KulturArena am Samstag: Anne Clark
Zeitreise am Samstagabend in der Jenaer KulturArena: Anne Clark, wortgewaltige Mitbegründerin des Dark Wave, nimmt rund 3.000 Besucher mit auf eine Reise zurück in die 80er.
Mein Gott, diese Stimme! Diese unglaublich ausdrucksstarke Stimme, die mal anklagend, mal voller Gefühl Textzeilen wie diesen Leben verleiht: But there's no room for ideals in this mechanical place/And you're gone now (Our Darkness). Und dann diese Musik. Immer eine Spur dunkler als das, was man sonst so aus dem Radio kennt. Dabei fast immer tanzbar, möchte man versinken in diesem Ozean aus Klängen, aus dem es keine Rettung gibt, wenn man sich von den Wellen nur weit genug mit hinausnehmen lässt.
Anne Clark betritt die Bühne der KulturArena mit einem – so scheint es - prüfenden Blick ins Publikum, begrüßt die knapp 3.000 Zuschauer mit einem kräftigen „Guten Abend“ und verliert anschließend in der direkten Ansprache nur wenige Worte an die Besucher. Wozu auch? Mit ihren Songs sagt sie all das auf poetisch-musikalische Weise, was jedem von uns auf die eine oder andere Art begegnet ist und (mindestens) eine schlaflose Nacht bereitet hat: Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit (Homecoming), das Ende einer hoffnungsvoll begonnenen Liebe (Our Darkness), das selbstgefällige Gebaren mancher Zeitgenossen, die nichts als nur ihren eigenen Standpunkt verstehen (The Power Game). Und wenn es keine Worte gibt, die beschreiben können, was im Kopf und im Herz der Anne Clark vor sich geht, entsteht daraus eben ein „Poem Without Words“.
Es scheint, als seien alle Worte nur dafür gemacht, um ihre jeweilige Position in den Stücken der Anne Clark einzunehmen und im Verbund mit der Musik entstehen Songs, die sich seit über 25 Jahren abheben vom allgemeinen Musikbrei: Gesprochene Texte, die zum zuhören und reflektieren anregen (zwingen?), unterlegt von elektronischen Klängen mit (manchmal) stampfendem Beat. Aber im Vordergrund steht immer der Text, steht die Aussage fernab von den unerfüllbaren Versprechungen des blauen Himmels und des nicht endenden Glücks auf Ewigkeit. Und das ist es, wofür Anne Clark von ihren Fans geliebt wird. It’s all we have to be thankful for.
Anne Clark: Songtexte
Text: Jens Mende
Fotos: Markus Kämmerer, happyarts.de
Besetzung:
Anne Clark - Gesang
Rainer von Vielen - electronics, Akkordeon, Gesang
Xabec - electronics, Gesang
Jeff Aug - Gitarre
Murat Parlak - piano, Gesang
Jann Michael Engel - cello
Niko Lai - percussion, Schlagzeug


















