Freitag, 23 | 08 | 2019 - jenanews.de_2.1 - Gute Nachrichten für Jena.
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Eine Kolumne für... die Fußball-WM

Mensch, ist das schön! Endlich wieder Fußball-WM. Und ich bin bestens vorbereitet: Seit letzten Freitag flattern bei mir 264 Deutschland-Fahnen am Wagen, am Samstag platzierte ich die lebensgroße Lukas-Podolski-Wachsfigur auf dem Autodach, um mich am Sonntag pünktlich zum ersten Auftritt von Jogis Krabbelgruppe als echter Fan zu outen:

Ich im schwarzen T-Shirt, rote Unterhose und gelbe Socken zum Rudelgucken in den Jembo-Park. Schön war’s!

Doch leider nur die ersten drei Minuten. Dann gab es einen Stromausfall. Hm, schon blöd. 500 Leute auf der Wiese und alle gucken in die Röhre. Irgendwann gab ein Techniker per Mikrofon den aktuellen Spielstand durch: „Achtung! Achtung! Es steht 1:0. Das Tor hat Lukas Podolski geschossen.“ Oder so ähnlich. Wohlwollendes Gemurre aus allen Reihen. Dann aber! Bild! Ton! Jaaaa! Für drei Minuten waren wir wieder live dabei. Und dann kam der nächste Stromausfall. Der Mob schrie nach Freibier, ich packte meine elektrisch verstärkte Vuvuzela und zog gen nahe gelegenem Best Western Hotel weiter, schließlich wollte ich nicht noch ein Tor verpassen.

So ein 4-Sterne-Hotel ist schon was feines. Dezente Musik in der Lobby, dezente Musik auf den gefliesten Toiletten, Menschen in Business-Kleidung, die bei einem guten Glas Rotwein das Spiel in der Hotelbar verfolgten. Und in genau diese Szene platzte ich in oben beschriebenem Outfit. Erst dachte die Kellnerin, ich wäre vom Jägermeister-Promotion-Team. Dann verwechselte sie mich mit Wigald Boning und bat mich um ein Autogramm. Viele Hotelgäste taten es ihr nach. Letztlich habe ich vor lauter Autogramm schreiben das 2:0 verpasst. Irgendwie hatte ich mir diesen Abend ganz anders vorgestellt.

Zur Halbzeit wechselte ich also erneut das Lokal, um das Spiel in aller Ruhe beim Griechen meines Vertrauens zu Ende zu sehen. Ach, die Griechen! Seit Jahren pleite und trotzdem fröhlich. Verlieren bei der WM gegen Südkorea mit 2:0 und sind trotzdem fröhlich. Mama Grieche pappt jeden Tag auf’s neue diverse Zutaten in den Topf und immer wird Tzatziki draus und Papa Grieche ist trotzdem fröhlich. So konnte ich das Spiel der deutschen Mannschaft inmitten fröhlicher Menschen verfolgen und von Ouzo zu Ouzo wurde es besser.

Wenn nur diese nervtötenden Vuvuzelas nicht wären! In Deutschland bekommst Du keinen Apfel ins Stadion geschmuggelt, weil er als Wurfgeschoss verwendet werden könnte, und in Afrika schleppen die halbe Contrabässe auf die Tribünen! Geht doch gar nicht!
Nun hat die FIFA endlich reagiert und will die Vuvuzelas verbieten. Was in etwa auf das gleiche hinausliefe, als hätten die Afrikaner bei der WM 2006 in Deutschland gesagt: Passt mal auf Ihr Europäer, die Fangesänge in den Stadien müssen verboten werden. Man hört ja unsere Vuvuzelas gar nicht.



Das witzige daran ist, bis vor wenigen Tagen kannte die Dinger in Europa kein Mensch. Außer der in Jenas Stadtmitte beliebte Pfarrer Lothar König vielleicht, der weiß nämlich immer alles und zwar ganz genau. Bin nur mal gespannt, ob er in diesem Jahr wieder die „Deutschtümelei“ am Faulloch verbieten lassen will wie bei der WM 2006. Falls ja, stelle ich mich bis zum Finale mit meiner elektrisch verstärkten Vuvuzela unter Königs Schlafzimmerfenster und übe „Freude, schöner Götterfunken...“. Falls nein: Ich werde trotzdem üben, denn wenn wir das Finale gegen die Slowakei nach Elfmeterschießen gewinnen, will ich für die Siegesfeier vorbereitet sein.

Hartfried Ackermann für jenanews.de - ich gebe zurück in die Redaktion.
Foto: wikipedia.org - mit freundlicher Genehmigung.

 

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