Donnerstag, 22 | 08 | 2019 - jenanews.de_2.1 - Gute Nachrichten für Jena.
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Theaterspektakel: „Abbruch kam nicht in Frage!“

Die Bedingungen hätten schlechter nicht sein können: Bei permanentem Regen erlebten am Donnerstagabend 1.100 Zuschauer in der Jenaer KulturArena die Premiere des Theaterspektakels „Gotham City III – das Musical“. Nach der Aufführung traf sich jenanews.de mit Regisseur Markus Heinzelmann, Komponist Oliver Jahn und Schauspieler Gunnar Titzmann.

jenanews.de: Markus, herzlichen Glückwunsch zu einer – die Reaktion des Publikums war eindeutig – gelungenen Premiere. Hast Du angesichts des starken Regens daran gedacht, die Aufführung abzubrechen?
Markus Heinzelmann: Als der Regen 15 Minuten vor Beginn der Aufführung einsetzte, war mein erster Gedanke: Was ist das denn jetzt? Ich war total frustriert, weil die sehr intensive Arbeit der letzten Wochen in Frage stand. Wir haben dann doch mit der Aufführung begonnen und ich habe schnell mitbekommen, dass die Stimmung unter den Schauspielern und Statisten sehr gut war. Vielleicht war es auch ein bisschen Trotz, sich nicht vom Regen alles zerstören zu lassen.
Wir haben dann hinter der Bühne Handtücher und Regenjacken bereit gelegt und die Darsteller auch mehrfach gefragt, ob wir abbrechen sollen. Der einhellige Tenor war: Bitte nicht! Ein Problem war die Technik, aber auch das haben die Kollegen großartig hinbekommen.

jenanews.de: Ich hätte bei diesem Wetter nicht im dünnen Hemd auf der Bühne stehen mögen...
Markus Heinzelmann: Das hätte ich meinen Darstellern auch nicht zugemutet, über zwei Stunden im strömendem Regen zu spielen, aber die Schauspieler wollten um keinen Preis abbrechen. Das kam nicht in Frage, denn da saßen um die tausend Leute im Publikum, die haben Szenenapplaus gespendet und sind doch auch nicht einfach nach Hause gegangen! Die saßen zweieinhalb Stunden in diesem Wetter! Das war genial und hat die Schauspieler sehr motiviert. Deshalb danke ich nicht nur meinen Darstellern für diese Leistung. Das Publikum war außergewöhnlich und hat es verdient, dass wir das Theaterspektakel zu Ende gespielt haben.

jenanews.de: Lass uns über das Stück sprechen: Im Vergleich zur Presseprobe hatte sich ja noch einiges getan.
Markus Heinzelmann: Da hatten wir aber auch noch zwei Tage zum Proben und am Tag der Aufführung hatten die meisten von uns keine drei Stunden Schlaf! Da passiert bei den Proben noch sehr viel, da geht es um Details, was bei der Presseprobe noch nicht sichtbar ist. Das Orchester, die Band, Schauspieler, Tänzer, Videosequenzen und das Licht – das muss alles zusammengefügt werden und das geschieht eben immer im Endspurt. Da sind wir noch sehr am Basteln (lacht). Das Ensemble hat das für meine Begriffe perfekt umgesetzt und ich hoffe, den Zuschauern hat das Stück gefallen.

jenanews.de: Wenn ich Deine Aufführungen der letzten Jahre Revue passieren lasse, finde ich immer wieder Assoziationen zu den Filmen Quentin Tarantinos.
Markus Heinzelmann: Ja, den mag ich. Absolut!

jenanews.de: Nach sieben Jahren verlässt Du das Theaterhaus Jena – was hast Du für die nähere Zukunft geplant?
Markus Heinzelmann: Erstmal Urlaub! Danach sind für die folgende Spielzeit Inszenierungen an verschiedenen Theatern geplant.

jenanews.de: Gibt es konkrete Pläne?
Markus Heinzelmann: Konkret will ich zunächst meine Akkus aufladen (lächelt), denn die letzten Tage haben ordentlich geschlaucht. Da gelingt einiges in den Proben nicht, dann bin ich zunächst frustriert und es schleichen sich Zweifel ein. Dann erinnere ich mich an Projekte der vergangenen Jahre, da lief es ähnlich und am Ende haben wir es immer hinbekommen. Das gibt dann wieder Kraft und macht Mut und Lust auf neue Projekte.

jenanews.de: Vielen Dank für die großartigen Aufführungen unter Deiner Regie und alles Gute!

Gunnar Titzmann: Wir saßen mit den Zuschauern in einem Boot

jenanews.de: Herzlichen Glückwunsch zur gelungenen Premiere – dieses Wetter hat Ihnen und Ihren Kollegen sicher alles abverlangt.
Gunnar Titzmann: Ja, aber nicht nur uns, den Zuschauern ja auch. Da saßen wir irgendwie alle in einem Boot (lacht). Regen ist immer ein Problem, wenn Du Open Air spielst. So ähnlich hatten wir das ja auch schon bei der Aufführung des „Wilhelm Tell“, als witterungsbedingt die Technik versagte und wir abbrechen mussten. Von daher freue ich mich, das wir heute zu Ende spielen konnten und das gemeinsam mit dem Publikum über die Bühne gebracht haben.

jenanews.de: Hat man da als Schauspieler nicht irgendwann den Gedanken, nichts wie raus aus dem Regen? Abbruch?
Gunnar Titzmann: Nein, eigentlich nicht.

jenanews.de: The Shwo must go on?
Gunnar Titzmann: Ja, so ungefähr (lacht).

jenanews.de: Sie waren bis vor zwei Jahren Mitglied des Ensemble des Theaterhauses Jena. Wohin hat Sie Ihr Weg geführt?
Gunnar Titzmann: Ich spiele in Hamburg Theater und freue mich sehr, heute als Gast mit einigen meiner früheren Jenaer Kollegen in „Gotham City III“ zu spielen.

jenanews.de: Ich fand Sie in der „Orestie“ (2007) und in der Aufführung „Der Sturm“ (2008) genial und bedauerte es, Sie heute „nur“ in einer Nebenrolle zu sehen.
Gunnar Titzmann: Ich habe mich sehr auf meine ehemaligen Kollegen gefreut, doch da ich nur eine Woche Zeit zum Proben hatte – mein Engagement in Hamburg ließ es leider nicht anders zu – war klar, dass es nur eine kleine Rolle sein wird. Aber es hat trotz des Regens großen Spaß gemacht und vielleicht klappt es ja demnächst mal wieder mit einer Hauptrolle in Jena.

jenanews.de: Jena freut sich auf Sie - vielen Dank für das Gespräch!

Oliver Jahn: Ein riesengroßer Moment

jenanews.de: Oli, wie war das für Dich, mit den Musikern im Trockenen zu sitzen und über Zuschauer und Schauspieler geht während der gesamten Aufführung der Regen nieder?
Oliver Jahn: Wir haben echt mitgefühlt, ganz ehrlich! Bei diesem Wetter jagst Du keinen Hund vor die Tür! Ich fand es bewundernswert, wie das Publikum dem Wetter trotzte, mitfieberte und die Schauspieler anfeuerte! Einfach grandios! Und natürlich auch Hochachtung vor den Darstellern, die das professionell durchgezogen haben. Das war ein riesengroßer Moment heute Abend.

jenanews.de: Erzähl uns etwas über Deine Arbeit mit Filip Hiemann bei der Erarbeitung der Musik für „Gotham City III“.
Oliver Jahn: Wir haben Ende Oktober mit den Arbeiten für die ersten Songs begonnen. Daran schloss sich die Zeit der Proben mit den „Los Banditos“ an, später der Feinschliff an den Arrangements gemeinsam mit den Kollegen von der Jenaer Philharmonie – letztlich fügte sich die Musik wie ein Mosaik zusammen.

jenanews.de: Welche Bewusstseins-erweiternden Substanzen braucht es, um diese grandiosen Texte zu schreiben?
Oliver Jahn: (lacht) Ja, weiß ich auch nicht. Da musst Du wohl Rebekka Kricheldorf fragen. Aber es ist auch für mich ein absolutes Phänomen, was diese Frau aus ihrem Kopf heraus holt. Das ist in der Tat beeindruckend.

jenanews.de: Regisseur Markus Heinzelmann verlässt nach sieben Jahren das Theaterhaus Jena. Was wird Dir in Erinnerung bleiben?
Oliver Jahn: Für mich als Musiker war die Zusammenarbeit mit ihm genial, denn Markus hat viel auf die Musik gesetzt und gab uns viele Freiheiten bei der Erarbeitung der Kompositionen. Wir konnten viel ausprobieren und wurden nie in unserer Kreativität eingeschränkt. Ich konnte viel von Markus lernen und der Spaß kam auch nie zu kurz.

jenanews.de: Vielen Dank und Toi Toi Toi für die kommenden Aufführungen!

Fotogalerie "Theaterspektakel Gotham City III - das MUsical".
Rezension zur Premiere des Theaterspektakels "Gotham City III - das Musical".

Die Gespräche führte Jens Mende.
Fotos: Jens Mende, J. Dette
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