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Lebensweisheiten oder Warum ich Frauen toll finde

Neulich in Jena. Die wöchentliche Kolumne auf jenanews.de. Von Hartfried Ackermann. – Während ich am Sonntagmorgen in der Wagnergasse beim Frühstück sitze, gehen mir viele Dinge durch den Kopf. Zum Beispiel, dass sich Frauen viel geschmeidiger bewegen als Männer. Oder dass die leckeren Kekse, die zum Cappuccino serviert werden, einfach viel zu klein sind. Oder dass das ganze Hick-Hack um künftige Noch-Trainer des FC Carl Zeiss Jena und seiner Sportdirektoren ganz schön nervt. Aber das ist ein anderes Thema, also zurück zu den Frauen: Schon allein die Art, wie sie sich mit der Hand durchs Haar fahren, finde ich toll. Man muss sich nur zehn Minuten Zeit nehmen und Frauen im Drogeriemarkt oder in einer Parfümerie beobachten, um zu verstehen, was ich meine. Das Schnuppern an Duftproben, das Ausprobieren von Lippenstiften, Lidschatten und Nagellack – wie in Trance, versunken im Hier und Jetzt – strahlt eine so subtile Erotik aus, dass ist nicht einmal mehr von Mutter Beimer zu toppen.

Wenn wir Männer doch nur halb so erotisch wirken würden, während wir im Baumarkt Fließenschneider, Schlagbohrmaschinen oder Tapetenleim inspizieren… Aber wie sagt ein norddeutsches Sprichwort so treffend: Was dem einen die Eule, ist dem anderen die Nachtigall. Überhaupt hält der Volksmund für jede Situation des Lebens eine Weisheit parat: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein (gilt das auch für Tiefbau-Unternehmer?), die Axt im Haus erspart den Zimmermann (was sagt eigentlich die Handwerkskammer dazu?) und allen Menschen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann. Möglicherweise sieht das aber Franz Beckenbauer ganz anders.

Der Volksmund sagt auch, für jede Tür, die sich schließt, öffnet sich eine andere. Diese Weisheit muss dem freundlichen Fahrer der Linie 10 geläufig gewesen sein, als er – kaum, dass ich in handgestoppter Weltrekordzeit den Bus erreicht hatte – vor meiner Nase die Tür schloss und ohne mich abfuhr. Ich bin nicht nachtragend, aber zwölf Minuten im strömenden Regen können verdammt lang werden. Als sich dann für mich die Tür des nachfolgenden Busses zum Einsteigen öffnete, hatte ich auf ungefähr 35 verschiedene Arten Rache am Fahrer des vorherigen Busses genommen. Auch dafür hat der Volksmund einen Spruch parat: Vorfreude ist die schönste Freude.

Apropos Vorfreude: Können Sie sich noch an die Begegnung mit meiner absoluten Traumfrau in der Straßenbahn erinnern? Ging beinahe tragisch aus. Und so ist das im Leben: ich träume mit offenen Augen von ihr, während sie doch nur meinen Fahrschein kontrollieren will… Es ist wie mit dem Ausfüllen von Lottoscheinen. Ob man am Ende den Hauptgewinn in den Händen halten wird, weiß man immer erst hinterher. Oder einfacher ausgedrückt: Der Volksmund sagt, hinterher ist man schlauer als zuvor.

Es gibt noch weitere wohlklingende Lebensweisheiten. So soll Sepp Herberger gesagt haben, nach der Nebenkostenabrechnung ist vor der Nebenkostenabrechnung. Dem kann ich inhaltlich voll zustimmen, wobei mich diese Weisheit nicht wirklich erschüttert, da sich vor allem meine Heizkosten in überschaubaren Grenzen halten. Bei mir beginnt die Heizperiode nämlich immer erst am 31. Dezember und endet bereits am 1. Januar. Da ich aber Silvester nie zu Hause bin, ist nachvollziehbar, weshalb mich die Nebenkostenabrechnung nicht sonderlich erschüttert.

Meine Nachbarn dagegen schon und so ertappe ich mich also während des Frühstücks am Sonntagmorgen mit der zutiefst philosophischen Frage, weshalb die Nebenkosten eigentlich Nebenkosten heißen, wenn sie doch in zunehmendem Maße die Hauptkosten für eine Unterkunft verursachen? Und was sagt der Volksmund dazu? Spare in der Zeit (häh?!), dann hast du in der Not. Zwischenfrage: Wie soll man denn bitte in der Zeit sparen? Ist etwa mit “Spare in der Zeit” die nämliche gemeint, ein Lebensabschnitt etwa, in welchem man über die erforderlichen liquiden Mittel verfügt, um für schlechtere Zeiten vorzusorgen? Quasi die Riester-Rente für Nebenkosten-Abrechnungsgeschädigte? Oder ist damit die Zeit gemeint, welche vergeht? Zeit in einem sich bewegenden Objekt vergeht laut Einstein langsamer als Zeit in einem ruhenden Objekt. Je schneller man sich bewegt, um so langsamer verstreicht also die Zeit und um so größer wird die Menge an Zeit, die man gewinnt oder spart. Sagt jedenfalls die Ackermannsche Ableitung aus der Relativitätstheorie…

Mir wird bewusst, dass ich mir gerade – Rührei mit Schinken kauend – mit all der Nachdenkerei über die Lebensweisheiten von früher und heute den Sonntag verderbe. Ich glaube, ich werde weiter den Rat meiner Oma beherzigen. Sie sagte immer, man solle unbedingt darauf achten, sich bei der Fußpflege nie mit dem Kopf an das Fußende zu legen. Und da steckt unglaublich viel Lebensweisheit drin.

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