Samstag, 23 | 03 | 2019 - jenanews.de_2.1 - Gute Nachrichten für Jena.
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Hartleibigkeit ist nichts für Weicheier

Neulich in Jena. Die wöchentliche Kolumne auf jenanews.de. Von Hartfried Ackermann. – Zugegeben: Manche Themen sind nicht wirklich lecker und doch will – nein, muss - ich heute über eine Sache berichten, die mir schon seit langem unter den Nägeln brennt. Soviel vorweg: Mein geliebtes Wikipedia, das Allwissende, sagt dazu: Nichts. Niente. Nada. Nothing. Ist doch komisch, oder?


Also: Der Umstand an sich wird oft schwammig umschrieben, etwa so: Wenn der Stuhlgang zum Problem wird... Oder: Schön zu können, wenn man muss... So ein Scheiß! Es ist nicht schön zu müssen, wenn man neben der Schnellstraße joggt und meilenweit ist keinerlei Sichtschutz zu entdecken! Haben Sie mal versucht, entspannt die große Notdurft hockend hinter einer Glasscheibe eines Bushäuschen zu verrichten?! Und das mitten im Berufsverkehr?

Spätestens jetzt wird Ihnen klar, was ich meine. Denn Hartleibigkeit ist eigentlich in aller Munde. Na ja, nicht direkt in aller Munde. Aber so ähnlich. Und jeder kennt das auf die eine oder andere Weise: Du isst und isst und isst und stellst irgendwann völlig überrascht fest, dass du seit Tagen (Wochen???) nicht mehr auf Toilette warst. Jedenfalls nicht, um das volle Programm abzuspulen. So quasi der totale Räumungsverkauf: Alles muss raus! Tja, das kann dann durchaus schmerzhaft werden. Drücken Sie doch mal einen LKW mit Hänger aus einer Parklücke, in die maximal ein Smart passt!


Spätestens jetzt haben Sie das Problem erkannt. Das Sprichwort „Es geht um die Wurst“ erfährt da gleich eine ganz neue Bedeutung. Der Mensch ist ja eh ein Gewohnheitstier. Warste paar Tage nicht groß und so weiter, wird’s wohl auch noch einen weiteren Tag ohne gehen. Und dann bist du so schön beim Joggen, immer neben der Schnellstraße her und wirst plötzlich von der Peristaltik Deines eigenen Verdauungstraktes überrascht... und hockst dann mitten im Berufsverkehr hinter einem vollverglasten Bushäuschen.

Peinlich, das alles. Ganz ehrlich. Zumal mir auch die Mitarbeiter des Umweltamtes so unendlich leid taten, die in dieser Sache ermitteln mussten. Allein der Aufwand mit dem ganzen Erdaushub und wohin dann mit dem kontaminierten Bushäuschen?

Wobei ich mich manchmal frage, was wohl Archäologen über uns denken werden, wenn sie die Reste meines rückwärtigen Dammbruchs irgendwann in 1000 Jahren ausgraben? Gelten wir dann alle als Verbrecher, als Erzeuger von Massenvernichtungswaffen? Oder wird man es uns nachsehen? - Schließlich sind wir alle nur Opfer unserer eigenen Ernährung. Oder der Pharmaindustrie.

Zurück zum Thema: Die Geschichte der Hartleibigkeit ist eine Geschichte voller Missverständnisse. So wissen wir bis heute nicht, was den 30jährigen Krieg tatsächlich ausgelöst hat. Fenstersturz, ha ha! Da ging es gewiss um Höheres, da bin ich mir sicher. Die Leute so um 1618 hatten auch Bedürfnisse. Kleine und große. Aber davon liest man in den Geschichtsbüchern nichts. Niente. Nada. Nothing! Ich meine, mussten die Leute früher nicht auch irgendwann mal? Oder sind die einfach irgendwann geplatzt und hatten deshalb so eine geringe Lebenserwartung?

Wir sollten endlich anfangen, die Dinge beim Namen zu nennen! Zum Beispiel: Ich lernte vor kurzem meine ganz persönliche Frau des Jahrhunderts kennen. Ein Blick von ihr genügt, mir eine Lähmung des Sprachzentrums zu verursachen und mein Ruhepuls sinkt nicht unter 200. Aber jetzt kommt das Problem:
Ich sitze mit ihr auf der Couch. Wir werden zärtlich. Totenstille in der Wohnung. Plötzlich meldet sich mein Bauch. Ich würde es nicht direkt als Blähung bezeichnen, aber irgendwann tut das richtig dolle weh!

Ich kann dann nicht einfach zu ihr sagen – noch dazu, während sie mit mir auf meiner Couch schmust,– Schatz, ich muss mich jetzt erst mal heftigst ...( auskacken) ...um die Sanitärkeramik kümmern! Das geht doch nicht! Nie und nimmer! Aber irgendwann bricht sich alles Bahn. Wir unterbrechen die Schmuserei und wollen Essen gehen. Ich bücke mich, um meine Schnürsenkel zu binden und was passiert? Eigentlich nur ein kleiner frecher Wind, aber in einer Lautstärke und Intensität, dass sich meine Nachbarin – geboren 1928 – an schlimme Bombennächte mit anschließendem Feueralarm erinnert fühlte.

Ich hab mich dann einfach heraus geredet und es auf die Katze geschoben. Das freche Ding wisse sich eben nicht zu benehmen. Und dabei wäre es so angenehm, einfach sagen zu können: Boah, irgendwie ist mir jetzt wohler. Und nun lass uns Essen gehen!

Überhaupt! Wir reden immer um den heißen Brei, und das den ganzen Tag. Beispiel gefällig? Frauen sagen: „Erst hab ich im Bad ewig gebraucht, bis die Frisur saß, dann ist mir ein Nagel eingerissen, ich hab den Bus verpasst, kam daraufhin zu spät zu meinem Date und der Typ war schon wieder weg...“ Männer fassen sich da kürzer, fassen das Ungemach in einen Satz: „Ich hatte einen beschissenen Tag!“ So einfach ist das manchmal.

Aber wie heißt es doch? Entscheidend ist, was hinten raus kommt. Womit wir wieder beim Thema wären...


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