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Eine Kolumne für... Früher

Früher war alles besser: Musste der Neandertaler aus beruflichen Gründen die Höhle verlassen, schnappte er sich seine Keule und stand so gut wie nie im Stau. Das Essen war komplett Bio und die Frauen fanden nichts dabei, sich vorwiegend im dem Bereich der Höhle aufzuhalten, den wir heute als Küche bezeichnen.

Die Menschen waren in Felle gekleidet und niemand hätte sie dafür angespuckt oder in ganzseitigen Zeitungsanzeigen diffamiert. In Sachen Berufsleben war es damals auch deutlich einfacher: Die Jäger jagten, die Sammler sammelten, jeder tat auch ohne Manager und Aufsichtsratsvorsitzende was er sollte und weil es keine Werbeanrufe gab, kam auch niemand auf die Idee, Kaufmann für Dialog-Marketing zu werden.

Wollte der Neandertaler seine Memoiren verfassen, rührte er sich etwas Farbe an und hinterließ an diversen Höhlenwänden seine Erinnerungen, die wir zwar bestaunen, aber noch immer völlig falsch interpretieren. Von wegen Jagdkult! Da hatte einer einfach nur Bock auf Fleisch und das ohne jedes schlechte Gewissen von wegen Cholesterinspiegel und so.
Wenn heute junge Menschen ihre Memoiren mit Farbe an Höhlenwände sprühen, werden sie wegen Sachbeschädigung polizeilich in Gewahrsam genommen.

Etwas später, aber noch immer lange genug vor unserer Zeit, vergruben die Menschen ihre Aufzeichnungen als Botschaft an kommende Generationen ohne jede Baugenehmigung irgendwo auf dem Acker. Auch das geht heute nicht mehr. Ständig muss man damit rechnen, dass innerhalb der nächsten zwölf Monate das komplette Flurstück wieder aufgegraben und saniert werden muss, weil ein Umweltminister dort Castor-Rückstände verbuddeln ließ oder die Telekom ein Kabel verlegen will.

Überhaupt war der Umweltschutz früher viel besser. Vielleicht lag es daran, dass es noch keine Umweltschutzorganisationen gab. Hätte es die damals schon gegeben – ich bin mir sicher – Greenpeace und all die Artenschützer hätten gemeinsam dafür gesorgt, dass die Dinosaurier vor dem Aussterben gerettet werden. Da hätten wir heute aber ein gewaltiges Problem! Schon allein der viele Platz, den ein einziger langhalsiger Sauropode benötigt – und dann kamen die aber immer gleich im Rudel! Wir haben im Saaletal so schon kaum Wohnraum genug für alle Einwohner.
Und was das Bauwesen anbetrifft, waren die Menschen früher auch irgendwie klüger als wir. Die Pyramiden stehen seit 5.000 Jahren - wir aber müssen in Lobeda alle 20 Jahre eine Komplettsanierung vornehmen. Da stimmt doch was nicht!

Nee, früher war das alles irgendwie durchdachter. Der Energiemix bestand zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen, und Umweltschäden gab es nur, wenn mal ein Komet einschlug.
Später bewahrte man seine Vorräte für schlechte Zeiten in Speichern auf und niemand wäre auf die Idee gekommen, sich mit Daten zu bevorraten. Das hätte ja auch viel genützt bei der nächsten Hungersnot! „Du sieh mal, ich habe hier die kompletten Verbindungsnachweise meines Handys der letzten 15 Jahre. Die lass ich mir jetzt aber mal so richtig schmecken!“

Die Menschen waren früher auch viel freier. Vor der Erfindung der modernen Stahlkappe und der bundesweit operierenden Friseurketten gab es keine Nazis und Kurzhaarfrisuren waren total out. Wer Juden in seinem Keller verstecken wollte, tat dies aus freien Stücken und nicht, um sich später... na ja.

In Sachen Integration war man früher auch schon viel weiter als wir heute sind. Man schlug den Fremden einfach die Schädel ein und beraubte sie – oder umgekehrt – und begab sich hernach wieder an sein Tagwerk. Heute ist diese Art der Brachial-Integration nicht mehr erlaubt.

Nun gut, früher operierte man noch mit dem Steinbeil, aber wenn die Bundesregierung mit ihrer Gesundheitsreform erfolgreich ist, werden wir im medizinischen Sinn bald wieder die selben Zustände haben wie damals, nur eben viel teurer.
Früher gab es auch keine Rente mit 67. Unsere Vorfahren waren irgendwie fairer und ließen sich entweder vom Mammut tottrampeln oder starben dank des ausgezeichneten Gesundheitswesens mit Mitte 30 an einer Zahnvereiterung. Aber was das anbetrifft, sind wir ja inzwischen auf einem guten Weg...

Text: Hartfried Ackermann
Foto: wikipedia.org
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