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Kommentiert: Kompetenz-Probleme beim FC Carl Zeiss Jena

Beim FC Carl Zeiss Jena hat Geschäftsführer Lars Schauer das Handtuch geworfen. MDR-INFO-Reporter Peer Vorderwülbecke sieht ein grundsätzliches Problem beim FCC und spricht von einem GmbH - Geschäftsführer mit beschränkter Handlungsfreiheit.
Jubel bei der Mitgliederversammlung, auf dem Podium klopften sich Präsident und Aufsichtsräte gegenseitig auf die Schulter: Die Gründung der FC Carl Zeiss-Spielbetriebs GmbH wurde mit überwältigender Mehrheit beschlossen. Das war Ende September.

Der designierte Geschäftsführer war schon einige Wochen vorher unter Vertrag genommen worden: Lars Schauer. Eben dieser Lars Schauer hat jetzt nach drei Monaten das Handtuch geworfen - und offenbart damit ein grundlegendes Problem in Jena. Der FC Carl Zeiss hat sich von der Oberliga in Rekordzeit in die zweite Bundesliga katapultiert. Die Strukturen haben mit dem schnellen Aufstieg aber nicht Schritt halten können - verständlich. Der Etat hat sich innerhalb von drei Jahren multipliziert, von gut einer Million auf neun Millionen Euro.

Mit einem ehrenamtlichen Engagement ist das nicht mehr zu bewältigen. Deshalb also die GmbH, und deshalb auch ein Geschäftsführer. Von der Papierform her hätte Lars Schauer der neue starke Mann in Jena werden müssen. Er hätte die wirtschaftlichen und organisatorischen Geschicke der Profi-Abteilung lenken sollen. Allerdings hat er das nie getan, nicht mal ansatzweise. Der aufmerksame Beobachter hat das schon nach wenigen Wochen erkannt.

Glaubt man den Agenturen, dann hat Schauer genau deswegen gekündigt - weil ihm keine Kompetenzen übertragen worden sind. Die offizielle Nachricht des Vereins mutet dagegen fast schon lächerlich an: Rein aus persönlichen Gründen habe der Geschäftsführer in Jena nicht weiterarbeiten wollen. Dabei pfeifen es schon die Spatzen von den Dächern, dass Schauer frustriert war und sich darüber hinaus mit einem neuen Profiklub schon einig ist.

Beim FC Carl Zeiss will man im Konzert der Großen mitspielen, am besten sogar bei den ganz Großen. Als der dubiose russische Investor auftauchte, wurde von der ersten Liga fabuliert. Jetzt ist die dritte Liga deutlich wahrscheinlicher. Aber warum dieser sportliche Abstieg? Der sportliche Leiter Lutz Lindemann taugt hervorragend als Sündenbock. Der sieht sich aber nicht verantwortlich für die konzeptlose Personalpolitik. Neue Spieler würden über die Russland-Connection kommen, wurde dem eigentlich verantwortlichen Sportdirektor mitgeteilt. Bis auf die drei mäßig brauchbaren Georgier kam aber nichts. Daraufhin war Lindemann fast gezwungen, auf den letzten Drücker Panikkäufe zu realisieren.

Strukturell betrachtet ist es also dasselbe Problem wie mit Geschäftsführer Lars Schauer: Es wird in Jena nach wie vor hantiert wie in der Oberliga. Klare Kompetenzen werden nicht vergeben bzw. nicht respektiert. Die Aufforderung geht an den Präsidenten Rainer Zipfel. Der hat zweifellos Großartiges geleistet und mit einer aufopfernden Arbeit den Club nach oben gebracht. Jetzt muss er Kompetenzen abgeben und dafür sorgen, dass schleunigst professionelle Strukturen geschaffen werden. Die braucht man, um Konkurrenzfähig zu sein. In der zweiten Liga, genauso wie in der dritten.

Text: Peer Vorderwülbecke, mit freundlicher Genehmigung des Mitteldeutschen Rundfunks.
Quelle: mdr.de

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