Montag, 23 | 09 | 2019 - jenanews.de_2.1 - Gute Nachrichten für Jena.
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Ich mach das doch nicht zum Vergnügen!

Hartfried Ackermanns neue Serie "Wie ich den Kernberglauf gewann" auf jenanews.de. Heute: Ich mach das doch nicht zum Vergnügen! - Nur noch vier Tage, dann werde ich den Kernberglauf gewonnen haben wollen. Ich trainiere hart für den Sieg. Mit jetzt nur noch 68 Prozent Körperfett fühle ich mich fit wie eine Familienpackung Fischstäbchen– aber ich rieche besser.

Übrigens gibt es nur zwei Dinge, die nach Fisch riechen: Ein Fischpups und die Pommes bei Nordsee.


Die Vorbereitungen auf den Samstag sind fast abgeschlossen: Inzwischen ist mein Startgeld beim Veranstalter eingetroffen sowie das kleine Präsent für den Mann an der Stoppuhr. Im Gegenzug habe ich meine Startnummer erhalten und mir wurde zugesichert, dass meine Siegerzeit so bei 50 Minuten liegen wird.

Ich nehme mein Vorhaben sehr ernst. Mein Körper ist gestählt wie nie. Ich fühle mich wie eine Maschine. Mechanisch setze ich auf meinem Weg durch die Kernberge einen Fuß vor den anderen. Der Puls ist optimal. Vor meinem geistigen Auge die Vision vom Sieg. Tunnelblick. Genau so muss Sport sein. Ich mach das doch nicht zum Vergnügen! Mein Trainer sagt: „Wenn du nicht gewinnen willst, dann spiel halt Fußball beim FCC!“

Hm, der Kernberglauf, das ist so in etwa wie die Nordroute zum Himalaya. Hier können Männer noch Männer sein. Und Frauen auch. Es ist wie Schlittenhunderennen, nur das Du gleichzeitig Hund und Schlitten bist – und das alles ohne Sauerstoffmaske. Männersport eben. Und seit Tagen hängt in meiner Wohnung dieser unvergleichliche Geruch nach Adrenalin und Erfolg. Könnten aber auch alte Socken sein.



Gestern trainierte ich zum ersten Mal unter wettkampfnahen Bedingungen. Ich kämpfte gerade mit der schlimmsten aller Steigungen und befand mich zwischen Fürstenbrunnen und Steinkreuz – just in dem Augenblick rief mich meine Freundin auf dem Handy an. Beim besten Willen - ich konnte das Gespräch nicht annehmen. Trotz mehrtägigem Höhentraining in den Gebirgszügen Südamerikas, es ging einfach nicht: The person you have called is momentary dabei, Lunge zu kotzen...

In solchen Momenten wünsche ich mich immer ganz weit weg. Irgendwohin, wo es schön ist. Also nicht direkt Ammerbach zu Zeiten der Baustellen-Vollsperrung. Aber zum Beispiel in den Süden. So wie unsere heimischen Vögel, diese Verräter! Genießen hier den Sommer, lassen sich das Gefieder braun brennen und verkrümeln sich wieder, sobald es kühler wird, in den Süden. Kaum dort angekommen, prahlen sie und schreiben eine Postkarte an die Daheimgebliebenen: „Hallo Ihr, wir sind wie immer gut in Afrika angekommen. Das Wetter ist schön, die Unterkunft auch. PS: Könnt Ihr mal gucken, Matze hat seinen Teddy zu Hause vergessen.“

Worauf Mitte Februar eine Postkarte aus Mitteleuropa nach Afrika geschrieben wird: „Hallo Ihr da im Süden, hier ist es wie immer saukalt und die Menschen treiben lustig Mummenschanz. Sie nennen es Fasching. PS: Seid Ihr weg seit, reicht das Futter wieder für alle.“

Alle Beiträge aus der Reihe "Wie ich den Kernberglauf gewann" finden Sie hier.

Foto: © by Kunstzirkus, pixelio.de


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