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Eine Kolumne für... Steven Uhly und das ZDF

Nie im Leben hätte ich geglaubt, dass Fernsehen tatsächlich Bildung und Wissen vermitteln kann. Doch nun ist es geschehen. Am 18. November sah ich im ZDF die Sendung „aspekte“. Seit dem habe ich Angst.

Ich lebe seit elf Jahren hier und fühlte mich bislang zwischen Kernbergen und Saale, zwischen Hanfried und Titty Twister, zwischen Bratwurst und Mutzbraten recht wohl. Doch seit das ZDF-Team mitsamt des mir bis dahin gänzlich unbekannten Mega-Super-Duper-Erfolgsautoren Steven Uhly für einen „aspekte“-Beitrag in Jena weilte, steckt in mir diese latente Angst.

Nun ist es also offiziell: Nichts als Nazis hier! Ich fasse es nicht. Überall, hinter jedem Baum, am Hanfried, am Steinkreuz, überall lauern braune Gestalten auf Migranten, lauern auf den rechten Moment, warten darauf, die Weltherrschaft in Jena an sich zu reißen. Und während sie warten, leben sie total angepasst als Studenten, Hausfrauen, Wissenschaftler, Konzernchefs und Dönerladenbesitzer. Und damit sie auch wirklich nicht auffallen, demonstrierten sie jahrelang gegen das Nazifest der Völker, bis die Nazis die Schnauze voll hatten und um Jena lieber einen großen Bogen machten. Keine Ahnung, weshalb ich das bisher übersehen habe.

Nun aber ist die Tarnung aufgeflogen. Gnadenlos hat Uhly, den ich spontan zum neuen 007-Darsteller machen würde, innerhalb weniger Minuten den Schwindel erkannt und Jena auf sympathische Art zur Brutstätte des Bösen erklärt. Er brauchte nur einmal in die Runde zu schauen, anschließend den Zeigefinger zu heben und dann war es aus mit der Tarnung. Ha ha, Du ach so weltoffenes Jena, mit Deinen Quoten-Ausländern an der Uni, Deinen mehrsprachigen Hinweisschildern in der Touristen-Information, Deinen getürkten China-Restaurants und Asia-Bistros, Deiner unerträglichen Toleranz gegenüber Wohnungsnot und Spaßbadschließung – die ganze Stadt ist aufgeflogen und Steven Uhly ist ein Held!

Nein, Uhly war nie zuvor im Osten, denn er wusste ganz genau, was hier läuft. Aber Uhly tat, was ein anständiger Bürger in Zeiten wie diesen tun muss. Und ja, er hatte Angst. Ja, die Knie zitterten ihm, als er den behaglichen ICE aus München kommend verließ und tapfer seine zarten Füße auf Jenaer Boden setzte. Er trotzte der Gefahr und warf sich tapfer in die naziverseuchte Menge, aß unerschrocken zur Mittagszeit einen Döner im Zentrum der Angstzone und gönnte sich nur dann ein Antidepressiva, als die Kamera aus war.
Während nun der Rest Deutschlands aufatmet und dem Enthüllungsautor Steven Uhly ein Denkmal setzen wird dort, wo bezeichnenderweise bislang ein Deutschnationaler namens Hanfried provozierend gen Bismarckbrunnen blickt, gebührt dem ZDF zweifelsohne für diese aufklärerische Glanztat der Friedensnobelpreis. Mindestens.

Ich aber gehe hart mit mir ins Gericht. Kann es sein, dass ich total versagt habe? Warum habe ich in all den Jahren nicht gesehen, was so offensichtlich ist, dass es ein Zugereister, noch dazu jemand aus München, in Köln geboren und mit bengalischen Wurzeln, innerhalb weniger Stunden sofort erkennt? Ich beginne zu ahnen: Uhly musste es schon immer gewusst haben, Uhly, der Seher, der Bücher schreibt, der sogar jemanden beim ZDF zu kennen scheint, der ihm netterweise behilflich war, seinen neuen und unglaublich nah an der Wirklichkeit angesiedelten Roman ins Fernsehen zu bringen.

Mir wird mulmig. Habe ich die Zeichen etwa deshalb nicht gesehen, weil in mir, ganz tief in mir, selbst ein Nazi steckt? So ein klitzekleines bisschen? Einer, der - die Baseball-Keule im Anschlag - nur darauf wartet, dass ein Halbbengale mitsamt einem ZDF-Kamerateam am Paradiesbahnhof aus dem ICE purzelt? Und dann mit Anlauf in die Fresse?
Ich schaue in den Spiegel. Versuche, mir in die Augen zu sehen. Es misslingt. Aha, denke ich, Du altes Nazischwein, jetzt bist Du aber schön am Arsch. Und dank Uhly nun auch die anderen 100.000 braunen Pappnasen, die hier in Jena wohnen. Alle mal so richtig schön aufgeflogen!

Um den ZDF nie wieder vor die Kamera laufen zu müssen, fasse ich einen Entschluss. Ich also - ich Scheusal! - ziehe die Konsequenzen aus meinem schlimmen Nazitreiben und bitte den Bundespräsidenten um Ausbürgerung, um in Bengalen ein neues Leben zu beginnen.

Text: Hartfried Ackermann
Foto: Nicht vom ZDF
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Kommentare  

 
+1 #66 30 Jahre Jenenser 2011-12-23 00:42 @Ex-Jenaer

Ja natürlich, es sind ja auch Linksradikale! Das weiß ich, weil ich eine Zeit lang selbst dort verkehrt habe! Je weiter links man steht, umso mehr Rechte sieht man. Und dann wird auch jeder gleich als mutmaßlicher Neonazisympathisant abgetan, der nicht links ist! Und natürlich besitzen Sie eine Liste mit rechten Gewalttaten und Tätern, es sind ja Ihre politischen Feinde und da kommt auch jeder drauf, der Kritik übt!

Und was soll diese heuchlerische Doppelmoral? Ist Gewalt an Migranten schlimmer als Gewalt an Nicht-Migranten?
Wer kümmert sich um Gewalt an Migranten? Polizei und Justiz,!… sowie bei Jedem anderen auch, der Opfer von Gewalt wird! Oder haben Migranten einen besonderen Status bei Ihnen? Ist Gewalt weniger schlimm, wenn man keinen Migrationshintergrund (In diesem Fall Migrationsbonus) hat? Oder wollen Sie je nach Herkunft, Hautfarbe oder Ethnie ein anderes Strafmaß? Das ist die schlimmste Form von Rassismus! Die Form, die vorgibt antirassistisch zu sein!
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-4 #65 Ex-Jenaer 2011-12-04 00:29 HAHAHA genau wir fragen bei den Ultra Linken und Semi-Kommunisten nach, wie sie das mir dem Rechtsradikalismus in Jena sehen…

Dort sind meiner Meinung nach die meisten Übergriffe mit rechtsradikaler Tendenz verzeichnet. Weil sie gezielt gesammelt wurden. Es gibt sicher auch andere Quellen. Nur: Wer kümmert sich denn um Gewalttaten an Minderheiten in Jena?? Bitte um Antwort
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+11 #64 Biene Summ 2011-12-01 15:13 Danke Hartfried! Beide Daumen hoch Zitieren
 
 
+1 #63 sdjhcaskjh 2011-12-01 14:56 Sehr geehrter Nutzer \"sdjhcaskjh\",
wir haben Ihren Kommmentar stummgeschaltet, da wir anonyme Wortmeldungen unter Angabe einer falschen E-Mail-Adresse generell nicht publizieren.

Mit freundlichen Grüßen
Redaktion jenanews.de
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+12 #62 mama jena 2011-12-01 12:01 du sprichst mir aus dem herzen, danke… Zitieren
 
 
+5 #61 Chris 2011-12-01 11:59 Einseitige Berichterstattung hin oder her. Da muss man drüberstehen, ihr seid einfach zu emotional. Dass die Medien nur Mist erzählen, weiß man doch. Morgen wird dann eben die nächste Sau durchs Dorf getrieben.
Wieso wird aber hier so hervorgehoben, dass er aus Bengalen stammt, impliziert, dass er ja dahin gehen könne, es dort besser ist (ich folgere das mal so)?
Wieso wird in Kommentaren über Randgruppen geschrieben?
Diese Denkweise zeugt schon von einer gewissen Einstellung. Dorfmentalität ist da noch ein netter Ausdruck, sorry.
BTW, man kriegt Missstände nicht mit, wenn man nicht zu den betreffenden Bevölkerungsschichten gehört. Dann kann man es sich schön bequem machen.
In New York werde ich auch nicht ausgeraubt, wenn ich zur upper class gehöre und nur in "meinen" Bereichen zugegen bin.
Angepasst hat man im Osten sicher kein Problem. Aber wer will das schon?
Anstatt euch aufzuregen, hört einfach auf, das Thema so hochzuhängen. Werdet erwachsen.
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+14 #60 Astrid aus Jena 2011-12-01 10:54 Toll geschrieben-spricht mir aus dem Herzen…
Wohne seit langem nicht mehr in Jena, bin aber immer noch mit Herz und Seele Jenenserin-und war total betroffen und wütend, als ich den Aspekte-Beitrag gesehen habe. Wie kann ein öffentlich-rechtlicher Sender nur so oberflächlich Bericht erstatten, und wer ist eigentlich dieser Herr Uhly? Da hat er ein Buch geschrieben, in dem zufällig ein scheinbarer Zusammenhang zur Realität erkennbar ist-und schon schwingt er sich zum Sprachrohr "gegen Rechts" auf-und das nur mit allen Allgemeinheiten und Klischees des"braunen Ostens"…Er sollte sich schämen!
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+20 #59 unweit von Jena 2011-11-29 23:51 Eins hat der Beitrag beim ZDF gezeigt, dass Politik und Medien alles dafür tun werden, dass die Mauer zwischen Ost und West zumindest in den Köpfen nie fallen wird, egal wie viel rechte und linke Gewalt es in Deutschland gibt. Herr Uhly bekommt nicht mal mit, dass er dafür missbraucht wurde, oder wollte er es nicht mitbekommen um eine gute Reklame für sein Buch zu bekommen? Wo die wirkliche rechte Gefahr sitzt, haben die "Pannen" bei der Aufklärung der 10 Mordfälle gezeigt. Zitieren
 
 
+18 #58 HP 2011-11-29 19:26 und das schlimmste ist…dafür zählt man GEZ!! Zitieren
 
 
+18 #57 Rainer Dinger 2011-11-29 11:14 Herr Uhly hat sich vom ZDF mißbrauchen lassen und es erst gemerkt, als es schon zu spät war. Chaoten gibt es überall in Deutschland nur die Medien haben sich jetzt wieder den Osten als Hochburg der " Rechten Szene" ausgeguckt. Das es Behörden waren, die diese Szene erst ermöglicht haben, dies wird kaum beleuchtet. Vielleicht lädt der OB von Jena Herrn Uhly nochmal ein und zeigt ihm ein realistischers Bild von Jena und Thüringen. Zitieren
 

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