Tocotronic in Jena
Man nehme eine Brise Dead Can Dance, würze es mit einem Hauch Sisters Of Mercy, veredle das Gericht mit deutschen Texten und verabreiche es an einem kühlen, regenversprechenden Freitagabend 2.000 dankbaren und begeisterten Zuschauern der Jenaer KulturArena.
Melancholisch und schwermütig kommen die vier Jungs der deutschen Band Tocotronic daher. Sie zelebrieren pure Traurigkeit und bringen sie auf die Bühne, kultiviert, domästiziert?
Da bieten sich Vergleiche zu Element Of Crime an, aber Tocotronic trägt die Seelenpein um Welten härter ins Publikum. Drei Gitarren erzeugen den nötigen Druck, den ein treibendes Schlagzeug kraftvoll untermalt, überzogen von einer leidend-sehnsuchtsvoll geprägten Gesangsstimme - Tocotronic at its best.
Hört man auf die Texte und lässt sie mit der Musik auf sich wirken, erreicht man wenig später einen seltsamen Gefühlszustand: Man möchte mitsingen und mittanzen und in der zuhörenden Menge versinken, aber da ist auch wieder diese Portion Beton im Magen. Und wieder stellt sich die Frage nach dem Sinn des großen Ganzen, wenn schon die kleinen Dinge kein Happy End versprechen. Danke für einen weiteren traurig-schönen Abend in der KulturArena.
Text: Jens Mende
Foto: Nancy Droese












