Sonntag, 18 | 08 | 2019 - jenanews.de_2.1 - Gute Nachrichten für Jena.
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Eine Kolumne für... die Enten

Es ist Freitag. Der Count Down Richtung Feierabend läuft. In sieben Stunden ist es soweit. Wieder hat man mich an meinen Stuhl in der Redaktion gefesselt um zu verhindern, dass ich, wie an solchen Tagen üblich, zeitiger ins Wochenende gehe.

Ich fühle mich beengt. Mir ist langweilig. Gebannt verfolge ich den Weg des großen Zeigers auf der Uhr. Mein Gott, so eine Umrundung kann doch nicht soooo langen dauern! Ich will nach Hause!!! Draußen scheint die Sonne, die Mädels zeigen sich zum vielleicht letzten Mal in diesem Jahr bauchfrei, und ich verrotte hier an meinem Schreibtisch! Fair ist anders.

Ich sinne darüber nach, welche Ausrede ich benutzen kann, um das Büro zeitiger zu verlassen. Dabei sollte die Glaubwürdigkeit der Ich-muss-heute-eher-weg-Argumente aber mindestens im zweistelligen Bereich liegen. Hm, ich könnte ja sagen, macht mich los ihr Bande, ich muss zur Recherche für meine neue Kolumne ins Titty Twister. Ach und gebt mir mal noch 100 Euro aus der Redaktionskasse mit, falls ich dort ein Wasser trinken möchte.

Um die Langeweile zu bekämpfen, arbeite ich an meinem ersten HartletterNewsfried. Da ich – Sie erinnern sich – gefesselt vor meinem Schreibtisch hocke, angle ich mir mit dem Mund einen Bleistift und begebe mich ans Werk. Ist fast wie in einer geschützten Werkstatt, quasi wie Fußmalerei, nur mit dem Mund, macht aber mindestens genauso wenig Spaß. Verdammt, wer holt mich hier raus?! Wenn man Al Kaida mal braucht, sind die nicht da...

Gestern philosophierte ich auf Twitter darüber, ob auch bei Katzen Demenz auftreten könne. Meine frisst den ganzen Tag und vergisst dabei ständig, dass sie längst satt sein müsste. Ich hörte auch von Papageien und Nymphensittichen, die infolge unkontrollierter Völlerei zu schwer fürs fliegen wurden. Ja ja, die Tiere. Vielleicht fressen die aber auch nur aus Langeweile so viel. Ich meine, mir geht das doch genauso. Und fliegen konnte ich von Geburt an nicht.


Foto: © Andrea Kusajda, pixelio.de

 

Auch so ein Versehen der Evolution. Der Mensch, diese stolze Gattung, die es zu schaffen scheint, innerhalb nur weniger Jahre alles auszurotten, was nicht den aufrechten Gang beherrscht, kann nicht fliegen! Haben Sie sich mal gefragt, was sich Enten zutuscheln, während Sie an der Saale stehen und die leckeren Tiere füttern? „Guck sie dir an, wie sie da unbeholfen am Ufern lang tappen und ihre Essensreste ins Wasser schmeißen“, sagt die eine Ente zu anderen. „Genau! Und frieren sich hier im Winter den Arsch ab, weil sie nicht in den Süden fliegen können!“

Hier aber irrt das flugbefähigte Federvieh. Der Mensch beherrscht zwar die Kunst des Fliegens nicht, doch ist er sehr wohl in der Lage, sich zu diesem Zwecke Apparate zu bauen, mit deren Hilfe er genau jenes zu bewerkstelligen vermag. Und weil der Mensch dabei recht gründlich vorgeht, erschafft er sich für verschiedene Aufgaben der Luftfahrt verschiedene Flugzeuge. Spionage-Flugzeuge, um die Lage auszuspähen. Bomber, die dann alles kaputt machen, was bedrohlich aussah. Cargo-Maschinen, um Hilfsgüter und Baumaterial in die Krisenregion zu befördern. Wenn dann am Ende alles wieder schön aufgebaut ist, kommen die Touristenflieger und spucken ihre zahlungskräftige Ladung aus. Und während der Erholungswillige den Tag genießt, kreisen über ihm die Spionage-Flieger um nachzusehen, ob man nicht doch etwas bedrohliches sieht...

Aber versuchen Sie das mal den Enten an der Saale beim nächsten Füttern zu erklären. Die werden das nicht verstehen. Dummes Federvieh!

Die volle Ladung Hartfried Ackermann gibt's hier.


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