Dienstag, 12 | 11 | 2019 - jenanews.de_2.1 - Gute Nachrichten für Jena.
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Eine Kolumne für... die Krise

Momentan kann man machen, was man will, überall wird man mit der Krise und ihren Auswirkungen konfrontiert. Die Griechen sind pleite, so dass die Preise für Tzatziki in den Himmel schossen. Die Börse reagierte arg empfindlich darauf, dass es bald niemanden mehr geben wird, der Tzatziki herstellen kann, weil die Griechen alle auswandern und ihr Land der Erosion überlassen.

Portugal und Spanien stehen auch beinahe vor dem Staatsbankrott. Die letzte Rettung scheint der Verkauf Mallorcas an Deutschland für sieben Eimer Sangria zu sein, wobei fraglich ist, woher wir das Geld für diese Rettungstat noch nehmen sollen. Zwar werden wir Deutschen täglich dicker, doch ich befürchte, das dicke Ende kommt erst noch. 500 Milliarden Euro für die notleidenden Banken, 22 Milliarden Euro für das erodierende Griechenland, 5 Milliarden Euro für die Abwrackprämie - irgendwann werden wir kein Geld mehr für Papier haben, um neues Geld zu drucken. So scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, wann auch das Haus des deutschen Finanzministers zwangsversteigert wird. Und täglich wird die Lage dramatischer. In einem Kommentar in den Tagesthemen hieß es, nach dieser Krise wird nichts mehr so sein, wie es vorher war. Na hoffentlich!

An mir ist die Krise irgendwie vorbeigegangen. Bestenfalls habe ich einen kühlen Hauch verspürt, aber das war's dann schon und alles ist so, wie es vor der Krise auch schon war: Meine Grünpflanzen gammeln weiter vor sich hin (Darwin wäre stolz auf mich: Natürliche Selektion – welche Pflanze überlebt am längsten ohne regelmäßiges Gießen? Im Augenblick hat mein Kaktus leicht die Nase vorn...), meine Katze übergibt sich weiterhin regelmäßig auf dem Wohnzimmerteppich und der FC Carl Zeiss Jena spielt weiter in der 3. Liga und nicht wie gefühlt seit Jahren Champions League. Aber letztlich wurde der FCC auch nur ein bedauernswertes Opfer der Finanzkrise: Wer mehr Geld ausgibt als Real Madrid, aber Einnahmen hat wie eine Wirtschaftsmacht in der Sahel-Zone, muss über kurz oder lang Probleme bekommen. Doch dann sprang der Freistaat ein und rettete Thüringens Fußball-Stolz mit Geldern aus dem Fond für in Folge der Krise in Schwierigkeiten geratene Unternehmen und alle haben gejubelt, obwohl das Tor aus stark Abseits verdächtiger Position erzielt wurde.

Ich gebe offen zu, dass ich die Krisen-Rettungs-Mechanismen immer noch nicht ganz verstanden habe: Da gehen Banken oder Staaten oder Fußballklubs reihenweise pleite und müssen vom Staat gerettet werden, in dem sich der Staat weiter verschuldet und sich Geld bei den Banken leiht, um dieses bei den Banken geborgte Geld in die Banken zu pumpen. Hä?! Wie gesagt, ich versteh' das nicht.

Ich verstehe auch nicht, was aktuell bei der französischen Fußball-Nationalmannschaft im Argen liegt. Früher, als ich noch aktiv Fußball spielte, war das Wort des Trainers Gesetz. Wer sich über Sinn oder Unsinn eines Waldlaufes mokierte, bekam vom Trainer zu hören, „so lange Du noch meckern kannst, hast Du noch Reserven!“ So war das damals. Ein verschossener Elfmeter zog 50 Liegestütze nach sich. Beim Training zu spät kommen, 50 Liegestütze. Beim Rauchen in der Kabine erwischt, 50 Liegestütze. Wir hatten Arme wie die Holzfäller!

Bei der französischen Nationalmannschaft täten diese kleinen Erziehungsmethoden auch mal Not. Da forderte doch ein Spieler tatsächlich seinen Coach zum Analverkehr mit sich selbst auf und nannte ihn obendrein noch den Sohn einer Frau, die ihren Lebensunterhalt mittels häufigst wechselnder Sexualpartner bestreitet. Hm, kaum vorstellbar, dass so etwas im DFB-Team geschehen könnte. Unser schlimmster Feind ist der Ball und seit Jürgen Klinsmanns Zeiten arbeiten 30 Psychologen pro Nationalspieler an der Überwindung dieser Angst-Neurose.

Ich hoffe ganz sehr auf Erfolg, denn ein Scheitern unserer Elf bei der WM würde auch mich zum unmittelbar Betroffenen der Krise machen: Ich habe nämliche viele Millionen T-Shirts gedruckt, die ich nach dem Sieg über Ghana in meinem Online-Shop verkaufen möchte. Vorderseite: „Weine nicht, wenn der Knöchel bricht!“ Rückseite: „Kevin Prince Boateng – ich war dabei!“

Hartfried Ackermann für jenanews.de - ich gebe zurück in die Redaktion.

Foto: © Kurt F. Domnik, pixelio.de

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