth
Foto: Jens Mende

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